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Hollywood

Packende Kriegspropaganda zum Mitfiebern



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Überall auf der Welt lehnen sich Menschen gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Fremdbestimmung auf. Diese Rebellionen haben meist einen hohen Preis, wie man an der langjährigen Katastrophe in Syrien sehen kann. Selbst wenn eine Revolution zunächst gelungen scheint, wie anfangs in der Ukraine, kann sich das Blatt auch wieder wenden. Die Medien spielen dabei eine große Rolle, allerdings weiß man bald nicht mehr, wem man überhaupt noch trauen kann. Trotzdem gelingt es den Medien immer wieder, als „Waffe“ zu dienen, mit denen Menschen in Angst und Schrecken versetzt und dann in einen Krieg getrieben werden. Natürlich in einen gerechten Krieg?! So behaupten beide Seiten platt.

*

So steht auch im fiktiven Panem der Jugendfantasyreihe Die Tribute von Panem ein Krieg an, der sich gerade in der Vorbereitungsphase befindet. Das Kapitol wird mit eiserner Hand von Präsident Snow (Donald Sutherland) regiert. Im Kapitol lebt eine Elitegesellschaft, für die sich die große Mehrheit der Menschen in zwölf Distrikten abrackern muss. Zur Machtdemonstration finden alljährlich die Hungerspiele statt, bei denen jeweils zwei Menschen aus jedem Distrikt so lange auf Leben und Tod kämpfen müssen, bis nur einer übrig bleibt. Es ist eine große Volksbelustigung für das Kapitol, die medial professionell inszeniert und überwacht wird. Wer die Spiele gewinnt, hat für immer ausgesorgt, so der Deal. Das glaubte auch die sechzehnjährige Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), nachdem sie die Hungerspiele „gewonnen“ hatte. Sie versuchte danach, mit ihren seelischen Schäden zurecht zu kommen, die sie wegen der Grausamkeit der Spiele erlitten hatte, die alles andere als Spiele, sondern blutiger Ernst waren. Katniss war es sogar gelungen, niemanden ihrer Gegner direkt zu töten und das Kapitol dazu zu bewegen, ihren Freund aus Kindertagen, Peeta (Josh Hutcherson), nicht umbringen zu müssen. Obwohl die Medien des Kapitols das als Lovestory verkauften, wurde Katniss trotzdem für die Machthaber gefährlich, denn sie entwickelte sich für die unterdrückten Menschen in den Distrikten zum Hoffnungsschimmer, weil sie für Anstand und Mitmenschlichkeit stand. Im zweiten Teil der Trilogie mussten alle ehemaligen Gewinner noch einmal antreten, ein perfider Einfall von Präsident Snow und seinen Unterstützern, damit eben das zarte Pflänzchen der Hoffnung zertreten würde, indem Katniss schlussendlich doch zum Töten gezwungen sein würde. Doch Katniss machte Snow einen Strich durch die Rechnung, indem sie das Kraftfeld über der Arena und damit die gesamte Technik außer Kraft setzte.



Psychisch angeschlagen: Katniss (Jennifer Lawrence) verkraftet die Geschehnisse nicht | © Studiocanal


In Mockingjay Teil 1 erlangt Katniss nach diesem Ereignis in einem Krankentrakt wieder das Bewusstsein und versucht sich zu orientieren. Zu ihrer Überraschung befindet sie sich in Distrikt 13, von dem das Kapitol immer behauptet hatte, er sei zerstört. Die Überlebenden dort haben aber eine unterirdische, befestigte Stadt gegründet, die von Präsidentin Alma Coin (Julianne Moore) streng geführt wird. Aufgrund der knappen Ressourcen und der ständigen Gefahr durch das Kapitol ist das Leben dort sehr stark reglementiert. Katniss kann sich nur schwer unterordnen, obwohl sie letztendlich von Distrikt 13 vor Snows Rache gerettet wurde. Interessanterweise ist der charismatische Zeremonienmeister der Hungerspiele Plutarch Heavensbee (Philipp Seymour Hoffman) auch in Distrikt 13 gelandet. Er hat die Seite gewechselt und bereitet auf einmal mit Präsidentin Coin den Aufstand gegen das Kapitol vor. - Dazu brauchen sie eine Integrationsfigur: Katniss. Sie lassen ihr kaum Zeit, sich zu erholen und wollen sie gleich in die Propagandamaschinerie einbinden. Sie soll bei kleinen Spots mit Kampfansagen an Präsident Snow auftreten, um den Widerstand in den Distrikten zu schüren, vermasselt die Aufnahmen aber ständig. Plutarch kennt sie ganz gut und meint, dass sie bessere Wirkung erziele, wenn man sie ohne Vorgaben filme. Das muss an einem authentischen Ort sein und so wählt man für den Filmdreh einen der elendsten Distrikte aus, Distrikt 12, wo Katniss früher gelebt hat. Den hat Präsident Snow zerstören lassen und über 9000 Menschen fielen den Angriffen zum Opfer, deren Leichen sich staubbedeckt noch in den Straßen befinden. In einem Lazarett findet Katniss eine Handvoll Überlebende, die sich durch ihre Anwesenheit inspiriert fühlen. Sie machen das verbotene Handzeichen der Revolution. Der währenddessen gedrehte Propagandafilm zeigt eine aufgebrachte und kämpferische Katniss.



