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Umfassende Andrzej-Wajda-Werkschau im Berliner Kino Arsenal gestartet






Bekannt und unbekannt

Unter der Schirmherrschaft der Europäischen Filmakademie haben das Polnische Institut Berlin und das Kino Arsenal am Potsdamer Platz die erste umfassende Werkschau des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda organisiert, während der 36 seiner bisher fast 50 Filme gezeigt werden. Zu sehen sind die Werke noch bis Ende des Jahres im polnischen Original mit deutschen oder englischen Untertiteln im Arsenal, dem Zeughauskino und dem Kino in den Hackeschen Höfen.

In einer Grußbotschaft zur Eröffnung äußerte der mittlerweile 85-jährige, nach wie vor sehr aktive Andrzej Wajda sein Bedauern darüber, dass er im Dezember nicht nach Berlin reisen kann, da er in Polen gerade mit den Dreharbeiten zu einer Biografie über Lech Walensa begonnen hat. Mit dem Film über den polnischen Arbeiterführer, Ex-Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger bleibt Wajda seiner selbstgewählten Lebensaufgabe treu, unermüdlicher Chronist der polnischen Geschichte zu sein. Dieser Berufung folgte Wajda schon mit seinen drei ersten Spielfilmen Eine Generation (1955), Der Kanal (1956) und Asche und Diamant (1958), einer Trilogie über das tragische Scheitern der polnischen Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Damit verarbeitete der Regisseur, der selbst in einer Widerstandsgruppe aktiv war, nicht nur sein persönliches Trauma, sondern das einer ganzen Nation.

Zugleich begründete Wajda mit einer expressiven, dokumentarisch anmutenden Bildsprache, die an die Ästhetik des italienischen Neorealismus erinnerte, den Ruhm des polnischen Nachkriegskinos als „Polnische Schule“, deren prominentester und aktivster Vertreter Wajda bleib. Während Kollegen wie Roman Polanski oder Jerzy Skolimowski ihr Heimatland wegen der zunehmenden Beschneidung künstlerischer Freiheiten durch die sozialistische Kulturbürokratie gen Westen verließen, wich Wajda nur gelegentlich zu Dreharbeiten ins Ausland (z. B. in die Bundesrepublik) aus und arbeitete sonst weiter in Polen, ohne sich den Mächtigen anzudienen. Obschon Wajda auch starke, unmissverständliche Symbolik nicht scheut, kam ihm sein ausgeprägter Hang zur Differenzierung zugute, die ihm von offizieller Seite schwerlich vorgeworfen werden konnte. Auch sein letztes großes Historienepos Katyn, die Aufarbeitung des Massakers der sowjetischen Armee an polnischen Offizieren im Herbst 1939 - zu deren Opfern auch Wajdas Vater zählte - , verzichtet auf jede Polemik.

Die kurze Phase der Liberalisierung in Polen Ende der siebziger Jahre nutzte Wajda umgehend, um den damaligen Kampf der polnischen Arbeiterschaft um politische Selbstbestimmung aufzugreifen und mit Der Mann aus Marmor (1976) und Der Mann aus Eisen (1980) zwei weitere Klassiker des polnischen Nachkriegskinos zu drehen. Der langjähriger Leiter des Kino Arsenals, der Filmhistoriker Ulrich Gregor, wies bei der Eröffnung der Werkschau darauf hin, dass Wajda die polnische Geschichte stets „als einen Teil der europäischen Geschichte behandelt hat“ und als Filmschaffender „eine nahezu einmalige Dimension“ besitzt.

Anlässlich Wajdas achtzigstem Geburtstag bedauerte der deutsche Regisseur Dominik Graf, dass sein polnische Kollege vor allem im Westen wegen seines frühen Ruhmes, aber auch eines von „Schuldgefühlen“ gegenüber Polen geprägten Blicks „förmlich zum eigenen Denkmal erstarrt sei“ während er doch „filmisch immer moderner und experimenteller wurde“. Die unter dem Motto „Bekannt und unbekannt“ laufende Werkschau bietet nun Gelegenheit, selten gezeigte Werke Wajdas zu sehen, vor allem aber, die bekannteren aus der zeitlichen Distanz neu zu entdecken.

Viele der Filmkopien befinden sich schon seit langem im Besitz des Arsenals bzw. der Deutschen Kinemathek, die Ulrich Gregor und anderen Studenten der Filmwissenschaft schon Ende der fünfziger Jahre von der polnischen Militärmission in Westberlin zur Verfügung gestellt wurden. „Wir haben damals einfach geklingelt und angefragt, ob man uns nicht helfen könnte, in Westberlin polnische Filme zu zeigen und man hat uns überaus freundlich unterstützt.“ Über 900 Kopien polnischer Filme wurden auf diese Weise über die Jahrzehnte gesammelt.

Max-Peter Heyne - red. 5. Dezember 2011 (2)
ID 00000005521


Siehe auch:
http://filmpolska.de/





 

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