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Ausstellung

Noch bis zum 7. Juli 2014 | Martin-Gropius-Bau, Berlin

AI WEIWEI

EVIDENCE


Ausstellungsplakat zu Ai Weiwei - Evidence vom 3. April bis 7. Juli 2014 im Berliner Martin-Gropius-Bau


Holzschemel, Armierungseisen,

Flusskrabben aus Porzellan...

Im Martin-Gropius-Bau Berlin gibt es derzeit die weltweit größte Einzelausstellung des 1957 in Peking geborenen chinesischen Konzeptkünstlers und Bildhauers Ai Weiwei zu sehen. Auf insgesamt 3.000 Quadratmetern, verteilt in 18 Räume, hat er Werke und Installationen (die eigens für das Haus von ihm gefertigt wurden und sonach noch nie zuvor in Deutschland irgendwo gezeigt waren) unter dem Titel Evidence [= gerichtsfester Beweis] zusammengestellt.

Im Lichthof: seine spektakulären 6.000 Holzschemel (Stools, 2014) sowohl aus der Ming- und Qing-Dynastie als auch aus Volksrepublikzeiten - vom Künstler in nordchinesischen Dörfern gesammelt. "Sie gehören zum Standardinventar vieler chinesischer Haushalte. Jeder Hocker weist ständige Gebrauchsspuren auf. Die einfache Gestaltung und eine solide Konstruktion zeigen eine Formensprache, die über Jahrhunderte dieselbe geblieben ist. Durch das Zusammenfügen der einzelnen Hocker entsteht eine Oberfläche, die den Fliesenboden des Atriums im Martin-Gropius-Bau bedeckt." (Quelle: berlinerfestspiele.de)

Ein Gästebucheintrag liest sich im obigen Bezug dann so: "Ich bin enttäuscht nicht über die Hocker gehen zu dürfen. Ansonsten fand ich es toll."

Die Ausstellung muss als politisch-künstlerische Schau, und zwar in dieser Reihenfolge, angesehen und betrachtet werden. Ihre "Anspielungen" sind allgegenwärtig und betreffen beinah jedes der gezeigten Exponate. Was - ganz unabhängig davon - ganz zuallererst an ihnen auffällt: wie, womit (Holz, Eisen, Marmor, Kristall, Porzellan und Jade...) Ai sie fertigte; mit welcher handwerklichen Akribie und welchem wahrhaft künstlerischen Können er sein Werk im Ganzen glaubhaftig zu untermauern in der Lage war und ist!



Ai Weiwei: Diaoyu Islands (Diaoyu-Inseln), 2014; Marmor | © Ai Weiwei. Foto © Mathias Völzke
"Der kleine Archipel im Ostchinesischen Meer, der im Chinesischen als Diaoyu-Inseln und im Japanischen als Senkaku-Inseln bezeichnet wird, war der Auslöser für einen erbitterten, noch nicht beigelegten Territorialstreit, der in beiden Ländern zu leidenschaftlichen patriotischen Ausbrüchen geführt hat. Die aus Marmor gemeißelte Arbeit konzeptualisiert diese geopolitische Debatte in cartoonhafter Art und Weise in Form einer topografischen Skulptur der Diaoyu-Inseln in verkleinertem Maßstab. Die Monumentalität der Installation führt Ais Experimente mit Maßstab und Materialien und damit die Verwandlung der Realität in spürbare Erfahrungen fort." (Quelle: berlinerfestspiele.de)



Ai Weiwei: Han Dynasty Vases with Auto Paint (Han-Dynastie-Vasen mit Autolack), 2014; Vasen aus der Han-Dynastie (202 v. Chr. – 220 n. Chr.) und Autolack | © Ai Weiwei. Foto © Mathias Völzke
"Ai überzog acht antike Vasen aus der Serie Coloured Vases mit metallisch glänzendem Autolack. Unter ihrer glatten, makellosen und gleichmäßig reflektierenden Oberfläche verbergen sich der Schimmer und die Textur der Vasen. Die Farben der Standardfarbpaletten für Autos von Herstellern wie Mercedes-Benz und BMW und der offensichtliche Konsumgeist und der Machtanspruch, die diese Autos auf dem chinesischen Markt symbolisieren, stehen in einem interessanten Gegensatz zur Form der uralten Vasen. Das Auftragen von Farbe auf die Oberfläche stört das Original und konserviert es zugleich; es lässt uns darüber nachdenken, wie wir die wirkliche Bedeutung von Geschichte und Zivilisation festlegen. Aus dem Zusammenhang genommen ist keine der Vasen mehr als antikes Artefakt zu erkennen, doch ist unterhalb der dünnen Oberflächenschicht die Geschichte und Komplexität des Originals intakt geblieben." (Quelle: berlinerfestspiele.de)



