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Feuilleton


20. 10. 2012 - 20. 1. 2013, Museum für Ostasiatische Kunst Köln

GLANZ DER KAISER VON CHINA - KUNST UND LEBEN IN DER VERBOTENEN STADT





Die ehemals Verbotene Stadt in Beijing, die den Kaisern und seinem Hofstaat vorbehalten war, wurde 1925 als Palastmuseum gestaltet und 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Es beherbergt 1,8 Millionen Exponate. 193 dieser Ausstellungsstücke haben den Weg nach Köln gefunden, wo der Museumsdirektor, Herr Dr. Shan Jixiang, am Eröffnungstag persönlich anwesend war. Die Ausstellung ist ein weiterer Höhepunkt des Chinajahres in Deutschland und erlaubt anhand von 90 Objektgruppen aus der Verbotenen Stadt und der Sammlung des Museums für Ostasiatische Kunst einen Einblick in die Welt der „Himmelssöhne“, ihre Herrschaft, Religion und Kunst.





Pressekonferenz zur Eröffnung: (v. l. n. r.) Chen Ping, Botschaftsrat der Kulturabteilung, Dr. Shan Jixiang, Direktor des Palastmuseums Beijing, Dr. Adele Schlombs und Dr. Petra Rösch, Kuratorinnen - Foto © Helga Fitzner



Der chinesische Qianlong-Kaiser Hongli (1711 – 1799), der in Köln zur Zeit in prachtvoller Robe auf den Ausstellungsplakaten zu sehen ist, wurde schon als Kind einer ausführlichen und strengen humanistischen Ausbildung unterzogen, die Politik und diverse Künste, wie Malerei und Poesie umfasste. Er kannte sich mit dem Konfuzianismus aus, sprach neben chinesisch, mandschurisch, mongolisch, uigurisch und tibetisch. Als sein Vater, Kaiser Yongzheng 1735 verstarb, hatte er Hongli, seinen begabten vierten Sohn, testamentarisch zum Kaiser von China bestimmt.

Das Reich hatte schon zu Honglis Amtsantritt riesige Ausmaße. Er stammte vom Reitervolk der Mandschu ab, die 1644 der Ming-Dynastie ein Ende bereitet hatte (und bis zum Ende des Kaiserreichs 1911 bestand). Hongli versuchte, der Majorität der Han-Chinesen gerecht zu werden, gleichzeitig aber auch die Tradition der Mandschuren zu bewahren und die Minderheiten an sich zu binden, die alle zu Tribut verpflichtet waren. Deshalb war es wichtig, sich als „Himmelssohn“ zu etablieren, als politisches, geistiges und geistliches Oberhaupt aller Völker des Reiches, sowie als Mittler zwischen Himmel und Erde und zwischen den Gottheiten und seinen Untertanen zu fungieren und entsprechende Zeremonien oft selbst durchzuführen. „In der Ausstellung thematisieren wir den gottähnlichen, imperialen Herrschaftsanspruch der Kaiser, die auch die religiöse Führerschaft der Buddhisten, Daoisten und Schamanen einnahmen“, erklärte die Kuratorin. Dr. Adele Schlombs während der Pressekonferenz. „Für das Verständnis des heutigen China ist das Wissen um diese Geschichte unerlässlich.“





Hongli, der Qianlong-Kaiser in Han-chinesischem Gewand, anonym, Hängerolle, Tusche und Farbe auf Papier 95,7 cm x 101 cm, China, 18. Jhd., Qianlong-Periode (1736-1795) Beijing Palastmuseum - Foto © The Palace Museum



Die Ausstellung veranschaulicht nicht nur die Kaiserzeit des 18ten, sondern auch des 17ten Jahrhunderts, in dem es bereits westliche Einflüsse durch die Missionare der Jesuiten und die Handelskompanien der Briten und Holländer gab. Mit den Jesuiten gab es einen regen Austausch, insbesondere auf dem Gebiet der Astronomie, die für die Kaiser besonders wichtig war, um günstige oder ungünstige kosmische Einflüsse, Sonnen- und Mondfinsternisse sowie Erscheinungen von Kometen voraussagen zu können. Der aus Köln stammende Adam Schall von Bell (1592 – 1666) avancierte zum Hofastronom und führte eine Kalenderreform durch. Ein damals in Köln hergestelltes Messinstrument gehört zu den astronomischen Exponaten. Auch die lineare Perspektive der chinesischen Malerei wurde durch die realistischere Malerei des westlichen Stils beeinflusst, so dass, zum Beispiel, die Gesichter dreidimensionaler gemalt wurden. Die westlichen Künstler dagegen lernten von der virtuosen Pinseltechnik der Chinesen, die mit einer einzigen Linie Persönlichkeit und Gefühl auszudrücken vermochten. In der Ausstellung werden Malereien des Jesuiten Guiseppe Castiglione gezeigt, der sich vor allem der Portraitmalerei widmete und dem die Seidenzeichnung des Hongli-Portraits auf dem Plakat zugeschrieben wird.

Neben der Malerei sind auch einige kunstvoll gestickte Staatsroben ausgestellt, Porzellangefäße, Jagdzubehör, ein großes Glockenspiel, ein komplettes Thronensemble vom konfuzianischen Hofritual und ein Thron aus Hirschgeweih mit einem Gedicht von Hongli und vieles mehr.




Thron aus Hirschgeweihen, datiert 1772 mit einem Gedicht des Qianlong-Kaisers. Hirschgeweih und Huanghuali, 131 cm x 90 cm x 72 cm, China, Beijing Palastmuseum - Foto © The Palace Museum



Zur Zeit der Kulturrevolution in China (1966 – 1976) wurden viele Kunstdenkmäler, insbesondere die religiöser Art, zerstört. „Schon 1961 war aber der Kommunistenführer Zhou Enlai so weitsichtig 180 Denkmäler unter Schutz zu stellen“, erzählte der Direktor der Palastmuseums, Dr. Shan Jixiang: „Und Mao hat später dafür gesorgt, dass zumindest das Palastmuseum nicht gestürmt werden durfte. Er hat sogar Kunstgegenstände aus anderen Orten dort unterbringen lassen“, betont er.

So konnten im Jahr 2011 14 Millionen Besucher das Palastmuseum bestaunen. Ein kleiner, aber feiner Teil der Sammlung ist bis zum 20. Januar 2013 in Köln zu besichtigen.


Helga Fitzner - 23. Oktober 2012
ID 6285

Weitere Infos siehe auch: http://www.museenkoeln.de/glanz_der_kaiser/default_.asp


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