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Feuilleton


„Play Admont“ / „Der schaffende Mensch - Welten des Eigensinns“

REGIONALE10

Festival für zeitgenössische Kunst vom 2. Juni bis 14. August 2010


Die Steiermark ist reich an Kultur und Festivals. Der steirische herbst als bewährtes Festival zeitgenössischer Kunst und das Musikfestival styriarte sind weit über die Grenzen hinaus bekannte Fixpunkte im steirischen Kulturleben. Nun ist ein weiteres Kulturfestival für zeitgenössische Kunst hinzugekommen. Es handelt sich um die REGIONALE; 2008 wurde sie aus der Taufe gehoben.

Die REGIONALE findet alle zwei Jahre statt. Die Themen werden jeweils einer anderen Region des zweitgrößten Bundeslands von Österreich der Steiermark zugeordnet und bespielt.

2008 war die Region Südoststeiermark am Zug...

Rund 50.000 Menschen besuchten damals die 130 Veranstaltungen, die an 25 verschiedenen Spielorten in der Region stattfand.

Für die REGIONALE10 haben sich kulturelle Initiativen aus der Region Liezen beworben und den Zuschlag bekommen. Der Bezirk Liezen – einer der größten Bezirke in der Steiermark – ist nun Austragungsort von X-Veranstaltungen.
Ein perfekt inszeniertes Eröffnungsspektakel des Festivals - mit Eröffnungsworten durch die steirische Kulturlandesrätin Bettina Vollath und den künstlerischen Leiter Dietmar Seiler ging am 2.Juni 2010 in Trieben über die Bühne.

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Das Benediktinerstift Admont setzt verstärkt auch auf Gegenwartskunst.

Ein Kloster gibt eine neue Richtung an. 1074 von Erzbischof Gebhard von Salzburg gegründet, ist es das älteste bestehende Kloster der Steiermark. Es eröffnete am 3. Juni 2010 die Ausstellung „Play Admont“.

Und im Anschluss daran eröffnete Schloss Trautenfels die Ausstellung „Der schaffende Mensch - Welten des Eigensinns“.

Beide Ausstellungsorte integrieren zeitgenössische Kunst in ihr altes Kulturgut.

„Play Admont“ ist eine Ausstellung, in dem der Besucher ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird. Er wird herausgefordert, seinen Gestaltuungswillen als Erforscher, Spielpartner und Entdecker zu finden. Ein benutzerorientierter Kontext mit digitaler Technologie eröffnet eine Vielfalt an Betätigungsfeldern und Ausdrucksformen. Der Betrachter wird mit choreographischen Objekten, ortsspezifische Hörstationen, Rauminstallationen, interaktive Maschinen und performativen Handlungsanweisungen in den Kunstprozeß mit eingeschlossen.



Das aus der Schweiz stammende KünstlerIinnen-Paar Sabina Lang & Daniel Baumann hat eine Skulptur in Form einer Treppe für den wunderschönen Marmorsaal in Schloss Trautenfels konzipiert - Foto (C) Christa Linossi



In „Play Admont“ sind 24 Künstler mit je einer Arbeit vertreten. Die Aufforderung zur Einmischung und zum Spiel nehmen die Künstler wörtlich und fordern den Besucher auf, sich aktiv zu beteiligen.

Highlights aus „Play Admont“:

Werner Reiterer, With a Little Help from My Friends: Eine Aktentasche steht im Raum, und der Besucher wird mit einer textlichen Aufforderung „Stellen Sie mich wo anders wieder ab!“ animiert. Bei Befolgung der Anweisung des Betrachters verwischen sich allerdings nicht nur die räumlichen und moralischen Grenzen – sondern es taucht auch die Frage auf; darf ich dies wirklich tun und was passiert, wenn ich es veranlasse? Nichts passiert, der Koffer steht einfach woanders, solange er nicht aus dem Raum entfernt wird. Würde er allerdings entfernt, könnte es zu einem Problem kommen (Diebstahl!).

Martin Walde, THE WEB: Es ist ein Wirrwarr aus Carbon (Fischerangeln) und dünnen Zwirnsfäden, das ein Netz erzeugt und dabei den Betrachter/Besucher empfiehlt, ebenfalls eine Zwirnspule aus den vielen bunten Zwirnspulen zu wählen und ins Netz zu werfen. Hintergrund dieser Aktion - es entsteht eine weitere Vernetzung und eine Veränderung der Installation. Ein Video zeichnet die Veränderung im verzerrten Bild auf, und man kann dies mitverfolgen.

Die Installation BIOS [bible] der Künstlergruppe robotlab (Matthias Gommel, Martina Haitz, Ja Zappe), die einen Industrieroboter mit einer Schreibfeder ausstattet, will damit aufzeigen, dass ein Roboter in unserem Zeitalter eine Bibel handschriftlich schneller auf eine Papierrolle schreiben kann, als seinerzeit der Mönch im klösterlichen Scriptorium. Mit Präzision führt die Maschine die kalligrafischen Linien aus, und in fünf Monaten wird das installierte Hightech-Gerät das Neue Testament zu Papier gebracht haben. Anmerkung: Roboter haben keinen Hunger, müssen nicht gewaschen, gefüttert werden.


