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Noch bis 26. Januar 2014 | Musée du Quai Branly, Paris

KANAK

Die Kunst ist eine Sprache




Das Wort Kanake hat auch im Deutschen seinen Einzug als Schimpfwort gehalten. In Frankreich weiß man vielleicht noch, woher es kommt. Es ist der Name der Ureinwohner des pazifischen Inselstaates Neukaledonien und heißt im Hawaiianischen „Mensch“. Als Menschen wurden die Kanak in der Vergangenheit allerdings weder von ihren französischen Kolonialherren noch von den Missionaren behandelt.

Das Musée du Quai Branly in Paris hat sich auf außereuropäische Kunst spezialisiert und nun die umfassendste Ausstellung eröffnet, die jemals über die Kultur der Kanak kuratiert wurde. Die weltweite Recherche hat rund 30 Jahre gedauert und nun hat das Museum 300 Exponate und Dokumente zusammengestellt, die das Leben der Kanak illustrieren. Das liegt im Trend der zunehmenden Hinwendung der Ureinwohner zu ihren eigenen Wurzeln. Ab dem Jahr 2014 stimmen die Neukaledonier ab, ob sie weiterhin zu Frankreich gehören wollen oder nicht.




Die Eingänge sind mit Abbildern von Ahnen verziert - Foto (C) Helga Fitzner


Ein leichtes Netz überspannt den Ausstellungsraum als Symbol für das Netzwerk von Handel und sozialem Austausch, das zwischen den Bewohnern der verschiedenen Inseln etabliert war. Es werden auf der Inselgruppe 28 Sprachen und 11 Dialekte gesprochen. Deswegen waren äußere Zeichen wichtig, um z. B. die Zugehörigkeit einer Person zu ihrem Stamm zu demonstrieren. Der Raum wird durch weiße Stellwände durchtrennt, wie auch das Leben der Kanak durch die Europäer tiefe Einschnitte erlebte.

Die Bedeutung der oralen Tradition wird gleich zu Beginn deutlich. Klanginstallationen mit Gesängen, Gebeten und Flötenmusik durchziehen die Räumlichkeiten. Im Rahmen der Multimediainstallationen ist auch historisches Filmmaterial zu sehen. Jean-Marie Tjibaou (1936 – 1989) war ein indigener Anführer und Freiheitskämpfer, der sich für den Erhalt und die Akzeptanz der kanakischen Kultur einsetzte. Das 1998 in Neukaledonien gegründete Kulturzentrum trägt seinen Namen. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum.




Heilige Orte werden durch Figuren gekennzeichnet - Foto (C) Helga Fitzner


Die Kanak haben keine Gottheiten im westlichen Sinne angebetet, sondern waren ihren Vorfahren und der Natur sehr verbunden. Die meisten Artefakte sind daher rituelle Gegenstände. Im Eingangsbereich der Häuser befinden sich Holzobjekte mit Abbildern von Wesenheiten aus dem Jenseits. Jedes Haus hat eine Ecke für rituelle und spirituelle Zwecke. Auch draußen werden sakrale Plätze durch Statuen markiert. Dem Klanführer wurde gehuldigt, ihm wurden viele Rechte eingeräumt, da er die Verbindung zwischen den Menschen und dem Jenseits herstellte. Hohe Kopfbedeckungen oder Gegenstände, wie eine große Muschel, waren Symbole seiner Macht.

Heute stellen die Ureinwohner nur noch rund 44 % der Bevölkerung Neukaledoniens. Es hat in der Geschichte viele Aufstände gegeben, heute ist die Ausübung ihrer Religion wieder möglich. Durch ihren regen Warentausch und ihre hohe soziale Kompetenz ist viel von den alten Traditionen erhalten geblieben. Emmanuel Tjibaou, Sohn des Freiheitskämpfers Jean-Marie, bestätigte der Presse, dass der Ahnenkult bis heute ungebrochen sei. Die Verbindung zu den Urahnen und der Natur sei auch fester Bestandteil des täglichen Lebens. Und das Musée du Quai Branly gibt gerne Kulturen Raum, die insbesondere durch die französische Kolonialmacht zu Schaden gekommen sind. Das ist keine wirkliche Wiedergutmachung, aber eine sehr kompetent und spannend kuratierte Ausstellung.




Symbole der Macht der Klanführers - Foto (C) Helga Fitzner



Bewertung:    



Helga Fitzner - 21. Oktober 2013
ID 7288

Weitere Infos siehe auch: http://www.quaibranly.fr/


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