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Ausstellung

Noch bis 28. Dezember 2013 - Michael Fuchs Galerie

ODA JAUNE

Beyond Eden


Oda Jaune, Ohne Titel, 2013, Öl auf Leinwand, 30 x 24 cm | Fotoquelle: Michael Fuchs Galerie



Die in Sofia geborene bulgarische Künstlerin Oda Jaune heißt (mit bürgerlichem Namen) Michaela Danowska und galt einst - weswegen sie zunächst bekannt wurde - als Meisterschülerin und Frau des vor sechs Jahren an der Nervenkrankheit ALS gestorbenen Malers und Bildhauers Jörg Immendorff (1945-2007). Der suchte seiner damaligen Muse diesen blumenreichen Künstlernamen aus; in ungefähr sollte es übersetzbar sein mit "Ode an das Gelb" o.s.ä.

Sieben Jahre war sie Ehegattin des um über drei Jahrzehnte Älteren, mit dem sie eine Tochter hat und den sie bis zu seinem Tod im Rollstuhl durch die letzten Einzelausstellungen treu und tapfer fuhr. Als es in Folge zu Prozessen um den Nachlass Immendorffs gekommen war - womit sich eine öffentliche Meinung über die Gebühr hinaus lang-laut beschäftigte oder zu meinen glaubte, sich mit diesem Thema lang und laut beschäftigen zu müssen - , fokussierte man sich freilich weniger auf sie als Künstler denn als die Immendorff'sche Witwe. Als der Spuk allmählich dann vorbeizugehen schien, kam sie, was nun ihr eigenes und eigentliches Künstlertum betraf, quasi zu sich zurück und wählte prompt Paris als ihren neuen Lebens-, Wohn- und Arbeitsort.

Ihr "künstlerisches Werk zeichnet sich durch eine enorme wie paradoxe Anziehungskraft aus. Eine Anziehungskraft die sich weniger durch die besondere Lautstärke der Form ergibt, denn durch eine sanfte Störung des Motivs", schreibt Ansgar Lorenz über sie. "Es ist das Biomorphe, das Collagierte, das Abweichende welches mit erstaunlicher Leichtigkeit dafür sorgt, dass sich ihre Werke mit fortwährender Widerständigkeit der Erfassung durch den Betrachter entziehen und diesen damit an sie bindet. So heterogen die Themen der rund 40 Aquarelle und Malereien dieser Ausstellung – welche allesamt im kurzen Zeitraum von Dezember 2012 und Juni 2013 entstanden – auf den ersten Blick scheinen mögen, so konsequent folgen sie Oda Jaunes meisterhaft formulierter Strategie der An- und Entziehung." (Quelle: Michael Fuchs Galerie)




Oda Jaune, WRESTLERS, 2013, Öl auf Leinwand, 190 x 280 cm | Fotoquelle: Michael Fuchs Galerie

Oda Jaune, SUNNY, 2013, Öl auf Leinwand, 190 x 280 cm | Fotoquelle: Michael Fuchs Galerie

Oda Jauna, FOREVER, 2013, Öl auf Leinwand, 190 x 280 cm | Fotoquelle: Michael Fuchs Galerie



Fast möchte man "bezeichnender Weise" meinen - hängen Oda Jaunes farbkräftigen sowie groß- aber auch kleinformatigen und in surrealistischer Verwandtschaftung sich ausdrückenden Bilder auf einer der fünf Etagen jener 1835 in Berlin-Mitte gegründeten ehemaligen Jüdischen Mädchenschule (einem damals hochmodernen Bauwerk Alexander Beers), denn: Oda Jaunes Thema oder Themen hat bzw. haben insbesondere mit Mädchen, Mädchenfantasien, Mädchen(alb)träumen zu tun. Auch dem biologischen "Übergang zur Frau" gewinnt sie in den Werken einige Bedeutung ab. Da gibt es Nabelschnüre, dicke Bäuche, offen liegende Organe, eine aufgeklaffte Vulva mit einer in ihr als Zwergin nistenden und aufrecht stehenden Gestalt, arg deformierte Frauenbrüste... Und - kein Einzelbeispiel - Heroinspritzen; auf einem der markantesten und einprägsamsten Bilder, Sunny, ist ein (pubertierendes? und nachsinnendes) nacktes Mädchen, das auf einem weißen Sockel und inmitten eines blauen Wassers hockt und eine (Heroin-)Spritze, die es noch nicht benutzt zu haben scheint, in seiner Linken hält, zu sehen; merkwürdiger Weise richtet sich das ausnahmslose Interessen-Schwergewicht seines Betrachters auf das unglaubliche Wasserblau um die Gestalt herum - was für ein Blau! Was will das Mädchen bloß in ihm?

Je mehr und öfter man gewillt ist, ein Bild nach dem andern nach und nach dann abzugehen - "näher" kommt man seinem resp. ihren Inhalt(en) wohl nicht. Am wenigsten tun sie vielleicht verstören; hierfür sind sie viel zu undrastisch, auch wenn verwundert festzustellen bleibt, dass oftmals Körperteile (Köpfe) gar nicht dort vorhanden sind, wo sie normalerweise sein müssten - aber so Ansichtssachen gab dann auch schon Dalì von sich Preis, so neu und aufsehenerregend wirkt das also wahrlich nicht...

Interessanter wäre - könnte man das heut' schon wissen - , wie sich Oda Jaune künstlerisch noch fortentwickeln kann und wird. Ein schöpferisches Potenzial unabsehbarer Art ist jedenfalls vorhanden. Ja, man darf gespannt sein.



Bewertung:    


Andre Sokolowski - 6. November 2013
ID 7335
Michael Fuchs Galerie
Auguststr. 11–13
D-10117 Berlin

Öffnungszeiten:
Di - Fr | 10 - 18 Uhr
Sa | 11 - 18 Uhr


Weitere Infos siehe auch: http://www.michaelfuchsgalerie.com


http://www.andre-sokolowski.de



 
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