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Death Wish 4 - Das Weiße im Auge

Death Wish 4: The Crackdown
USA 1987, Regie: J. Lee Thompson
Darsteller: Charles Bronson, Kay Lenz, John P. Ryan, Perry Lopez, Soon-Teck Oh



Statistisch betrachtet ist vermutlich kaum ein anderer Leinwandcharakter zumindest mittelbar von solch einer rabiaten Gewaltkriminalität betroffen gewesen wie Paul Kersey alias „Der Rächer“, der binnen zweier Celluloid-Dekaden sein gesamtes familiäres Umfeld - und zwar von der Ehefrau über die Tochter bis hin zur neuerlich Verlobten - an einen überwiegend jugendlichen, die Straßen der Großstädte terrorisierenden Verbrechermob verlor. Dass eine derartige Vita etwas ungehemmter zur Waffe greifen lässt, sollte dann eigentlich als nachvollziehbar erscheinen.

In dem offensichtlich flugs heruntergekurbelten dritten Ableger der „Death Wish“-Reihe, welche dem einem schäbigen Vergnügen stets zugewandten Zeitgenossen im Ganzen gesehen wenigstens die Möglichkeit bot, deren Hauptdarsteller Charles Bronson als die fleischgewordene Ikone der Selbstjustiz nicht unbedingt in Würde altern zu sehen, legt sich dieser mit der Drogenmafia von Los Angeles an - eine Ausgangslage, in der Großkalibriges eskalierende Situationen am effektivsten bereinigt. Natürlich ist nebenher für die nötige Irritation gesorgt, da der zunächst als vorbildlicher Gesetzeshüter in die Handlung eingeführte Asiate ein falsches Spiel treibt, was ein solcher auch in den anderen einschlägigen Werken der beiden Reaktionäres zur Genüge produziert habenden Berufsisraeliten Menahem Golan und Yoram Globus gewöhnlich sehr gerne zu tun pflegt, sofern er nicht ohnehin schon ein feiger Russe oder - besser noch - hinterhältiger Araber ist. Unabhängig davon entpuppt sich der scheinbare Verbündete, der den Helden nicht nur mit der zur Ausrottung des Gesindels erforderlichen Feuerkraft beliefert, als Wolf im Schafspelz, der die rustikale Rechtschaffenheit auszunutzen versteht, die unliebsame Konkurrenz in die ewigen Jagdgründe befördern zu lassen. Nicht zuletzt aufgrund einer das jeweilige Rollenmodell repräsentierenden Kleidung ist dessen Wandlung vom vermeintlich gediegenen Biedermann zum Erstligisten unter den Großdealern schlichtweg beeindruckend - aber nur für denjenigen Narren, der allen Ernstes meinte, dass jemand mit einer Visage, wie sie der Schauspieler John P. Ryan hat, tatsächlich einmal den Guten spielen könnte.

Nach Genuss des Filmchens bleibt somit immerhin die Erkenntnis, dass „Ein Mann sieht rot“ aus dem Jahre 1974 mit deutlichem Abstand der weitaus beste Teil jenes Vigilanten-Franchising geblieben ist, weil ein durchaus fähiger Regisseur darin auf ebenso suggestive wie perfide Weise eine Atmosphäre allgegenwärtiger Bedrohung schuf, die nach einer Explosion an Gegenbrutalität förmlich brüllte. Und dass diese aus dem von steter Paranoia geprägten Zerrbild eines urbanen Raumes voller verdreckter Hinterhöfe, menschenleerer Untergrundstationen und unbeleuchteter Parkanlagen sich speisende Grundidee in zunehmendem Maße einer ins Groteske übersteigerten, unfreiwillig komischen Inszenierung gewichen ist.

Daniel Dohmel - red / 12. April 2007
ID 3122





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