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Dokumentarfilm


Filmstart: 23. August 2012

„Oma und Bella“ (Deutschland 2012)

Regie: Alexa Karolinski





Geschirr und Besteck klappern schon, als die Leinwand noch dunkel ist, und es ist eine Verheißung, denn was wir an Gebackenem und später an Gekochtem und Gebratenem zu sehen bekommen, lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Für ihren Abschlussfilm an der New Yorker School of Visual Arts wählte die Filmemacherin Alexa Karolinski eine Dokumentation über ihre eigene Großmutter und deren Kochkünste als Sujet aus. „Oma“ Regina Karolinski lebt in Berlin. Als sie vor fünf Jahren eine Hüftoperation hatte, zog ihre beste Freundin Bella Katz zu ihr. Was nur als vorübergehende Lösung geplant war, wurde zum Dauerzustand, denn es ist nicht gut allein zu sein, besonders im hohen Alter, meinen die betagten Damen. Regina Karolinski wurde 1927 im oberschlesischen, jetzt polnischen Kattowitz geboren, Bella Katz 1923 im litauischen Vilnius. Kochen, Brutzeln und Backen ist ihre Leidenschaft, der sie mit Genuss und Freude nachgehen. Erst später kommt der Verdacht auf, dass vielleicht auch ein kleines Stückchen Obsession dahinter stecken mag.

Oma und Bella haben jahrelang experimentiert, bis sie den Geschmack des Essens wiedergefunden hatten, das ihre jüdischen Mütter vor dem Holocaust zubereitet hatten. Deshalb dürfen nun auch nicht mehr die geringsten Veränderungen vorgenommen werden. Der Geschmack der opulenten Gerichte steht für Familie, Heimat und Kindheit. Die Gerichte werden sorgfältig und lustvoll zubereitet. Und da Kochen schon beim Einkauf beginnt, suchen die beiden ihre Zutaten mit kritischem Blick aus.



Nur vom Feinsten: Regina Karolinski und Bella Katz beim Einkaufen - Foto © Edition Salzgeber



“Alle unsere Freunde beneiden uns“, sagen sie, denn sie führen ein durchaus glückliches Leben. Sie geben dabei zu, dass man ihnen ihre Jugend gestohlen hat und dass nach dem Krieg für lange Zeit ihre Herzen geweint haben. Aber sie versuchten nachzuholen. Zunächst waren sie nicht mit dem Herzen dabei, wenn sie, zum Beispiel, eine ihrer vielen Reisen machten, aber das kam dann irgendwie doch, auch wenn sie in ihren Alpträumen noch manchmal ihre Söhne oder Enkelkinder verstecken wollen, die während der Shoah noch gar nicht lebten. Sie reden nicht gerne darüber: „Denn man will nicht noch einmal überleben, was man überlebt hat, weil man es dann noch einmal überleben muss“, beschreibt Bella mit einfachen Worten die Gefahr der Retraumatisierung.

Die Damen sind auch sehr beschäftigt: kleinere Ausflüge, Friseurbesuche, Rommee spielen und immer wieder Kochen und Backen füllen ihr Leben aus. Sie laden gerne ihre Familie und Freunde ein, die ausgiebig bewirtet werden. Bella zeigt uns den Tiefkühlschrank, der auf vier Ebenen bis zum Rand mit eingefrorenen Köstlichkeiten bestückt ist.

Man fragt sich bezüglich des Holocausts immer wieder, wie die Überlebenden damit fertig werden, vor allem wenn keiner oder nur wenige aus der Familie überlebt haben. Die nachgeborenen Verwandten spielen dabei natürlich eine große Rolle, und so ist das Verhältnis von Regina Karolinski zu ihrer Enkelin Alexa sehr innig, die mitten während des Filmens Hagelzuckerkekse probieren muss.



Wahlverwandtschaften: Regina Karolinski und Bella Katz - Foto © Edition Salzgeber



Durch ihre Koch- und Backkünste haben „Oma“ und Bella das Überleben zur Kunstform erhoben. Sie haben sich ein Stück Kindheit aktiv zurückgeholt und halten unverkrampft daran fest. Mit dem Essen setzen sie der erlebten Zerstörung durch Krieg und Massenvernichtung nicht nur das Lebenserhaltende des Kochens entgegen, sie verbinden es mit Genuss und Lebensbejahung. Das teilen sie dann mit ihrer Familie und anderen. Auf diesem Wege haben sie etwas gefunden, was noch viel kostbarer ist: Ihre Freundschaft, die schon eher eine Wahlverwandtschaft ist.


Helga Fitzner - 1. September 2012 (2)
ID 6180

Weitere Infos siehe auch: http://www.omabella.com


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