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Ausstellung

13. 3. - 21. 6. 2014 | DREWAG-Treff, Dresden

SPIEGELUNGEN

Fotografien von Peter Zimolong



Sag mir wo Du gestanden hast

Digitale Fotos von Spiegelungen, soso. Wo doch heutzutage jeder Tragfernsprecher immer bereit ist, gestochen scharfe Schnappschüsse von jedweder Situation zu machen. Will man zu solchen Bildern wirklich „Kunst“ sagen?

Ja, man will. Weil man kann. Denn sehr viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt.

Peter Zimolong scheint einer davon zu sein. Der 1973 geborene Dresdner Fotograf, der sich eher in der unbelebten Materie zu Hause fühlt, hat nach seiner beachtlichen Urbanen Tektonik nun eine Sammlung von Spiegelungen ausgewählt. Das klingt zunächst unspektakulär und ist es auf den ersten Blick auch. Doch es lohnt sich, näher hinzuschauen.

Die Kunsthistorikerin Katja Dannowski geht in ihren einleitenden Worten, die von Saxophon-Improvisationen von Paul Berberich umrahmt werden, vor allem auf die soziale Bedeutung der Spiegelung ein. Nicht von ungefähr meint „jemandem einen Spiegel vorhalten“ einen damit angestoßenen Erkenntnisprozess. Im Spiegel erkennt man das wahre Wesen (wenn man es denn sehen will). Nur anfangs erscheinen die Bilder von Zimolong wie Montagen, sie sind real, wenn auch digital nachbearbeitet in Richtung einer Überhöhung der Realität. Biographisch bedingt lernte der Fotograf schon früh verschiedene Blickwinkel einzunehmen, über sein Werk hat er das Motto „Mit der Änderung des Standpunktes ändert sich auch die Perspektive“ gestellt. Mit dieser Ausstellung zeigt er, was er damit meint.




Einheiten von Peter Zimolong - Foto (C) Sandro Zimmermann



33 Bilder aus den Jahren 2005 bis 2014 sind zu sehen, meist im Format 45 x 30, nur eines fällt erheblich aus diesem Rahmen. Peter Zimolong arbeitet experimentell, er durchstreift seine Heimatstadt auf der Suche nach Motiven, die ihm die zahlreichen gläsernen Fassaden insbesondere des Stadtzentrums auch reichlich bieten. Dabei kommt Überraschendes zutage: Auf den glatten Flächen der meist unspektakulären Gebrauchsarchitektur entstehen zum Teil wundersame Projektionen der Objekte vis-á-vis. Manchmal spiegeln diese auch zurück, bis zu vier Ebenen habe ich auf den Bildern gezählt (Dresden Altmarkt – Spiegelung, 2007).

„Manche nennen das Kitsch“ merkte Katja Dannowski an, doch nur für sehr wenige Bilder würde ich das gelten lassen. Die malerische Dresdner Kulisse verleitet natürlich auch dazu, doch am stärksten ist Zimolong, wenn er ganz Alltägliches portraitiert: die Straßenbahn, die im Schaufensterspiegel kein Ende nehmen will oder im Gegenteil sich auf die Größe einer Seilbahnkabine verkürzt, die Hochstraße in Löbtau, die durch ihre visuelle Verdoppelung auch doppelt so hässlich scheint.

Vor allem auf der Prager Straße lässt sich feststellen, dass die Glaswürfel dann doch zu etwas gut sind: Sie brechen wunderbar das Licht, vor allem dann entstehen Kunstwerke, wenn die Schaufenster noch einen (unfreiwilligen) Beitrag zur Bildkomposition liefern. Spiegelung II – Völkerfreundschaft ist so ein Motiv, vor der auch als Panzersperre bekannten Skulptur posiert eine Reihe von Plaste-Models.

Besonders die inzwischen als „Prager Zeile“ vermarktete Wohneinheit, der vor Jahren auch die Pet Shop Boys die Ehre gaben, wirkt wunderbar modernistisch, wenn sie sich in der Fassade des inzwischen aufgehübschten alten „Newa“ bricht (Prager Straße 2006 oder Einheiten aus 2014). Nicht nur Le Corbusier wäre begeistert.

Auch die Aufnahmen aus dem bislang letzten Elbe-Hochwasser 2013 sind trotz eigentlich naheliegender Motive alles andere als Schnappschüsse. Das sind beileibe keine Zufallstreffer, viele Details, auch die Bildtitel wie „erschöpfend“ verraten viel über die sicher langwierige Suche nach der richtigen Perspektive.




Kongresscenter Dresden I von Peter Zimolong - Foto (C) Sandro Zimmermann



Mein persönlicher Höhepunkt der Ausstellung sind jedoch die beiden Aufnahmen des Kongresscenter Dresden aus 2008, die dem unbestritten schönen Bau noch ein ganz besonderes Flair verleihen. Auf dem großen Format (120 x 81) wirken dank einer nachträglichen Colorierung die aus dem begehbaren Dach herausragenden Entlüftungsschächte wie Strandkörbe am Meer, auch der edle Schwung der Fassade des Dachgeschosses kommt hervorragend zur Geltung. Letzterer wird im korrespondierenden kleineren Format nochmal besonders gewürdigt, er verschwindet auf wundersame Weise im grellweißen Horizont.

Ob man im wuseligen Kundenzentrum des Dresdner Energieversorgers die Muße haben wird, die Bilder auf sich wirken zu lassen, soll hier nicht weiter diskutiert werden. Aber man kann es zumindest versuchen. Noch bis zur Mittsommernacht ist Gelegenheit dazu.

Ach ja, der Titel der Rezension mal wieder: „Sag mir wo Du stehst“, jenen Gassenhauer der FDJ-Singebewegung, der später vom DDR-Punk neu interpretiert wurde, kennen wohl viele. Und auf der gut besuchten Vernissage drehten sich die meisten Gespräche, die ich belauschen durfte, um den Standpunkt des Fotografen. Ist doch schön, wenn Kunst so konkret wird, oder?




Kurzzug von Peter Zimolong - Foto (C) Sandro Zimmermann



Bewertung:    


Sandro Zimmermann - 13. März 2014
ID 7667
DREWAG Kundenzentrum
World Trade Center
Ecke Freiberger/Ammonstraße
01067 Dresden


Öffnungszeiten:
Mo - Fr | 9 - 19 Uhr
Sa | 9 - 13 Uhr


Weitere Infos siehe auch: http://www.peter-zimolong.de


Post an Sandro Zimmermann

teichelmauke.me



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