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Feuilleton


29. September 2012 bis 3. März 2013, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

DAS GÖTTLICHE HERZ DER DINGE

Altamerikanische Kunst aus der Sammlung Ludwig


Plakat: Figur einer Göttin, angeblich Veracruz, Mexiko, 700 – 900, Foto: Wolfgang F. Meier © Rheinischen Bildarchiv / Rautenstrauch-Joest-Museum


Gleich am Eingang wird der Besucher von der aztekischen Gottheit Ehecatl „empfangen“, seines Zeichens ein Windgott, der laut Mythos bei der Erschaffung der Gestirne eine Rolle spielte und die Ankunft der regenbringenden Götter vorbereitete. Mit seinen 1,95 m ist er eine imposante Erscheinung und stammt vermutlich aus Zentralmexiko. Ehecatl ist eine der rund 200 Exponate aus der präkolumbischen Zeit Mittel- und Südamerikas, von denen „einige Stücke ihresgleichen suchen“, wie die Kuratorin Anne Slenszka hervorhob. Sie stammen aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig, die zu den eifrigsten deutschen Kunstsammlern nach 1945 gehörten und von ihnen in den 1960er Jahren angelegt wurde. Sie stellten sie dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum zunächst als Dauerleihgabe, später als Schenkung zur Verfügung.



Skulptur des Ehecatl. Fundort unbekannt, 1480-1519, Foto: Wolfgang F. Meier © Rheinischen Bildarchiv / Rautenstrauch-Joest-Museum



Viele dieser Ausstellungsstücke waren Grabbeigaben. „Die Kunstfertigkeit ist sehr hoch. Diese Objekte waren besonders im religiösen Kontext wichtig“, erläutert Slenszka. „Es werden Wahrheiten, Weisheit und Weltverständnis dargestellt, wodurch man einige der Objekte durchaus als ‚beseelt’ bezeichnen kann.“ Ein großer Wasserspeier in Form eines Krokodilkopfes zeugt davon, dass der aus olmekischen Kultur Mexikos stammt. Er ist ein Symbol für den Regen, auch für Überflutung, und steht für die Vorstellung der im Urmeer schwimmenden Erde, wie die Kulturen der Azteken und Maya das darstellten.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum hat die Sammlung völlig neu und nach heutigem Wissensstand bearbeitet. So kann man mittlerweile die Glyphen der Maya fast vollständig entziffern. Letztendlich ist der Kunstgriff von zwei farblich unterschiedlichen Ovalen, nach denen der Hauptteil der Ausstellung geordnet ist, einfach und effektiv. Rund zwei Drittel der Exponate sind südamerikanisch, ein Drittel mittelamerikanisch. Die südamerikanische Sammlung bildet ein größeres, äußeres Oval, die mittelamerikanische das kleinere innere. Das gab der Kuratorin Anne Slenszka die Möglichkeit, beide Amerikas kulturvergleichend auszustellen. Es geht ihr eher um die Bedeutungsvielfalt verschiedener Aspekte als um regionale oder chronologische Zusammenhänge, da auch viele der Stücke nicht zuverlässig datiert oder einem Ort zugeordnet werden können. Anhand von 15 Themenbereichen werden Kunsthandwerk- und Steinmetzarbeiten aus der Zeit von 1200 bis ca. 1550 nach Christus ausgestellt.

Zu den bemerkenswerten Keramikarbeiten gehört ein Gefäß der Recuay-Töpfer aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. aus Nordperu. Es zeigt ein Paar beim Liebesakt, der als magisch-sexuelle Initiation erhöht ist, was durch die reiche Kleidung und den Schmuck des stilisiert dargestellten männlichen Partners angedeutet ist. Der Liebesakt findet unter nächtlichem Himmel statt.





Gefäß mit erotischer Szene, vermutlich oberes Santa-Tal, Peru. 300-600 Foto: Wolfgang F. Meier © Rheinischen Bildarchiv / Rautenstrauch-Joest-Museum



Neben dem Themenbereich Erotik und Sexualität gibt es auch Darstellungen von schamanischen Heilhandlungen. Bei einigen ist erkennbar, dass die Heilarbeit auch darauf angelegt ist, einen gestörten Energiefluss wieder herzustellen, wovon die Stimulierung der Sexualorgane nicht ausgeschlossen ist.

Außer den wunderbaren Keramiken sind auch sehr elaborierte Goldarbeiten zu sehen, Relieftafeln, Stelen und verschiedene Statuen. Zu den Themen gehören die Gestalten von Herrschern und Göttern, Tierwesen und –gottheiten sowie Mischwesen zwischen Mensch und Tier. Zu den Exponaten, die am Ende der Ausstellung im Themenbereich „Zerstörung und Weiterleben“ zählt die Statue des Plakats. Es ist die große Tonfigur einer Frauengestalt. Sie ist hohl, am ehesten der Golfküstenkultur Mexikos zuzuordnen und stellt eine Göttin der Erde und Fruchtbarkeit dar. In ihrer Hand hält sie einen geschrumpften Menschenschädel. Menschenopfer gehörten zur Kultur der Azteken und Maya, die – wie das bei weiteren Stücken zu sehen ist – nicht zimperlich mit ihren Widersachern und Feinden umgingen. Ihre Menschenopfer belegen aber auch, dass diese Kulturen Leben und Tod nicht so streng voneinander getrennt haben wie wir.


Helga Fitzner - 1. Oktober 2012
ID 6246
Vier Filme und eine Hörstation bereichern die Ausstellung zusätzlich und laden zu einer faszinierenden Reise zum göttlichen Herz der Dinge ein.

Empfehlenswert ist auch der Katalog zur Ausstellung von Christiane Clados und Stefanie Teufel, der wegen der Bedeutung der Sammlung auch ins Englische übersetzt wird.


Weitere Infos siehe auch: http://www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum


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