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Rezension

Filmstart: 26. September 2013

Prince Avalanche (USA 2013)

von David Gordon Green




Nach einem verheerenden Waldbrand Ende der 1980er Jahre irgendwo fern ab in der texanischen Wildnis sind Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) unterwegs, um zerstörte Fahrbahnmarkierungen wieder zu erneuern. Die beiden Strange Guys bewegen sich dabei, obschon auf gerader gelber Linie unterwegs, irgendwie doch unablässig wie im Kreis. Ihre alkoholgeschwängerte und befreiende Selbsterkenntnis lautet dann schließlich auch irgendwann: Bad connection.




Emile Hirsch in Prince Avalanche - Foto © Kool

Paul Rudd in Prince Avalanche - Foto © Kool



Schlecht angeschlossen oder sogar komplett falsch verbunden scheinen die intellektuell völlig gegensätzlich gestrickten Männer zunächst auch in ihrer Konversation, wenn man das anfänglich überhaupt so nennen kann. Ihre über Wochen mehr oder weniger notgedrungen enge Beziehung verlangt den beiden bezüglich ihrer gegenseitigen Fremd- bzw. eigenen Selbstwahrnehmung so einiges ab. Was wiederum das Vergnügen des Zuschauers vor allem beim Zuhören dieser leicht verhinderten Lebensphilosophien erhöht.

An Alvin ist sogar ein regelrechter Naturphilosoph verloren gegangen. Er fühlt sich beim Zelten im Wald wie daheim, entspannt beim Fischen oder in der Hängematte, lernt Deutsch und schreibt poetische Briefe an seine Freundin. Ansonsten genießt er mit Freuden die Vorzüge der Einsamkeit und kann sogar den Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein erklären. Ganz im Gegensatz zum jüngeren eher oberflächlichen Lance, der es ohne die Aussicht auf den nächsten Fick kaum eine paar Tage aushält, und seine Chancen auf Erfolg genauestens vorher abschätzt.

Für Alvin ist Lance nur ein verantwortungsloser, willensschwacher Looser, der es im Leben zu nichts bringen wird. Was er ihn auch deutlich spüren lässt. Alvin hängt den Boss raus und wirft dem Jungen ständig dessen Schwächen vor. Selbst als Lance sich wegen eines versauten Wochenendes, das bezüglich des erhofften Aufrisses nicht so wie erhofft verlaufen ist, beim Älteren ausheulen will, hat dieser nur Sarkasmus für ihn übrig.

Das Eis zwischen beiden beginnt erst zu brechen, als auch Alvin plötzlich wieder auf den Boden der Realitäten zurückgeholt wird. Seine Freundin, die dazu auch noch Lance’ Schwester ist, hat ihn wegen eines anderen verlassen. Wofür er sofort Lance und dessen gesamter missratener Sippe die Schuld gibt. Nach einem ordentlichen Zoff, bei dem Alvin nicht nur emotional ziemlich abstürzt, fangen beide endlich an, wirklich miteinander zu reden und sich zuzuhören. Dazu bedarf es allerdings noch eines extrastarken Katalysators in Form von Selbstgebranntem, den ihnen unverhofft ein skurriler alter LKW-Fahrer nebst ein paar echten Männerweisheiten überlässt.

Das Remake des 2011 von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson gedrehten isländischen Films Á annan veg, was sinngemäß übersetzt "auf andere Weise" oder auch so oder so heißen kann, zieht seinen Wortwitz aus kurzen, schlagfertigen Dialogen und einem guten Händchen für Situationskomik. Der rauen Naturgewalt des eher wortkargeren Originals versucht Regisseur David Gordon Green längere mit Musik unterlegte Naturaufnahmen der texanischen Flora und Fauna entgegenzusetzen. Fast mystisch wirkt das Auftreten einer alten Frau, die in der Asche ihres Hauses nach ihrem Pilotenschein und so manch anderer verschütteter Erinnerung sucht.

Auf eben diese oder eine andere Weise tragen auch jene Ereignisse zur Wandlung der Protagonisten bei. Alvin beginnt langsam über sich und seine Bindungsängste zu reflektieren. Und auch Lance ist aus Angst vor einer Entscheidung davongelaufen. Step by step, in the middle of the road nähern sich beider Linien irgendwo in einem Punkte an. Für seine lakonische Tragikomödie erhielt David Gordon Green den Silbernen Regie-Bären auf der diesjährigen BERLINALE. Ein kleiner, schöner Überraschungserfolg für das amerikanische Independent Kino.




Emile Hirsch und Paul Rudd in Prince Avalanche - Foto © Kool



Bewertung:    



Stefan Bock - 24. September 2013
ID 7182

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