SIEH DICH FÜR von Franz Kapfer - Foto (C) Christa Linossi


Interessant ist auch die Installation der Künstler Peter Hanappe & Armin Linke. Ihre Installation PHENOTYPES/LIIMITED FORMS, die in einer engen Zusammenarbeit mit dem Sony Computer Science Laboratory Paris entwickelt wurde, setzt sich mit der Nutzbarmachung seines Online-Fotoarchivs auseinander. Der Besucher erhält freien Zugang zu Linkes umfassender Fotosammlung, und er kann vor Ort selbst eine Auswahl aus der Fotosammlung erstellen, diese Auswahl einscannen und schließlich als Leporello mitnehmen. Der Besucher wird sozusagen sein eigener Kurator auf Zeit. Der Besucher braucht nicht konsumieren, sondern kann bewusst und aktiv selbst entscheiden.

Es ist nur ein kurzer Querschnitt, was den Besucher erwartet. Geboten wird noch viel mehr, bespielt werden auch das Museum, die Gärten und der Pavillon. Siehe: www.stiftadmont.at

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Schloss Trautenfels lässt ebenfalls auf eine interessante Ausstellung blicken. Mit „Der schaffende Mensch - Welten des Eigensinns“ hat sich der eine oder andere Künstler mit der näheren Umgebung, mit dem Schloss oder mit der Bevölkerung dieser Region auseinandergesetzt.
Wie z. B. ein Franz Kapfer, der sich mit der Analyse politischer Kultur beschäftigt. In Trautenfels hat er den alltagskulturellen Zeichen nachgespürt, mit den Politik und Kultur präsentiert werden. Seine Arbeit mit dem Titel „SIEH DICH FÜR“ steht auf der einen Seite für Befestigung, Autarkie bzw. Abschottung nach außen, auf der anderen Seite geht es um die V2, jene deutsche Wunderwaffe, die für faschistische Eroberung, Unterdrückung und Terror steht. Der Alpenfestung nachgespürt sind Eigenheime, die mit Betonwällen oder Pflanzenhecken umzäunt sind - kleinbürgerliche Gartengestaltung; einmal tritt sie in Form der V2-Rakete in Erscheinung, und ein andermal bildet sie eine Hecke, die für Schutz und Rückzug steht.

Das aus der Schweiz stammende Künstler/innen-Paar Sabina Lang & Daniel Baumann hat eine Skulptur in Form einer Treppe für den wunderschönen Marmorsaal in Schloss Trautenfels konzipiert, zwölf Meter lang, leicht gekrümmt und weiß; sie ragt horizontal über den Köpfen der Betrachter. Die Ästhetik der BEAUTIFUL STEPS steht mit der Kulisse im Dialog - zwischen barocken und modernen Systemen. Eine weitere Skulptur in Form eines Bogens wurde an der Außenwand des runden Turmes des Schlosses installiert. Im Innenraum wurden zu den Fenstern hin begehbare Treppen installiert; man muss sich das so vorstellen: man geht bei dem einen Fenster hinaus und schwebt über den runden Bogen und kehrt beim anderen Fenster des Turmes wieder herein und steigt hier an der Treppe wieder hinab. Ein Irrtum: Denn der Steg entlang des Turmes hat höchstens symbolische Tragfähigkeit. Er ist schön, aber nicht benutzbar – eine Intervention, die auf subtile Weise mit der Vorstellungskraft spielt.


© Christian Philipp Müller, Burning Love (Lodenfüssler), 2010


Christian Philipp Müller setzte sich mit Fragen des Spezifischen des Ortes Rössing bei Ramsau, wo Loden hergestellt werden, auseinander. Seine Installation als Video und als Skulptur nennt sich BURNING LOVE (Lodenfüßler). Der Loden ist also ins Zentrum von Müllers Arbeit gerückt. Müller verwandelt eine solche Bahn wollweißen Lodens in einen übergroßen Wetterfleck, der Schutz für 20 Personen bietet. Vor der Eröffnung der Ausstellung im Schloss ließ Müller mit diesem übergroßen Wetterfleck in der Region eine Prozession mit einer unerwarteten Dynamik durch den Ort ziehen. Die Szene ist im Ausstellungsraum als Video zu sehen. Die Installation des Raumes, wo dem Loden einst die 25 Personen Halt und Form gaben, besteht nun aus einfachen Blöcken, die den Loden über den Ausstellungsraum schweben lassen und durch zwei Säle ziehen. (Siehe: www.museum-joanneum.at/de/trautenfels)
.
Beide Ausstellungen sind sehenswert. Weiters wurde auch zu den Ausstellungen jeweils ein Katalog aufgelegt.


Christa Linossi - red. 20. Juni 2010
ID 00000004678

Weitere Infos siehe auch: http://www.REGIONALE10.at





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