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Essay

Ist Auftragskunst verpönt?

Im neuen art Kunstmagazin steht etwas über Auftragskunst „Wenn Künstler Dienstleister sind.“


Marie Antoinette mit aufgesetzter Clownsnase (C) Liane Kampeter

Nachdem es in früheren Zeiten als normal galt, für Auftraggeber zu malen und Kunst eher ein Handwerk war, erhob es sich aber bereits mit Leonardo da Vinci im 16. Jahrhundert zu höheren Gefilden. Als ein Universalgenie war seine Gabe das besondere Sehen. Als ein Visionär war er wissenschaftlich interessiert, untersuchte die Grenzen des menschlichen Verstandes, beobachtete z.B. den Flügelschlag von Fliegen oder Fledermäusen. Auch seine Anatomiezeichnungen gingen über das unmittelbar Sichtbare hinaus.

Da Vinci wusste um die Bildwirkung im Betrachter, um die Emotion, die eine Mona Lisa auslöst, er wusste Stille einzusetzen. Leonardo malte nicht wie seine Zeitgenossen die Dinge so wie sie sind, er wollte die Natur, die Menschen verstehen, er wollte erklären und neu gestalten, jenseits von religiösen Symbolen. Und doch suchte er nach einer höheren göttlichen Ausstrahlung.

Mit diesem Streben nach Erkenntnis traf er auf seinen ärgsten Rivalen Michelangelo, und damit fing vielleicht das Konkurrenzverhalten an.

Ein Künstler hatte fortan ein besonderes Ego, fühlte sich berufen. Jonathan Meese hasst z.B. das simple Wort "Kreativität" und hält nichts von Teamarbeit, der Künstler ist für ihn ein Individualist, und dabei betont er immer wieder, doch nur zu spielen. Doch mit diesem Image kann man auch seine Größe pflegen, und das Geld kommt nun mal von reichen Geldgebern, die sich wiederum gerne mit dem Namen eines berühmten Künstlers schmücken. Auch mit seinem Mut, sich vermeintlich nicht anzupassen „good for you - good for me“ schuf er ein gigantisches Bühnenbild für die Oper in Salzburg. Wenn die Kunst also nach wirtschaftlichen Regeln funktioniert, ist sie dann nicht schon längst tot?

Es gibt auch Kunst, die nicht vom Kalkül bestimmt ist.

Die Erwartungen eines Auftraggebers können für den Künstler sehr fremd sein. Für mich waren die Rosen an der Wand, die ich malen sollte, noch relativ unverfänglich, ich malte sie in poppigen Farben, sie gefielen. Daraufhin sollte ich dem bayerischen Paar hier in Hamburg den Heiligen Christopherus ans Haus malen. Da musste ich passen, es passte einfach nicht zu mir.

Andererseits habe ich einmal ein irisches Monumentalbild dem Muster der Sofakissen angepasst.

Ist der Künstler wirklich autonom? Wenn er nur malt, um das Leben schöner zu gestalten, ja. Will er verkaufen, "jein". Es gibt einfach zu viele Künstler, als dass man sich davon frei machen könnte, nicht doch Aufmerksamkeit für sich zu wollen. Und der Traum von der Kunst zu leben…

Doch man will auf keinen Fall als Dienstleister gelten. Künstlerische Freiheit passiert nicht im Auftrag, sondern in einer Offenheit und Empfänglichkeit, der Künstler als Medium, der nicht seine Psychosen auf die Leinwand bannt oder das Portrait noch berühmterer Persönlichkeiten anfertigt.

Selbst die documenta hat Themenvorgaben und Gesamtkonzepte, die von mächtigen Kuratoren entwickelt werden. "Viele Köche verderben den Brei?"

Gibt es nicht eine Art Zeitgeist, die ein guter Künstler erspürt? Oder ist das alles eine Frage des Geldes?

Künstler reagieren schnell auf Vorgaben, man erarbeitet heute mit digitaler Verfremdung, kombiniert mit verschiedenen Techniken, kopiert hier und da - ist das nicht rein ästhetisch? Politische Aussagen fehlen, man hält eher Komisches bereit. Vielleicht braucht die Menschheit zur Zeit Absurdes? Unser modernes Ego ist so kompliziert geworden, dass nur noch Lachen über Unverständnis hilft. Geben wir es doch zu, wir verstehen gerade die Welt nicht mehr und brauchen die Kunst mehr denn je.

Man fertigt an für Ausstellungen, für Sammler - und das Bild passend zur weißen Ledergarnitur. Ist das jetzt Fremdbestimmung? Noch schmückt man sich mit dem wilden Künstler, der Aura vom Anderssein, doch wie lange noch? Sind Graffiti-Künstler auch auf dem Weg, sich anzupassen, weil Aufträge locken? Hotels lassen ihre Zimmer individuell von Künstlern gestalten - ohne Geld, versteht sich.

Alles eine Sache des Lifestyle.
Liane Kampeter - 8. April 2014
ID 7738
Weitere Infos siehe auch: http://www.liane-kampeter.de




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