Ai Weiwei: Circle of Animals, 2011; Bronze mit Gold-Plating, 12 Statuen | © Ai Weiwei. Foto © Mathias Völzke
"Die Zodiac Skulpturen beziehen sich auf jene Bronzefiguren, die einst von europäischen Künstlern Mitte des 18. Jahrhunderts im kaiserlichen Garten Yuan Ming Yuan errichtet wurden. 1860 plünderten englische und französische Truppen diesen Garten. Einige der Bronzefiguren kamen nach Europa. Zwei der Figuren wurden kürzlich mit großem protokollarischem Aufwand von François Pinault an die chinesische Regierung zurückgegeben. Ai Weiwei sagt, die Bronzeskulpturen seien keine Nationalschätze, sondern Globalschätze, einst von Europäern für die mandschurischen Kaiser Chinas entworfen." (Quelle: berlinerfestspiele.de)

*


Wir lernen, was "Armierungseisen" (Forge Bed / Forge) sind:

Am 12. Mai 2008 gab es im Kreis Wenchuan der chinesischen Provinz Sichuan ein veheerendes Erdbeben mit 70.000 Toten und 370.000 Verletzten. Dass es darüber hinaus zu einer geradezu apokalyptischen Zerstörung der Gebäude und Häuser kam, war auch der damaligen Bauweise und -art zu schulden; "Tofukrümel" nannte/nennt man sie... und Ai Weiwei trug nach dem Beben 200 Tonnen verbogene Armierungseisen der eingestürzten Gebäude aus dem Campus der zerstörten Mittelschule (5.200 namentlich vermisste Schüler!) von Beichuan zusammen und begradete sie.

Drei der 18 Räume sind mit einer Tapete seines Schuldscheins eingesäumt: Die chinesischen Behörden warfen ihm eine Steuerschuld von 1,7 Millionen Euro vor - ein in der Volksrepublik China bei Regimekritikern nicht unoft praktizierter Einschüchterungsversuch...

81 heißt der originalgetreue Nachbau seiner Isolationszelle, wo Ai 81 Tage lang gefangen saß...

Es gibt - auf vier Leinwänden - ein 150stündiges Video zu sehen, das die städtische Entwicklung Pekings in der Zeit von 2003 bis 2005 dokumentiert...

40 Fotos zeigen jeweils einen Stinkefinger vor berühmten zivilisatorischen Kulissen (Städte-, Panoramaansichten etc.)...

Hunderte Flusskrabben gibt es - aus feinstem Porzellan...


* * *


Die Gäsebucheintragungen sind überwiegend positiv - ein paar jedoch fallen massiv und abweichend aus diesem Rahmen:

"Das alles zu verstehen: Ich habe da so meine Schwierigkeiten."

"Armer Alter Ai Wei Wei - er ist stehengeblieben! Didaktische Ausstellungen kotzen mich an."

"Stänkern bringt Ruhm."

"Ich vermisse die wahren chinesischen Ausstellungsobjekte. Eigentlich wollte ich nicht nur die Geschichte von Ai Weiwei kennenlernen."

"Kommt zu Ostern noch das Ei Weiwei? Das wäre schön"
, befand dann schließlich ein Professor Metz aus Hamburg.



Bewertung:    



Gisela Herwig - 14. April 2014
ID 7753
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Tel +49 30 254 86-0
Fax +49 30 254 86-107
post@gropiusbau.de

Öffnungszeiten: Mi - Mo | 10 - 19 h (Di geschlossen)
Ab 20. Mai: täglich 10 - 20 h

Eintritt: 11 € | ermäßigt 8 €
Gruppen (ab 5 Personen) p. P. 8 €
Eintritt frei bis 16 Jahre


Weitere Infos siehe auch: http://www.martin-gropius-bau.de


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