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Dresden, 1. – 28. Juli 2006

Fahnenbilder Güntzstraße 28

Eine textile Installation von Jana Morgenstern und Dagmar Mouton


© Jana Morgenstern

Mit Sonntag, dem 9. Juli, wird das Flaggenmeer, das das Erscheinungsbild der deutschen Städte in den letzten Wochen dominiert hat – sei es an Fenstern, Balkonen oder an Autos –, allmählich wieder verschwinden. Vielleicht werden sich eine Zeit lang hier und dort noch einige von Sommergewittern inzwischen leicht zerrupfte Wimpel als schwarz-rot-goldene Überreste eines nicht nur sportlich bestimmten Euphoriegefühls finden.
Noch bis zum 28. Juli sind in der Dresdner Güntzstraße Fahnen ganz anderer Art zu sehen. Vor dem Haus Nr. 28, einem mehrgeschossigen Gebäude aus den 1950er Jahren und ehemals Studentenwohnheim der Technischen Universität Dresden, wehen an alten Holzmästen vier Fahnen – Bilder aus Stoff. Entworfen wurden sie von der Dresdner Malerin Jana Morgenstern, Absolventin der hiesigen Hochschule der Bildenden Künste, und gemeinsam mit Dagmar Mouton, Diplom-Ingenieurin für Werkstofftechnik, in eine Installation umgesetzt, die in ihrer Wirkung kontrapunktisch zum architektonischen Ensemble steht. Das Gebäude strahlt den leicht maroden Charme eines leer stehenden Zweckbaus aus, dessen weitere Nutzung noch offen ist. Erbaut zwischen 1953 und 1955 von Wolfgang Rauda, Architekt und Professor für Städtebau in Dresden, steht die heute im Besitz des Landes Sachsen befindliche Immobilie momentan zum Verkauf.
Von der gegenüberliegenden Straßenseite aus betrachtet, heben sich, bei entsprechenden Windverhältnissen, die kräftigen Farben der Fahnenbilder vom grau-braunen Putz deutlich ab. Die abstrakte, asymmetrische Formensprache – sich kreuzende blaue oder orangefarbene Diagonalen, zwei parallel verlaufende geschwungene Linien vor einem hellen Grün oder ein blauer Punkt auf orangefarbenem Grund – bildet ein Gegengewicht zur durch lange Fensterbänder streng gegliederten, mit Erkerelementen strukturierten Fassade des Gebäudes.
Aber nicht nur auf formaler Ebene wird mit dieser Installation ein neuer Akzent im öffentlichen Raum gesetzt. Die textilen Bilder besetzen einen Ort, der üblicherweise in das nach außen repräsentierende Zeichensystem eines Staates oder einer Institution eingebunden ist. Zu DDR-Zeiten vermutlich mit offiziellen, in ihrer ideologischen Semantik eindeutigen Flaggen geschmückt, werden die Masten nun zu Trägern einer Kunst, die in ihrer Lesart offen ist. Die Leichtigkeit des Stoffs, ein Material, das an sich zum Drachenbau verwendet wird, korrespondiert dabei mit den zweckfreien, die Betrachter zu eigenen Assoziationen einladenden Formen und Farben.
Dass nun die WM zu einem wahren Flaggenboom geführt hat, war nicht abzusehen. Jana Morgensterns und Dagmar Moutons Installation bildet auch in diesem Zusammenhang ein erholsames optisches Gegengewicht.

Fahnenbilder Güntzstraße 28, Dresden © Jana Morgenstern und Dagmar Mouton


Agnes Matthias, 9. Juli 2006
ID 00000002541

Weitere Infos siehe auch: http://www.das-neue-dresden.de/studentenwohnheim-guentzstrasse.html






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