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nachDRUCK # 4

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Ausstellung

Noch bis zum 28. März 2014 - Villa Eschebach (Dresden)

ALIENS VS. PREDATOR

Viktoria Graf und Stephan Anselm Ruderisch


Viktoria Graf, Bis dass die Pole schmelzen, 2014 - (C) Victoria Graf


Aus der anderen Welt

Welch hübscher Zufall: Als ich an den Ort des abendlichen Geschehens eile, führt mich mein Weg an einem Tanzsaal vorbei, aus dessen Fenstern Dvoraks Aus der neuen Welt klingt. Und wenig später beschwört die Laudatorin Adina Rieckmann die „anderen Welten“, in die uns die (wirklich faszinierenden) Klangcollagen von Alwin Weber zur Einstimmung versetzt hätten. Genau dort fände ja auch die ausgestellte Kunst statt, in den anderen, neuen Welten.

Der Titel der Doppelausstellung der beiden mit Ende Zwanzig bzw. Mitte Dreißig noch recht jungen Dresdner Künstler Viktoria Graf und Stephan Anselm Ruderisch ist einem Science-Fiction-Film von Paul Anderson aus dem Jahre 2004 entlehnt, der die beiden Untergenres übereinander bringt. Man muss das nicht wissen, es steht im Beiblatt, wird einem gesagt zur Eröffnung, und so wichtig ist es eh nicht. Ein Titel halt - für mich ohne wirklichen Bezug zur Materie, man sollte hier nicht überinterpretieren.

Vielleicht hätte ja „Die Schönmalende und das fragende Biest“ besser gepasst? Der Vorschlag ist nicht ganz ernst gemeint, führt aber dann doch zur Erkenntnis, dass da zwei gemeinsam ausstellen, die unterschiedlicher kaum sein können. Hier eine erzählende Malerei, die vor allem wegen ihrer sehr speziellen Farbigkeit einen hohen Wiedererkennungswert hat, dort Skulpturen und Bilder voller Lakonie, über jeden Verdacht auf Schönheit erhaben.

Die Klangfülle der Eröffnung geht über in eine Materialfülle. Mehr als fünfzig Objekte sind zu sehen, großformatige Ölgemälde, Hinterglasmalerei und Zeichnungen von Viktoria Graf - Werke aus Kunststoff, Lack, Acryl und Holz sowie Skulpturen von S. A. Ruderisch. Die Laudatio der Journalistin Adina Rieckmann hilft zumindest mir nicht viel weiter beim Verständnis, die farbenprächtigen Kindheitserinnerungen der Graf einerseits sind dann doch leicht zu entschlüsseln und den Bezug „Heimat“ kann ich andererseits bei den Ruderischen Werken kaum entdecken.

Ich habe ohnehin mit letzteren einige Schwierigkeiten. Die zugrunde liegende Idee, eine Fläche mit Schichten aus verschiedenen Materialien zu bedecken und dort unterschiedlich tiefe Schnitte und Löcher (von mir aus auch Wunden) aufzubringen, ist schlüssig, doch sie nutzt sich in den knapp zwanzig Bearbeitungen etwas ab, da hilft auch die wechselnde Farbigkeit nicht viel. Den Skulpturen stehe ich ratlos gegenüber; bei einer, der Federgabel mit dem Crystal-Tütchen, werde ich sogar ärgerlich. Das mutet derart simpel an, dass man schon ein gerüttelt Maß Selbstbewusstsein braucht, dies als Kunst auszustellen. Oder bin ich zu doof dafür? Man weiß es nicht.

Ihre größte Wirkung erzielen die Arbeiten von S. A. Ruderisch im Kontrast zu den Gemälden von Viktoria Graf. Die Schlüsselstelle der Ausstellung ist für mich jener Ort im Erdgeschoß gegenüber vom Eingang (die Exposition erstreckt sich über drei Etagen der Dresdner Volksbank Raiffeisenbank am Albertplatz), wo Und die Kugel dreht sich, eine Spielplatzszene mit kleinen, bösen, vermummten Elfen sowie Bearbeitung 6 in schlichtem Grau direkt nebeneinander zu hängen kommen. Und da funktioniert es, die Bilder scheinen miteinander zu kommunizieren, das macht also doch Sinn (auch wenn das schlechtes Deutsch ist).

Dennoch, auch wenn das hier nicht Olympia ist, Viktoria (sic!) Graf gewinnt dieses Duell für mich haushoch. Viel Sehenswertes entdecke ich, Handel ist unglaublich witzig, Bis die Pole schmelzen [s.o.] geht zu Herzen, das Selbstportrait Ich scheint locker hingeworfen und doch wunderbar treffend, nur Wald ist nicht mehr als niedlich und Sieh an! belanglos. Von der erstmals bei dieser Künstlerin gesehenen Hinterglas-Malerei bin ich mehr als positiv überrascht, da kann ich es auch verschmerzen, dass mir zu den Zeichnungen meist der Zugang verwehrt bleibt.

Die Vernissage in der Villa Eschebach, der dankenswert häufig für Kunstausstellungen genutzten heutigen Bank, gehorcht offenbar eigenen Gesetzen. Es ist voll, sehr voll, was sich einerseits angenehm von der Gruppe der „üblichen Verdächtigen“ abhebt, die man sonst auf jeder Eröffnung trifft, anderseits sicher auch viel mit dem großzügig ausgeschenkten Wein zu tun hat. Nach einer Stunde schon blickt man in einige glasige Augen, die jenen gehören, die aus Erfahrung wissen, dass auch dieser Wein nicht ewig reicht.

Bis zum 28. März kann man die Ausstellung zu den banküblichen Öffnungszeiten besuchen, dann zwar ohne geistige Getränke, aber es lohnt sich dennoch. Mit Empfehlung.




Oberflächlicher Eindruck von der Vernisage zu Aliens vs. Predator in der Dresdner Villa Eschebach - Foto (C) Sandro Zimmermann



Bewertung:    


Sandro Zimmermann - 12. Februar 2014
ID 7597
Villa Eschebach
Georgenstr.
01097 Dresden


Weitere Infos siehe auch: https://www.ddvrb.de/content/dam/f1040-0/ProspekteVeranstaltungen/VOBA_GR_2013_FL_FG.pdf


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