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Rezension

Filmstart: 28. November 2013

Tore tanzt (D 2013)

Drehbuch und Regie: Katrin Gebbe




Im Vorspann steht, dass das, was folgt, nach einer wahren Geschichte ist.

Katrin Gebbe (Drehbuch und Regie) hat einen Film geschrieben und gedreht, der sich - in seiner pseudoreligiösen Dreikapiteltheit unter den jeweiligen Überschriften "Glaube", "Liebe", "Hoffnung" - Stück um Stück zu einem höllenhaften Alptraum steigert. Die Bestürzung, geistiger als wie emotionaler Art, hat(te) schlussendlich einen Grad erreicht, dass man nicht weiß (und wusste); bleibt man erstmal, wie erschlagen, auf dem Kinositz, oder versucht man, unter Schock, nach draußen in die Kälte zu gelangen, um das Alles, was man eben sah und sehen musste, mittels Wind und Wetter aus den Hirngedärmen zu vertreiben. Nichts dergleichen möglich. Die Bestürzung geht und ging nicht fort. Sie bleibt...

*

Der Jungschauspieler Julius Feldmeier spielt einen schier wie mitten in der Pubertät seines gerade angefangnen Lebens sich befindenden und kindlich-gottgläubigen Epileptiker. (Woher der Junge stamt und was womöglich seine vorherige Sozialisation gewesen war [nichts werden wir erfahren über dessen Mutter, dessen Vater, dessen leibliche Geschwister oder andere Familienangehörige], scheint für die Filmhandlung ganz unerheblich.)

Tore tanzt (= lyrisch auch für den sog. Veitstanz, den die Epileptiker verüben, wenn sie ihre Anfälle bekommen) hat den Filmhelden bereits, gleich zu Beginn, als "Opfer" eines hirnwaschenden Vorgangs in das Bild gestellt; er wird von zwei erwachsenen oder erwachseneren Jesus-Freaks (so oder ähnlich heißt der willigliche Kleinzusammenschluss von meistenteils sozial-benachteiligten Jugendlichen, die sich über Gottes Himmelsleiter [Religion sei Opium für das Volk, fällt mir, dem Atheisten, schlagkräftiger Weise ein] Freude und Kräftigung versprechen) in 'nem Weiher sommerlich gebadet und getauft... Und gleichsam geht er, manipulativ gestärkt und humanistisch motiviert, als selbstbegriffener Messias oder so auf seine kurze, allzu kurze Lebens- und Erweckungsreise:

Es beginnt mit einem Auto, das nicht anspringt - Tore lehnt sich betend über dessen Kühlerhaube und bespricht es quasi göttlich - - und das Auto funktioniert mit einem Male wieder; Zufall wohl, mehr nicht.




Tore bespricht in Gottes Namen das Auto eines Fremden - Foto © Rapid Eye Movies



Der Fahrer dieses Autos, Benno (Sascha Alexander Gersak), hat natürlich, und ganz sichtlich, mit so religiösem Zeugs gar nichts am Hut. Trotzdem zeigt er sich von dem rätselhaften Jungen fasziniert.

Er steigt ihm eine Szene später hinterher und sieht ihn plötzlich (= Veitstanz) auf der Tanzfläche der jugendlichen Jesus-Freaks, die augenblicklich eine Sekten-Party feiern, epileptisch-zuckend vor sich liegen; und er nimmt ihn zu sich mit...




Tore und Benno, eine verhängnisvolle Begegnung - Foto © Rapid Eye Movies



Benno hat sich in einer Schrebergartensiedlung - es ist Sommer - mit der Freundin oder Ehefrau (Annika Kuhl) sowie den beiden halbwüchsigen Kindern Astrids, seiner Freundin oder Ehefrau, wohnlich und häuslich eingerichtet. Man sieht gleich, dass hier kein Geld oder zumindest nicht genug Geld da ist, dass es quasi für ein besseres und schöners Zuhause (als in einer Gartenlaube) reichen würde. Auch wird gleich und sofort klar, dass es zwischen der Astridtochter Sanny (Swantje Kohlhof) und dem Astridmacker Benno irgendwann mal eine missbräuchliche Sexualgeschichte gab; das Mädchen wirkt verkrampf und abweisend...

Benno "befürchtet" plötzlich Konkurrenz vom neuen Mitglied der Familie; so ein instinktives Maskulinverhalten und -gebaren à la 'das ist MEINE Tochter' oder so, 'nimm deine Jesuswichsgriffeln aus ihrem Schlüpfer' - sicher bloß der Ausdruck einer hormonellen Paranoia; Tore hatte überhaupt gar nix in dieser (sexuellen?) Richtung mit der Astridtochter Sanny angefangen...

Das ist dann der Umschlagpunkt der Filmgeschichte, und ab hier beginnt der eigentliche Höllenlauf.




Tore in der Hölle auf Erden - Foto © Rapid Eye Movies



Es finden in der Folge hier an dieser Stelle nicht zu schildernde Bestialitäten physischer und psychischer Couleur am eigentlich doch Schutzbefohlenen im sowie außerhalb des Schrebergarten(s) statt.

Die Ausgrenzung des Außenseiters macht sich handgreifliche Luft und will den Ausführenden Lust(gefühle) nach und nach bereiten.

Doch "nicht nur" dass Benno sich am Epileptiker gewalttätig vergreift, nein, sogar Astrid oder (Garten-)Freunde nehmen an den Ausschreitungen teil. Dabei ist mit der Tore-Vergewaltigung durch Bennokumpel Dieter (Uwe Dag Berlin) längst nicht der Höhepunkt der Horrorei erreicht.

Der Junge - abgeschlachtet und entsorgt - haucht in 'nem Tümpel sein verjesutes Jungleben endlich aus.

* * *

Gebbes Parabel auf den allbekannten Leidensweg des Gottessohnes ist in diesem Film, um künstlerisch zu überzeugen, allzu aufgesetzt geraten. Sie ist bloß noch dunkelroter, um nicht gar zu sagen: schwarzer Grind.

Schauspielerisch ist das erfolgte Resultat des Streifens sicherlich enorm.


Bewertung:    


Andre Sokolowski - 29. November 2013
ID 7406
TORE TANZT (D 2013)
Drehbuch und Regie: Katrin Gebbe
Kamera: Moritz Schultheiß
Besetzung:
Tore ... Julius Feldmeier
Benno ... Sascha Alexander Gersak
Astrid ... Annika Kuhl
Sanny ... Swantje Kohlhof
Eule ... Daniel Michel
Dennis ... Til-Niklas Theinert
Dieter ... Uwe Dag Berlin
Klaus ... Christian Bergmann
Cora ... Nadine Boske
Krankenschwester ... Katinka Auerberger
Arzt ... Christoph Jacobi
Guido ... Hartmut Lange


Weitere Infos siehe auch: http://www.tore-tanzt.com/


http://www.andre-sokolowski.de



 

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