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0.99 Euro-Film: Das Haus an der Friedhofsmauer

Quella Villa Accanto al Cimitero
Italien 1981, Regie: Lucio Fulci
Darsteller: Catriona MacColl, Paolo Malco, Giovanni Frezza, Silvia Collatina, Dagmar Lassander.


Weil sich sein Mentor erhängte, zieht Norman, ein junger Historiker, der in diesem Zusammenhang gerne „Forschungen“ betreiben möchte, samt neurotischem Weibe und gelegentlich übersinnlich begabtem Sohn in die Behausung des eingangs Erwähnten, welche sich in Neu-England befindet. Damit wäre bereits das Titel gebende Bauwerk in die Handlung eingeführt. Eine wie auch immer geartete Umfriedung lässt sich indes nicht ausmachen, denn dort, an der Ostküste der USA, sollen des permanent strengen Frostes wegen die Grenzen zwischen behaglicher Wohnstube und Leichenacker angeblich fließend gewesen sein, weshalb man just nach der Ankunft eine Gruft unter dem heimischen Fußbodenteppich bemerkt, in der ein mutmaßlich mausetoter Mediziner namens Freudstein liegen müsste, dem im allmählich ausklingenden Neunzehnten Jahrhundert von Seiten der zuständigen Ärztekammer jedenfalls nicht zur Gänze willkürlich die Approbation entzogen worden war, da er - in reichlich großzügiger Auslegung des hippokratischen Eides - „Experimente“ an Menschen durchgeführt hatte. Nach dem ewigen Leben oder mindestens doch einer angemessenen Verjüngung desselben trachtend verrichtet jener, den als Metzger zu bezeichnen noch stark untertrieben wäre, schon bald sein stumpf chirurgisches Handwerk. Dass ihm Letzteres durchaus gelingt, dürfte für den mit dem späteren Schaffen des Regisseurs Vertrauten keine sonderliche Überraschung darstellen. Das Streben nach Jugend dagegen ist in Anbetracht der trotz aller diesbezüglichen Bemühungen nicht eben taufrischen Erscheinung des Herrn Doktors wohl eher als gescheitert zu betrachten.

Ja, Gefangene macht Lucio Fulci auch hier nicht - oder, wie es ein zeitgenössischer Kritiker einst durchaus passend auszudrücken pflegte: Frisch abrasierte Köpfe im Halbdunkeln sind noch das Mindeste. Die superbe Geräuschkulisse tut ihr Übriges, um ein im Ergebnis ebenso surreales wie zirzensisches Gesamtkunstwerk zu schaffen. Und deshalb dröhnt jeder Schritt auf der Kellertreppe wie das vereinte samstägliche Werkeln der Besucherschaft eines bundesdeutschen Baumarktes, das Fiepen eines Fledermäuschens erinnert an ein groteskes Wesen, welches auf einer gigantischen Plastiktüte bizarre Musikstückchen zu pfeifen sucht, und das aus durchtrennten Gurgeln rinnende Blut weckt Assoziationen zum tosenden Hall des allmorgendlichen Brausebades.

Daniel Dohmel - red / 4. Mai 2007
ID 3190




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