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Dokumentarfilm


Filmstart: 2. Mai 2013

The International Criminal Court (D 2013)

Buch / Schnitt / Regie: Marcus Vetter und Michele Gentile





Sowohl das Filmplakat als auch die Machart des Films lassen eher auf einen Spielfilm als auf eine Dokumentation schließen, denn die Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) in Den Haag mutet wie ein Justizthriller an. Auch der erste Chefankläger des ICC, der Argentinier Luis Moreno Ocampo weist durchaus ein gewisses Medienbewusstsein auf. Die Arbeit des Gerichtshof könnte allerdings nicht entsetzlicher sein: Hier werden schreckliche Kriegsverbrechen vor Gericht gebracht. Das Filmteam begleitet den 2002 eröffneten ICC bei der Vorbereitung und Durchführung des ersten Prozesses. Der Angeklagte Thomas Lubanga Dyilo war in der Demokratischen Republik Kongo für die Entführung Hunderter von Kindern verantwortlich, die zu Kindersoldaten ausgebildet und zu Mord und Brandschatzung gezwungen wurden. Wer nicht spurte, wurde vor den Augen der anderen Kinder niedergeschossen. Es gäbe keine Bestrafung eines einzelnen Angeklagten, die dem von ihm angerichteten Leid gerecht würde, aber der erste Fall des ICC ist ein wichtiges Statement. Eine Völkergemeinschaft von mittlerweile 122 Staaten (Stand: März 2013) hat sich entschlossen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht länger hinzunehmen und ein, allerdings noch schwaches, Instrument geschaffen, gegen die Verursacher vorzugehen. Bedeutende Staaten, wie die USA, China, Russland sowie Israel gehören leider noch nicht dazu.

Am Anfang der Dokumentation werden Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen beklagt, die allerdings nicht zur Anzeige gebracht werden können, weil die palästinensischen Autonomiegebiete nicht den Status eines Staates haben.

[Anm. d. Red.: Israel kann im Gegenzug die Drahtzieher von palästinensischen Gewalttätern nicht anklagen lassen, weil es das sog. „Rom-Statut“ nicht unterzeichnet hat.]

Der Chefankläger Ocampo erklärt im Film lakonisch, dass ihm da aus rechtlichen Gründen Grenzen gesetzt sind. Ocampo erscheint als lebenslustiger, extravertierter Herr und macht nicht den Eindruck, ein Revanchist mit Vollstreckermentalität zu sein. Aber er arbeitet engagiert an den Fällen, bei denen er etwas ausrichten kann.





Luis Moreno Ocampo lässt sich die Härte des Jobs nicht anmerken © Bukera Pictures



Der erste Prozess fand erst im Jahr 2012 seinen Abschluss: Thomas Lubanga Dyilo wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Ankläger waren trotzdem zufrieden. Sie haben ein Zeichen gesetzt und prominente Unterstützung erhalten. Die Schauspielerin Angelina Jolie zeigte Flagge, und auch der über 90jährige Chefankläger der Nürnberger Prozesse, Benjamin Ferencz, der nach dem Zweiten Weltkrieg für die Verurteilung deutscher Kriegsverbrecher gesorgt hat, war zugegen. Nach dem Vorbild dieser historischen Prozesse wurde der ICC gebildet.




Benjamin Ferencz und Angelina Jolie unterstützen den ICC © Bukera Pictures



Die Filmemacher hatten die Erlaubnis, Unmengen von Filmmaterial zu sichten, darunter auch solches, das dem Gericht als Beweismaterial zur Verfügung gestellt wurde. Das ist nichts für schwache Nerven, denn es ist natürlich klar, dass es sich um reale Aufnahmen handelt, die Kapitalverbrechen an Kindern zeigen und beweisen.

Ocampo hatte sich an Marcus Vetter gewandt und die Dokumentation über den ICC selbst vorgeschlagen, nachdem er Vetters Film Das Herz Jenin (2006) gesehen hatte. Darin geht es um einen palästinensischen Vater, dessen Sohn bei einem israelischen Angriff getötet wurde. Als Zeichen des Friedens spendete der Vater die Organe seines Sohnes an israelische Kinder. Vetter führte ein weiteres Filmprojekt im palästinensischen Autonomiegebiet durch. Er dokumentierte den von ihm initiierten Wiederaufbau eines Kinos in Jenin, Cinema Jenin (2011). Dabei lernte er den Tübinger Michele Gentile kennen, der sich dort als freiwilliger Helfer einsetzte. Daraus entstand die Gründung der Tübinger Filmfirma Bukera Pictures, die den Film über den ICC produzierte.

The International Criminal Court begleitet Ocampo bei seinen letzten Aktivitäten für den ICC, bevor er 2012 von der gambischen Juristin Fatou Bom Bensouda als zweite Chefanklägerin abgelöst wurde.




Abschied: Luis Moreno Ocampo mit seiner Nachfolgerin Fatou Bom Bensouda © Bukera Pictures


Helga Fitzner - 4. Mai 2013
ID 6735


Post an Helga Fitzner



 

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