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MdM MÖNCHSBERG / Museum der Moderne Salzburg
Ausstellung vom 21. Juli 2007 – 11. November 2007

MAHJONG

Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg

Bericht zur Ausstellung: Christa Linossi


Chanel Nr 5
Foto: Christa Linossi

China setzt jetzt auch zum Sprung in der Kunst an!
China einer der größten Global Player!

Die rote Gefahr, die gelbe Hände hatte - und ihr großer „Steuermann“ war Mao Zedong (1893-1976). Doch Maos Herrschaft war gekennzeichnet durch Gewalt, Terror und Rechtlosigkeit. Der „Große Vorsitzende“ brachte das Reich der Mitte an den Rand des Abgrunds. Es gab nur Kunst für das Regime. Etwa vor 25 Jahren gelang es der Kunst, sich langsam vom Druck des Regimes zu befreien. Wer eigene Wege ging, galt als Untergrundkünstler. 1989, nach der blutigen Niederschlagung von Studentenprotesten auf dem Tiananmen – Platz des Himmlischen Friedens, setzten sich die Künstler immer kritischer mit ihrem Land und ihrer Tradition auseinander.

Dank dem Sammler Uli Sigg, der rechtzeitig erkannte, dass hier eine Pionierarbeit zu leisten ist und durch seinen direkten Kontakt zu den Künstlern, ist es ihm gelungen, zeitgenössische chinesische Kunst zu sammeln. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, wo kein Interesse an chinesischer Kunst bestand. Heute besitzt er Werke, die in China schlicht fehlen. Auch wenn China dies wollte, könnte das Land keine vergleichbare Sammlung mehr aufbauen.

Uli Sigg ist seit den späten siebziger Jahren mit China und seiner Kultur bestens vertraut. Er war Wirtschaftsjournalist der Schweizer Mediengruppe Ringier. Sigg wechselte 1977 zum Aufzugshersteller Schindler. Als sich China das erste Mal Richtung Westen öffnete, zog Schindler das erste Joint-Venture-Projekt einer westlichen Firma mit China an Land.
Uli Sigg war bis 1990 Projektleiter.

Von 1995 – 1998 war er Schweizer Botschafter für China, Nordkorea und die Mongolei. Seit Ende der 70er Jahre, den Anfängen der chinesischen Gegenwartskunst, verfolgte er die dortige Szene, und dann begann er zusammen mit seiner Frau Rita ab den neunziger Jahren systematisch chinesische Kunst zu sammeln. Die Sammlung umfasst mittlerweile historisch gewordene Avantgarde-Arbeiten ab 1979 bis zu Werken der unmittelbaren Gegenwart. Die Sammlung besteht aus ca.1600 Arbeiten von über 200 Künstlern, die er unter 1000 Künstlern ausgesucht hatte.

Salzburg hat die Chance bekommen, die Ausstellung „Mahjong – Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg“, welche 2005 zum erstenmal im Kunsthaus Bern gezeigt wurde und eine der weltweit größten Ausstellung war, in etwas kleinerem Rahmen zu zeigen. „Mahjong“ stellt zweifellos ein Kunstevent dar.


Mah-Jongg Spiel
Foto: Christa Linossi

Wieso MAHJONG? Das Spiel MA CHONG, das auch Mah-Jongg oder Mao Tsuo Pai genannt wurde, stammt aus China und ist eines der ältesten Spiele überhaupt, Mah-Jongg gehört zur asiatischen, insbesondere chinesischen Alltagskultur wie Essstäbchen und Reis.
Der „richtige“ chinesische Name dieses Spiels ist übrigens „májiàng“ (ausgesprochen „ma-dschang“), im deutschsprachigen Raum hat sich aber die Aussprache „ma-jong“ etabliert.
Ziel des Spiels ist es, eine festgelegte Kombination von Figuren zu erreichen, die Mah-Jongg-Hand. Mah-Jongg ist durchtränkt von Ritualen.
Mahjong ist daher der perfekte bildhafte Ausdruck für diese zusammengestellte Ausstellung, die einen charakteristischen Querschnitt zeigt.


Ai Weiwei, *1957 in Peking, ist einer der bekanntesten chinesischen Künstler und wurde als der große Umdeuter bekannt. Es ist wichtig zu wissen, dass Ai Weiwei die achtziger Jahre in New York verbrachte und dort alles aufsog, was zur westlichen Kunst gehörte – Marcel Duchamp oder Jasper Johns haben deutliche Spuren in seinem Schaffen hinterlassen.
Bei der Ausstellung „Mahjong“ in Salzburg wurde der Sammler Sigg als Skulptur von Ai Weiwei dargestellt. Stufenplan nennt sich die Skulptur, die den Wirtschaftsjournalisten, Botschafter und Sammler chinesischer Kunst dargestellt. Ein weiteres Highlight von Ai Weiwei ist die Installation „Whitewash“ bestehend aus 108 neolithischen, mit ornamentalen Mustern überzogenen Tonvasen. Eine Gruppe dieser neolithischen Objekte hat er mit Industriefarbe bemalt, um die Originaltextur durch sinnlos eingesetzte Farbe abzudecken. Es ist ein Akt der Offenlegung, eine Kritik der Art und Weise, wie mit Geschichte, Symbolik und Kunst umgegangen wird.
Ai Weiwei ist 2007 auch auf der Documenta 12 mit seinem Beitrag „Fairytale“ zu sehen.

