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Ruhrtriennale 2012-2014

12 ROOMS

Museum Folkwang Essen



Let’s get serious

„International Festival of the Arts“ ist die neue Ausgabe der Ruhrtriennale überschrieben, und nach dem Willen von Intendant Heiner Goebbels gehört dazu nicht nur Theater, Tanz und Konzerte, sondern auch Kunst. Einer der Kooperationspartner ist daher in diesem Jahr folgerichtig das Museum Folkwang in Essen. In der Ausstellung 12 Rooms darf das „Who is Who“ der Live Arts dort jeweils einen Raum gestalten: von Marina Abramović über Santiago Sierra bis zu Tino Sehgal. Koproduzent ist das Manchester International Festival (MIF), wo die Ausstellung im Juli 2011 unter dem Titel 11 Rooms zum ersten Mal präsentiert wurde, allerdings teilweise mit anderen Arbeiten und Künstlern.

Die Idee von 12 Rooms ist im Grunde genommen ganz einfach: Auf einer Ausstellungsfläche sind 12 Räume von wenigen Quadratmetern aufgebaut, die man größtenteils durch eine Tür betreten muss. Da der Besucher in der Regel wenig mehr als den Namen des Künstlers und einen Titel erfährt, kostet es eine gewisse Überwindung, sich in einen Raum mit den Performern zu begeben, ohne genau zu wissen, was einen erwartet. Auf der sicheren Seite ist man da natürlich, wenn man sich einfach anderen Menschen anschließt, die den Kubus ebenfalls gerade betreten. Was so möglich ist, ist ein sehr individuelles und oft auch unmittelbares Kunsterleben. Und interessanterweise entwickelt sich außerhalb der Räume eine sehr kommunikative Atmosphäre: Mitarbeiter des Museums stehen zum Erfahrungsaustausch bereit, und auch die Performer, die gerade Pause haben, kommen mit den Besuchern ins Gespräch.

Am meisten Andrang herrscht erwartungsgemäß bei Marina Abramović. Sie setzt eine Performerin in Kreuzigungshaltung in einem hell erleuchteten Lichtfeld an die Wand. Selbstredend müssen Arme und Beine mit Körperkraft in einer Kreuzigungsposition gehalten werden. Luminosity/Leuchtkraft heißt diese Arbeit aus dem Jahr 1997, die zuerst von Marina Abramović in Berlin performt wurde – sechs Stunden, und zwar durchgehend. In Essen gibt es alle 30 Minuten einen Wechsel. Tief in die Knie muss der Betrachter bei Laura Limas Men=Flesh/Woman=Flesh – FLAT 1997 /2010 / 2011 gehen. Der Kubus ist bei ihr auf einen wenigen Zentimeter hohen Raum zusammengerückt, in dessen Ecke eine Frau mit dem Rücken zum Zuschauer liegt. Eindrücklich und seltsam berührend Santiago Sierras Arbeit Veterans of the wars of Yugoslavia, Bosnia, Kosovo, Serbia, and Somalia facing the corner. Ein jung wirkender KFOR-Soldat steht in der Ecke und sieht den Zuschauer nicht an; über ihm geben Neonröhren ein hell-grelles Licht. Sierras Arbeit wird seit 2011 weltweit mit Veteranen aus den unterschiedlichen Kriegen gezeigt. Das Gespräch mit den Besuchern suchen hingegen die Performer in Roman Ondáks Schwap/Tausch, die tatsächlich etwas mit den Anwesenden tauschen wollen.

12 Rooms ist ein spannender Auftakt zur Ruhrtriennale, der Betrachtungssituationen in Frage stellt und ganz unterschiedliche Arbeiten vereint. Eine Erkenntnis bleibt allerdings auf jeden Fall: Performer in einer Life-Arts-Ausstellung ist ein verdammt harter Job.



Santiago Sierra, Veterans of the wars of Northern Ireland, Afghanistan and Iraq facing the corner, 2011 (c) Santiago Sierra, Manchester International Festival 2011 - Foto: Alan Seabright


Karoline Bendig - 19. August 2012
ID 6152

Weitere Infos siehe auch: http://www.ruhrtriennale.de


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