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Ausstellung

28. 3. - 30. 6. 2014 - Schwules Museum*

"ICH GEHE MEINE EIGENEN WEGE..." | SASCHA SCHNEIDER

Kunst und Homoerotik um 1900


Sascha Schneider, Anarchist | (C) Sammlung Röder


Im Schwulen Museum* Berlin gibt es seit heute eine Ausstellung mit Werken des 1870 in Sankt Petersburg geborenen und (an den Folgen einer Zuckerentgleisung) 1927 in Swinemünde verstorbenen Malers und Bildhauers Sascha Schneider zu sehen. Die Exposition wurde von Jonathan David Katz, dem Vorstandsvorsitzenden der Leslie-Lohman Gay Art Foundation in New York, kuratiert und war bereits ein Jahr zuvor dort ausgestellt. Katz nannte Schneider auch - in seinem einführenden Referat zur Vernissage - den "ersten queeren Künstler" überhaupt...

"Sascha Schneider lebte in einer Epoche des Umbruchs, in einem Zeitalter der Widersprüche. Das liberale Klima um 1900 machte Berlin zu einem Anziehungspunkt vieler Homosexueller. Gleichzeitig war Homosexualität durch den § 175 verfolgt und die Berliner Polizei schuf dafür ein eigenes Dezernat." (Quelle: Schwules Museum*)




Sascha Schneider, Patriarch, 1895 | (C) Sammlung Röder



"Schneiders Oeuvre gilt als Zeugnis früher 'schwuler' Kunstauffassung und ist damit von besonderem historischem Interesse. Er selbst wird heute als einer der ersten selbstbewussten wie selbstverständlich 'schwulen' Künstler verstanden. Obwohl Schneiders Gesamtwerk bedingt durch die Weltkriege und die deutsch-deutsche Teilung als verschollen oder zerstört gilt, sind etliche Arbeiten erhalten geblieben." (Quelle: s.o.)

Der Frankfurter Rechtsanwalt und Notar Hans-Gerd Röder - ebenfalls zur Vernissage anwesend - sammelt nun seit 40 Jahren Sascha-Schneider-Kunst. Die Initialzündung für ihn, lt. seiner einführenden Worte kurz vor Ausstellungseröffnung, muss zum Einen durch das Schmökern der Karl-May-Romane und zum Anderen und Wesentlicheren durch den von Arno Schmidt im Jahre 1966 editierten Briefwechsel zwischen Karl May und Sascha Schneider passiert gewesen sein. In 1982 reiste er dann - von dem Wunsch getrieben, als Erster und vielleicht als bis da Einziger sich um das Oevre Sascha Schneiders sammlerisch zu kümmern - erstmals in die DDR, konkret nach Dresden, wo er anlässlich einer dort stattgefunden habenden (kleineren) Werkschau mit der anwesenden Nichte des Malers zufällig bekannt wurde; die hätte ihm dann nach und nach Tipps und Adressen kundgegeben, wo er (was das damals weit verstreute Oevre Schneiders anbelangte) fündig hätte werden können. Fündig schon - aber die Werke dann aus Dresden und Umgebung "rauszuschmuggeln" wäre halt zur damaligen Zeit undenkbar gewesen. Also wog sich Röder bis zur Wende soweit in Geduld - - ab da schien es dann keine großen Schwierigkeiten mehr zu geben; und er sammelte und sammelte und sammelte...

Seine Tochter Christiane Starck gilt übrigens schon jetzt als ausgewiesene Expertin zu Fragen Sascha Schneiders; sie schreibt derzeit an ihrer Magisterarbeit zu dem aufregenden Thema.




Sascha Schneider, Kriegsschrei, 1915 | (C) Sammlung Röder



Nachdem der schwule Künstler Sascha Schneider in Weimar zum Professor für Aktzeichnen berufen wurde, "gerät er rasch zwischen die Fronten verschiedener Kunstrichtungen und es wird an seinem Privatleben Anstoß genommen. Im Jahr 1908 gab er die Stelle auf und ging ins Exil nach Italien. Hintergrund war ein Erpressungsversuch seines damaligen Freundes, weswegen ihm eine Anklage nach §175 drohte. In Italien etablierte er sich rasch, kam aber immer wieder inkognito nach Deutschland zurück. 1914 kehrte er endgültig zurück, arbeitete ab 1917 im Dresdner Künstlerhaus und gründete 1920 das 'Kraft-Kunst-Institut' in Dresden. Im Jahr 1926 wird er Mitglied des Ehrenausschusses der Internationalen Kunstausstellung Dresden, auf der er mit einem Beitrag auch vertreten ist." (Quelle: Schwules Museum*)

Der Triumph der Dunkelheit (s.u.) zählt zu Schneiders monumentaleren Gemälden - es dürfte auch das Herzstück der Berliner Ausstellung sein.

Bei einer ersten und oberflächlichen Sichtung der exzellent aufbereiteten Schau verdichtet sich der Eindruck, es v.a. auch mit Werken einer unsäglichen Kitsch-Richtung zu tun zu haben; dieses "Urteil" freilich ist ausschließlich subjektiv. Aber um 1900 rum war halt dann Vieles nun mal so...

Spektakulär und sehenswert.




Sascha Schneider, Triumph der Dunkelheit, 1896 | (C) Sammlung Röder



Bewertung:    


Andre Sokolowski - 27. März 2014
ID 7711
Schwules Museum*
Lützowstraße 73
10785 Berlin

Tel.: +49 (0)30 69 59 90 50
Fax: +49 (0)30 61 20 22 89
Öffnungszeiten:
So, Mo, Mi - Fr | 14 bis 18 Uhr
Sa | 14 bis 19 Uhr
Di geschlossen
Eintrittspreise:
6 Euro (4 Euro ermäßigt)


Weitere Infos siehe auch: http://www.schwulesmuseum.de


http://www.andre-sokolowski.de



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