Lu Hao * 1969 Beijing, stellt im MdM ein Werk aus, dass von bedeutender Schönheit ist. Bei „A Grain of Sand” handelt es sich um ein Sandkorn, nicht größer als 5 x 3 mm, auf dessen polierter Oberfläche sich eine chinesische Inschrift – bestehend aus 125 Schriftzeichen – befindet. Die Schrift wird in Nanometer* gemessen, die man nur mit der Lupe sehen kann. Man kann erkennen, mit welch hoher Präzision hier gearbeitet wurde. Lu Hao schildert auf der Wenigkeit eines Sandkorns die typische Vita eines chinesischen Bauern und zugleich eines der großen gesellschaftlichen Probleme Chinas, nämlich das der Wanderarbeiter.
Lu Hao ist ebenfalls auf der Documenta 12 vertreten mit dem Werk „Recording 2005 chang’ an street, 2006“ (Tusche auf Seide, zu sehen im Aue-Pavillon).

Liu Jianhua *1962 in Jian, hat mehrere Jahre in der Pozellanmanufaktur von Jingdezhen gearbeitet und am angeschlossenen College Kunst (Bildhauerei) studiert. Porzellan spielt in der Geschichte der chinesischen Kultur eine allgemein große Rolle und seit der Yuan-Daynastie (1279-1368) steht das Porzellan in China im Vordergrund.
Die Frauengestalten die Liu Jianhua präsentiert, sind Figuren ohne Kopf oder Arme und werden auf Platten präsentiert, liegend, sitzend, stehend oder kniend. Alle tragen sie das typische Frauen-Kleidungsstück den Cheongsam oder auch Qipao genannt. Es handelt sich hier um ein Kleidungsstück mit den typischen Merkmalen wie hoch geschlossener Kragen, Knöpfe oder Schlaufenverschlüsse an der Schulter oder auch Schlitze an den Seiten. Liu Jianhua stellt einerseits die Frau als schmuckes Objekt dar, andererseits will er aber seine Kunst auf traditionelles Kunsthandwerk beschränken. Die Prozellanfiguren lösen nicht nur erotische Fantasien aus, sondern weisen auch auf einen nicht auszumerzende Erinnerung an die historische Bestimmtheit Chinas hin.

Chang Xugong *1957 in Tangshan, lässt seine Bilder von den besten Seidenstickerinnen anfertigen. Als Vorlagen liefert er Portraits von Leuten, die er spontan fragt, ob sie für ihn posieren. Chang stellt jedoch seine Personen mit derben Gesichtsausdrücken und mit einem einfältigen Grinsen dar. Er inszeniert sie auch als Neureiche, in einer glitzernden, zentripetalen Welt. Warum verwendet er für seine Bilder Seide? Seide ist in China ein sehr wichtiger und wertvoller Rohstoff. Dies geht bereits 5000 Jahre zurück. Lange vor der Gründung Roms und lange bevor Marco Polo seinen Fuß auf die Seidenstrasse setzte, wurde zum ersten Mal in China Seide produziert.

Yue Min Jun *1962 in Daqing, stellte 25 bemalte Polyester Figuren in der Ebene 3 in den Raum. Aufgestellt wie die berühmte Terrakottaarmee bei Xi´an, jedoch mit dem Unterschied, dass diese Figuren keine Armee darstellen, sondern den immerselben breit lachenden Mannes mit viel zu vielen schneeweißen Zähnen, dessen Gesicht einen zynischen Ausdruck hat. Es handelt sich hier um den silly man, ein Selbstporträt des Künstlers. Der Künstler stellt in ironischer Weise die gegenwärtige chinesische Gesellschaft in ihrem Konsumzwang und in einer neuen Uniform dar.

Man könnte noch auf viele Künstler eingehen, die in dieser Ausstellung präsent sind und interessante Spuren hinterlassen, dies macht auch die Ausstellung sehenswert und man sollte sich auf alle Fälle eine Menge Zeit nehmen.


Christa Linossi - red, 30. Juli 2007
ID 00000003370
*Abgeleitet wird "nano" vom griechischen Wort "nános" (Zwerg).
Die Größenverhältnisse werden erst im Vergleich deutlich:
Auf einem Nanometer haben zirka zehn Atome Platz.




Mahjong wird noch bis 11. November 2007 im MdM Mönchsberg in Salzburg gezeigt.
Ein umfangreicher, sowie aufschlussreicher Katalog ist zu der Sammlung Sigg ebenfalls erschienen. In Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern und „Holderbank“ Aargau,
Hamburger Kunsthalle und Museum der Moderne Salzburg.

Weitere Infos siehe auch: http://www.museumdermoderne.at





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