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Noch bis 24. November 2013

LA BIENNALE DI VENEZIA

55. Internationale Kunstausstellung



Ihre Anziehungskraft hat La Biennale di Venezia nicht verloren – obwohl sie in den vergangenen Jahren wenig interessante Kunst präsentieren konnte. Und so werden doch wieder Künstler, Sammler und Kunstinteressierte aus der ganzen Welt in die Lagunenstadt reisen und der Biennale einen Besuch abstatten. Wie wird sich die Biennale heuer präsentieren?

Am 1. Juni wurde die große Kunstshow – und man kann wirklich Show sagen – wieder in den Giardini und dem Arsenale eröffnet. Kuratiert und gerichtet wird diese 55. Internationale Kunstausstellung von Massimiliano Gioni mit dem Titel: II Palazzo Enciclopedico / The Encyclopedic Palace. Es ist die Hommage an einen Autodidakten, den italienisch-amerikanischen Künstler Marion Auriti.

Auriti reichte 1955 den Entwurf eines Palazzo Enciclopedico bei einem US-Patentamt ein. Es sollte ein imaginäres Museum sein, wo weltliches Wissen, die Entdeckungen der Menschheit und die Zukunft diskutiert werden, wo sich Wissenschaftler und Künstler austauschen. Dieses Projekt wurde nie realisiert, bis es Massimiliano Gioni in Angriff nahm. La Biennale di Venezia soll bis November 2013 ein Ort für Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler - so wie es seinerzeit der Exzentriker Auriti in seinem Entwurf darstellte – sein.


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Aufhänger der La Biennale di Venezia ist der berühmte chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei. Seine Installation mit dem Titel Bang ist ein deutscher Beitrag im französischen Pavillon. Ai Weiwei wird die Ausreise nach wie vor verweigert.

Stellvertretend für ihren Sohn reisten die 80jährige Mutter und seine Schwester in die Lagunenstadt, um zu beobachten, wie das Kunstwerk beim Publikum der Biennale ankommt. Im Gegensatz zu ihrem Sohn sind Mutter und Schwester frei und können weltweit überallhin reisen.

Ai Weiwei's Installation, die er per Anweisung aus dem fernen China einrichten ließ, sind Holzhocker, die sich quer durch den weißen Raum spannen und somit ein neues Gebilde ergeben. Die Kuratorin Susanne Gaensheimer sieht in dieser Installation das „Individuum und sein Verhältnis zu einem übergeordneten, überbordenden System“ (China). Diesem Werk kann wahrscheinlich nicht jeder Betrachter etwas abgewinnen.

Für die Kirche Sant’Antonin konzipierte Ai Weiwei eigens ein neues Werk, das als Dialog zwischen dem Künstler und der bestehenden Architektur funktioniert. Es erzeugt ein Gefühl, welches das Drama seiner Gefangenschaft und die widersprüchliche Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in China zum Ausdruck bringt.

Ai Weiwei dient als Beispiel für legitime soziale Kritik und freie Meinungsäußerung in China und auch international. So begibt er sich immer wieder in Gefahr und will durch seine Kunst den sozialen Wandel beeinflussen. Sein Beitrag bei der Biennale gewährt einen Blick hinter die Kulissen eines noch immer bestehenden autoritären Regimes.


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Von der Kunst-Presse kaum erwähnt, gibt es doch noch eine weitere hervorragende Künstlerin. Es ist die Isländerin Katrin Sigurdardóttir, die für den isländischen Pavillon eine groß angelegte Skulptur installierte. Die Künstlerin hat in der alten Wäscherei im Palazzo Zenobio eine schwimmende Plattform inszeniert, die mit barock inspirierten Fliesen abgedeckt ist. Es ist Architektur, Urbanismus, Kartographie und Landschaft in einem.
Katrin Sigurdardóttir hat in den letzten Jahren national und international in der Kunstszene beträchtliche Anerkennung erhalten. In ihren Arbeiten untersucht sie die Darstellungen der Architektur, des Städtebaus, der Kartographie und der traditionellen Landschaftsdarstellungen und verbindet diese in einem Kontext. Sie spielt auch oft mit Verzerrungen, sie manipuliert traditionelle Haltung gegenüber unserer Umwelt. Es ist ein Grenzspiel des geistigen und des materiellen Raumes, der sich in seiner Vielzahl von faszinierenden Möglichkeiten in ihren Arbeiten wiederholt.


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Katrin Sigurdardóttir und Ai Weiwei putschen die diesjährige Biennale auf, ohne ihre Beiträge könnte man die Schau auch als eine ganz normale Kunstausstellung mit internationalem Interesse bezeichnen. Wie es bei Kuratoren üblich ist, setzte sich auch Massimiliano Gioni in Szene, ohne wirklich etwas Neues und Interessantes beizutragen. Aber vielleicht gibt es sie noch, die Personen, die die La Biennale als sensationell bezeichnen.


Christa Linossi - 20. Juni 2013
ID 00000006872

Weitere Infos siehe auch: http://www.labiennale.org


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