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Kurzportrait


Heinz Eimert – Vom Geist der Gegensätze

von Dr. Barbara Aust


Heinz Eimert, Geist will sich formen, Lack auf Holz, 2003


Wer die Bilder des Hamburger Künstlers Heinz Eimert betrachtet, dem kommen unwillkürlich Goethes Worte in den Sinn: “Weil aber die Materie nie ohne Geist, der Geist nie ohne Materie existiert und wirksam sein kann, so vermag auch die Materie sich zu steigern, so wie sich ´s der Geist nicht nehmen lässt, anzuziehen und abzustoßen.“ Das Spiel mit polaren Gegensätzen beherrscht Heinz Eimert perfekt, dessen Abstraktionen in Lack und Öl sich in Kontrasten von hellen und dunklen Farben, geschliffenen und schroffen Oberflächen, glänzenden und matten Farben, geschlossenen und offenen Strukturen manifestieren.


Heinz Eimert, Siera Madre, 2003


Die Formensprache des 1933 in Hamburg Altona geborenen Künstlers ist abstrakt und streift in jüngeren Arbeiten auch den Bereich des Dreidimensionalen, wie in „Das Positive überzeugt“(Lack auf Holz, 2003). Die aufgestemmte Oberfläche des Holzes legt nicht nur die Struktur des Materials frei, sondern verstärkt noch den Eindruck der Spiegelung von Positiv und Negativ. Während zwei Dimensionen eine Fläche bilden, verhilft hier die dritte Dimension der Fläche zum Volumen – sie ist form – und raumbildend. Das Dreidimensionale ist bei Heinz Eimert nicht auf das plastische Objekt beschränkt, sondern schließt Raumbildung in jeglicher Ausprägung ein, vom Innenraum über den Außenraum bis hin zum Lebensraum. Der Lebensraum wird dreidimensional, wenn der Künstler sich über die Tagesebene und somit über sich selbst erhebt.


Heinz Eimert, Weltenfluss III, 2003


Ähnlich wie bei Joseph Beuys liegt der Denkansatz zum künstlerischen Handeln bei Heinz Eimert in der Anthroposophie. Auch wenn sich die Arbeiten beider Künstler grundsätzlich unterscheiden, so ist doch der Versuch, einen Weg zur sozialen Plastik zu finden – so wie Beuys es in seinen schriftlichen Äußerungen vorgibt – deutlich zu erkennen. Konsequent ist bei Heinz Eimert der absolute Gang in die Gegenstandlosigkeit, weil diese nach Ansicht des Künstlers die einzige Möglichkeit ist, in völliger Freiheit Geistiges sichtbar zu machen.


Heinz Eimert, Das positive überwiegt, 2003


Mit dem Handwerk und seiner jeweiligen Technik hat Heinz Eimert sich den Spielraum künstlerischer Umsetzungsmöglichkeiten erweitert. Wie sehr aus dem experimentellen Umgang mit Material und Technik neue Ideen entstehen und zu Erkenntnissen führen können zeigt auch die Arbeit „Stilles Leben mit Vertiefungen“ (Lack auf Holz, 2003). Tiefe Einkerbungen haben Spuren auf der Holzfläche hinterlassen, deren Farbigkeit in dunklem Rot, - zarten Silber- und Ockertönen von einem Hell-Dunkel-Kontrast dominiert wird. Auffallend ist die glatte Oberfläche des Holzes, das nachträglich noch geschliffen, ja wie eine kleine Kostbarkeit sorgfältig poliert wurde. Dem Künstler ist jede Stofflichkeit denkbar für die Umsetzung eines Werkes: handfeste Materialien wie ein alter Fensterrahmen in der Arbeit „Ahriman lacht höhnisch durch das Fenster“, Metallschrauben und Glas in „Gewerkschaftstraum – Rot, Schwarz, Gold“ und Fundstücke aus der Natur, wie Muscheln oder Sand.


Heinz Eimert, Michaelischer Einluss, 2003


Die Entscheidung für Material und Form fällt Heinz Eimert im Kontext mit der Idee, wobei der kreative Prozess im Kopf die Bildung von Erkenntnissen fördert. Die Umsetzung dieses Prozesses gelingt Heinz Eimert mit einer gehörigen Portion Selbstironie, wenn er den Betrachter mit dem Geist der Unterwelt, Ahriman, konfrontiert. Dieser in der Unterwelt herrschende Gott der Finsternis aus der persischen Religion des Parsismus bringt als böser Geist Krankheit und Tod. Ganz ähnlich der christlichen Vorstellung von Gott und Teufel, Engeln und Dämonen ist auch der Ahriman Schöpfer und Gebieter eines verneinenden Gegenentwurfs zur lichten Schöpfung. Die von einem brüchigen Fensterholz gerahmte Arbeit in Lack auf Holz mit dem Titel „Ahriman lacht höhnisch durch das Fenster“ nimmt das Symboltier des Ahriman, die Schlange, in die abstrakte Komposition in Blau, Rot und Weiß mit auf. Gleichermaßen taucht aber auch der Licht bringende Erzengel Michael in den Bildern auf.


Heinz Eimert, Marina Alter II, 2003


Heinz Eimerts künstlerischer Prozess ist nicht linear, vielmehr intuitiv, weil er mit immateriellen Werkzeugen wie Wissen und Denkmethoden und materiellen Werkzeugen wie Material, Technik und Handwerk in Einklang arbeitet. Die Kunst Heinz Eimerts ist die visualisierte oder sensualisierte Form von Erkenntnis als immer neuer Baustein der Persönlichkeitsentwicklung. Mit seinen Arbeiten in Lack und Öl auf Holz gelingt dem Künstler nicht nur die Visualisierung einer abstrahierten Wirklichkeit, sondern auch die Infragestellung fester Konnotationen, Klischees und bestehender Konventionen.

Auf eine fundierte Ausbildung und zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland kann Heinz Eimert zurückblicken. Der 1933 in Hamburg Altona geborene Künstler genoss zunächst eine Ausbildung als Typograph und Studien in Freier Malerei und Zeichnen bei den Professoren Max H. Mahlmann, Kurt Kranz und Siegfried Oelke. Es folgte ein Studium an der Kunstschule Alsterdamm bei Gerd F. Setzke. Seit 1958 arbeitete Heinz Eimert als freischaffender Grafiker und Fotodesigner. Mit der Verlagerung der Tätigkeit vom Industrie - Design in die Freie Kunst, ab 1990, werden die Arbeiten nun mit „heiner“ signiert.


Barbara Aust, August 2004
ID 00000001188
Kontakt:
Künstler: Heinz Eimert
E-mail: h.eimert@web.de
www.heiner-maler.de



Autor: Dr. Barbara Aust
E-mail: Barbara.Aust@t-online.de
www.arthistoryconsulting.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.heiner-maler.de






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