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Feuilleton


Noch bis 23. Juni 2013 - Complesso del Vittoriano, Via San Pietro in Carcere (Fori Imperiali) Roma

CUBISTI CUBISMO






Rom hat jetzt auch eine Kubismus-Ausstellung – seit Ende März im Complesso del Vittoriano.


[Exkurs: Das ist ein Seiteneingang der sog. „Schreibmaschine“, einem Schandfleck an der Piazza Venezia; aber die Touristen lieben dieses Gebäude, wahrscheinlich auch, weil man vom Dach aus einen fantastischen Blick auf Rom und das Forum Romanum hat.]


Sie versucht, den Dauerbrenner „Kubismus“ von einer anderen Seite anzugehen.

Gleich nach dem Eingang, auf der rechten Seite, werden wir mit der Dada-Poesie von Gertrude Stein, Shutters Shut, konfrontiert. Sie wird von ihrer Stimme vorgelesen und läuft gleichzeitig über die Wand. Guter Anfang!



Charlot présente Le ballet mécanique - Fotogramma del film Le ballet mécanique di F.Leger e D.Murphy, 1924



Die üblich verdächtigen „Klassiker“ sind nicht nach Rom gekommen; das macht aber gar nicht. Die Bilder sind „gleichberechtigt“ und kommen aus Privatsammlungen bzw. sind Leihgaben aus großen und kleinen Museen aus fast der ganzen Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts malten Matisse und die „Fauves“ in Paris, Bonnard hat sich noch nicht ganz von der „konservativen“ Figuration getrennt, und Gertrude Stein, die 1903 nach Paris kam, versammelte in ihren Salons die Intelligenzia aus Musik und Kunst und Literatur, aber vor allem war sie eine Käuferin! Ihr Salon in der Rue de Fleurus war stadtbekannt und begehrt und jedem zugänglich, der interessant und anders war. Sie und ihr Bruder Leo entdeckten praktisch Matisse und kauften die ersten Bilder von Picasso. Später sollten die Steins dann die umfangreichste Sammlung dieser Epoche haben.

In Dresden hat sich 1905 die „Brücke“ gebildet, und 1911 erschien zum ersten Mal Der blaue Reiter, der dann auch der Malergruppe den Namen geben sollte. Strawinsky hat sein Sacre du Printemps 1913 komponiert, er ist damit bei der Premiere in Paris erstmals voll durchgefallen. Der Salon des Indépendants hat Hasstiraden gegen diese Kunst-Verschandler von sich gegeben, so schlimm wie zur Zeit die Debatte in Frankreich über die Homo-Ehe!

1907 – Picasso malt Les Demoiselles d’Avignon; und Daniel-Henry Kahnweiler, der junge deutsche Kunsthändler, sieht es in Picassos Studio bei einem seiner Besuche. Er ist überwältigt! Die Demoiselles werden als Ursprung des Kubismus gehandelt - obwohl dieser schon „in der Luft“ lag. Cezanne hat in einigen seiner Landschaften und Stillleben ganz klar kubistische Ansätze verankert. Picasso hat es dann drastisch und mutiger umgesetzt. Die Demoiselles im Maison close haben anstatt Gesichter afrikanische Masken (Picasso hatte eine große Sammlung aus dem Musée Jeu de Paume „ausgeliehen“), das Bild vermittelt Angst und Schrecken vor Tod und Krankheit. Heute hängt es in MOMA in New York, nach Rom kam es leider nicht. Als Braque ein solches Bild zum ersten Mal zu sehen bekam, konnte er nichts anderes mehr malen.

Fast alle Künstler, die sich in der Zeit in Paris aufhielten – und das waren viele – haben sich blitzschnell dieser Bewegung angeschlossen. Die russischen Konstruktivisten haben sich beeinflussen lassen, so auch die italienischen Futuristen. Juan Gris, Picabia, Gleizes, Metzinger, Kupka und natürlich Fernand Leger, sie sind alle vertreten, nur um ein paar Namen zu nennen.



Albert Gleizes, Ritratto di Jacques Nayral, 1911 - Londra Tate



Der zweite Teil Ausstellung befasst sich mit Musik, Theater, Design und Film am Anfang des 20. Jahrhunderts, dazu geht es in den zweiten Stock, und wir sehen die drei „Original-Kostüm-Konstruktionen“, die Picasso für das Stück Parade (die Musik ist von Satie; die Regie von Cocteau) kreiert hat, wunderbare Entwürfe und Projekte von Leger für das Ballet La création du monde (1923), Möbel, es läuft der Film Ballet mécanique von Leger, Musik von Stravinksy. Ein kleiner Raum ist Sonia Delaunay gewidmet, d. h. ihren Entwürfen für Mode und Design, die viel besser als ihre Bilder sind. Echte Handarbeit. Ein Genuss, da durchzulaufen.

Anschließend gehen wir dann nochmals zu den Bildern. Ziemlich am Anfang ein fantastischer Picasso: Nudo von 1909 aus der Hermitage (es ist auch das Titelbild des Katalogs), ein Braque aus dem Thyssen Museum Madrid, Carrières Saint Denis, auch 1909. Vom italienischen Futuristen Gino Severini Natura morta con la rivista Lacerba von 1913, die Spanische Tänzerin von Natalia Goncharova, Gitarre und Obststeller von Juan Gris, 1919, aus Hovikodden, ein umwerfendes Portrait von Jacques Nayral von Albert Gleizes und Mme Metzinger sowie die Prozession, 1912, von Picabia, aus der National Gallery Washington etc. etc. Picasso und Braque haben sich dann sehr bald auf die „papier collés“ konzentriert und die allerschönsten Collagen geschaffen, davon gibt es auch einige zu sehen. Zwischendurch immer wieder auch weniger bekannte wie Vanessa Bell und Wyndham Lewis. Über keine Kunst-Bewegung ist so viel wie über den Kubismus geschrieben und gesprochen worden, und immer wieder entdecken wir ihn neu.



Georges Braque, Parco a Carrières-Saint-Denis 1909 - Madrid Museo Thyssen Bornemisza



Im Großen und Ganzen hat Charlotte N. Eyermann, die Kuratorin, eine abwechslungsreiche und amüsante Ausstellung zusammengebastelt.


Christa Blenk - 22. April 2013
ID 6692

Weitere Infos siehe auch:


Post an Christa Blenk



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