Sympathiekundgebungen im Lazarett: Katniss (Jennifer Lawrence) inspiriert die Menschen zur Rebellion | © Studiocanal


Als Präsident Snow die Aufnahmen sieht, reagiert er prompt und lässt das Lazarett zerstören. Katniss ist von dieser Grausamkeit so entsetzt, dass sie sich nun aus Überzeugung dazu entschließt, als Mockingjay, als Spottvogel, der Revolution zu dienen und macht eine weitere leidenschaftliche Kampfansage. Die Kriegspropaganda auf beiden Seiten läuft auf Hochtouren, der Krieg findet in Teil 1 noch überwiegend in den Medien statt. Die Rebellen haben mit Katniss eine Symbolfigur in einem heldenhaften Outfit, sie haben ein Handzeichen und neu kommt auch noch ein Revolutionslied dazu, zu dem man gut marschieren kann. Die Rebellen aus den Distrikten begehen Sabotageakte, die sehr viele eigene, aber auch gegnerische Opfer fordern. Wenn eine Propagandastrategie vom Gegner durchschaut wird, ist der Ärger auf beiden Seiten groß. Es erweist sich als Vorteil, dass Plutarch vorher Berater von Präsident Snow war, denn als Gegner sind sich das Kapitol und die Rebellen mittlerweile ebenbürtig.



Die Architekten der Rebellion Plutarch (Philipp Seymour Hoffman) und Präsidentin Coin (Julianne Moore) | © Studiocanal


Obwohl Katniss von Albträumen heimgesucht wird und vergebens um ihr seelisches Gleichgewicht ringt, bekommt sie mit, dass sie nicht nur der Spielball von Präsidentin Coin und Plutarch ist, sondern auch von Präsident Snow, der ihren Freund aus Kindertagen Peeta gefangen hält und als Medienwaffe gegen sie benutzt. Peeta will in Fernsehspots die Rebellen und insbesondere Katniss zur Aufgabe bewegen. Es wird klar, dass Peeta irgendwie dazu gezwungen wird und befreit werden muss, wenn die Revolution gelingen soll. Ohne Katniss darüber zu informieren, begeben sich Freiwillige auf das Himmelfahrtskommando ins Kapitol, um Peeta und noch ein paar weitere Geiseln dort herauszuholen. Unter den Freiwilligen ist Gale Hawthorne (Liam Hemsworth), ein weiterer Jugendfreund von Katniss, die nun Gefahr läuft, alle beide zu verlieren.

Die Romanvorlage der Jugendfantasy-Trilogie von Suzanne Collins, die auch am Drehbuch mitschrieb, zeichnet sich schon allein dadurch aus, dass in ihr keine Vampire oder Werwölfe vorkommen. Es kommt in dieser Art Literatur auch seltener vor, dass die Helden von den Erlebnissen so traumatisiert sind, dass sie nicht wieder geheilt werden können. Was aber wirklich besticht, ist die Darstellung der Medien im Rahmen der Kriegsführung, bei der sich beide Seiten in ihren Methoden doch sehr gleichen. Ob das reicht, bei der jugendlichen Zielgruppe ein kritisches Bewusstsein für diese Kriegspropaganda zu wecken oder ob diese durch die permanente Medienbeschallung so und so schon immun dagegen sind, sei dahin gestellt. Wichtig ist, dass bei allem Mitfiebern mit den Rebellen, ein bitterer Beigeschmack bleibt und es klar ist, dass es zu keinem rosarot-kitschigen Happy-End kommen kann, weil es bei Krieg keine wirklichen Gewinner geben kann.

Der dritte Teil der Trilogie wird in zwei Filme aufgeteilt, wobei die jetzige erste Hälfte verhältnismäßig arm an Action ist. Regisseur Francis Lawrence tat gut daran, darin der Romanvorlage zu folgen und den Film nicht mit zusätzlichen Actionelementen zu bestücken, denn Jennifer Lawrence, die in fast jeder Einstellung zu sehen ist, trägt den Film mit Bravour, der bis in kleine Nebenrollen gut besetzt ist. Besonders der kürzlich verstorbene Philipp Seymour Hoffman brilliert in der komplexen Rolle des genialen und undurchsichtigen Spielemachers Plutarch. Auch wenn Mockingjay Teil 1 von den beiden ersten Teilen abweicht, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Zielgruppe erreichen, denn es ist die verhältnismäßige Ruhe vor dem spektakulären Finale in Teil 2, der im November 2015 herauskommen soll.


Helga Fitzner - 20. November 2014
ID 8261
Weitere Infos siehe auch: http://www.dietributevonpanem.de/film/mockingjay/


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