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Hollywood

Der stille

Ozean



Bewertung:    



Einen Film zu inszenieren, in dem eine der besten Schauspielerinnen der Welt, Cate Blanchett, fade und uninteressant wirkt, muss man auch erst einmal schaffen. Regisseur Gary Ross (Pleasantville, The Hunger Games) ist es mit Ocean’s 8 gelungen, und damit hat er sich für mich so sehr disqualifiziert, dass er sich anstrengen muss, um mich in einen seiner nächsten Filme zu locken.

Die bisher männlich dominierte Ocean’s-Reihe um eine Bande von Gentlemen-Gangstern, die mit viel Raffinesse und Unverfrorenheit einen großen Coups nach dem anderen durchführten, wurde trotz gewisser Verschleißerscheinungen halbwegs ansehnlich über die Runden gebracht. Und ganz ohne Weiber (wie z.B. Julia Roberts) ging die Chose sowieso nicht. Nun aber, wo die Quote unüberbietbar überfüllt ist und die Damen zeigen könnten, dass ohne sie nichts mehr geht, geht der Reihe beinahe die Luft aus. Denn nicht nur die großartige Blanchett, auch der Rest der Rasselbande (u.a. Sandra Bullock, Rhianna, Helena Bonham Carter und Mindy Kaling) kommt in diesem Film so prickelnd und belebend rüber wie ein offener Sekt, der seit Weihnachten auf der Anrichte vergessen wurde. Und wenn einer der ganz wenigen männlichen Akteure, der Versicherungsdetektiv (Talkshow-Komödiant James Corden), im letzten Drittel des Films für so viel Schwung sorgt, dass (mit Ausnahme von Anne Hathaway) die teuren, begabten, teils weltberühmten weiblichen Superstars endgültig verblassen, dann ist mächtig was schiefgegangen!

Was? Vor allem Drehbuch und Regie – die Mädels sind teilweise entschuldigt. Schon Regisseur Steven Soderberg (der Ocean’s 8 koproduziert hat) verließ sich in erster Linie auf Schauwerte wie Clooney-George, Damon-Matt und Pitt-Brad, die Glitzerwelt von Las Vegas und den einen oder anderen Twist. Mit welchen Tricks Blender und intelligente Ganoven reiche Leute oder Konzerne abzocken, war schon immer ein probates Rezept für amüsante, kurzweilige Krimis. Aber auch in diesem Genre gibt es Durchschnittliches – zu denen ich alle Ocean’s-Filme zählen würde – und Perlen wie z.B. die Klassiker Asphalt-Dschungel (1950), Rififi (1955), Topkapi (1964) oder zuletzt Heist - der große Coup (2001), den US-Starautor David Mamet schrieb und inszenierte.

Für Ocean’s 8 wäre ein (weiblicher?) David Mamet nötig gewesen, um eine kräftige Wiederbelebung der Reihe zu initiieren. Aber Regisseur Gary Ross und Koautorin Olivia Milch senken das Niveau an Originalität stattdessen noch etwas stärker als Soderberg & Co. Die Witze und Dialog-Wortspiele wie auch die Wendepunkte in der Story sind zu mau. Und vor allem sind ausgerechnet die Frauenfiguren psychologisch so flach und klischeebeladen, als wolle man es damit ins Guiness-Buch der Rekorde schaffen. Einzig das von Anne Hathaway gespielte Opfer, das es zu überrumpeln und zu bestehlen gilt, ist übertrieben, aber auf sympathisch-unterhaltsame Weise zickig und naiv.

Die Story ist aus den anderen Filmen der Reihe recycelt, wobei der Umstand, dass nun Frauen die Langfinger sind, nur wenig genutzt wurde, um Klischees oder Vorurteile aufs Korn zu nehmen: Zwei mit kriminellen Begabungen gesegnete, arbeitsscheue Frauen, die eher scharf auf Klunker als Männer sind, planen, den wertvollsten Schmuck des teuersten Juweliers auf dem exklusivsten und mit dem denkbar größten Sicherheitsaufwand ausgestatteten Event New Yorks zu stehlen. Warum einfach, wenn’s auch…? Da braucht man natürlich Frauenpower, und so werden weitere Vorzeige-Ladys, aber auch einige Working-Class-Migration-Girls angeheuert, die mit Männern, Magneten oder Schmuck gut umgehen können. Sandra Bullock spielt auf merkwürdig steife Art, die nicht allein mit dem offenkundig intensiv verwendeten Botox erklärt werden kann, die Anführerin der quoten-übererfüllten Gang, Debbie Ocean. Sie ist nämlich die Schwester des verstorbenen Einbrecherkönigs Danny Ocean (Clooney wollte definitiv nicht mehr mitmachen) und will ihren Bruder noch posthum Revanche verschaffen. Aber dieser Twist gehört zu den uninspiriertesten des gesamten Films.

Wie die Siebener-Bande ihren Coup plant, geht viel zu mühelos und zackig, also dramaturgisch ebenmäßig, vonstatten. Es plätschert schon bedenklich vor sich hin, bis der Plan zu allgemeinen Erleichterung endlich umgesetzt wird. Zugegeben: Einige der Tricks machen Spaß. Aber einige sind denn auch so ähnlich leider schon in anderen Krimis zu sehen gewesen (z.B. die vorübergehende Ausschaltung eines Opfers durch Übelkeits-Tropfen in Mission Impossible). Auch die Umsetzung des um viele Ecken gedachten und ausgeführten Plans verläuft etwas zu glatt, selbst wenn man Frauen positive Diskriminierung wie Multitasking anheimstellt, sodass auch der zweite Teil des Films relativ undramatisch weiterfließt. Auftritt Versicherungsdetektiv. Dann wird es doch noch einmal spannend und es fragt sich, wie die Damen sich aus der Bredouille retten.

Aber wer Erfahrungen mit Filmen (nicht Frauen!) wie diesen hat, weiß: Geht alles gut aus! Es wurde halt eher in Gagen als in Inspiration investiert und so finden sich locker entsprechende Lösungen, die den Heldinnen die nötigen Mittel zum Shoppen oder Reisen nicht wieder nimmt. Wer nichts gegen oberflächliches, nur halbwegs amüsantes, leicht verdauliches Sommerkino hat, in denen jede Menge weibliches Talent verschwendet wird, kann Gary Ross nicht böse sein.



Ocean´s 8 | (C) Warner Germany

Max-Peter Heyne - 21. Juni 2018
ID 10768
Weitere Infos siehe auch: http://www.oceans8movie.com


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