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Rezension


Filmstart: 15. März 2012

„Best Exotic Marigold Hotel“ (Großbritannien 2011)

Regie: John Madden



Outsourcing von Ruheständlern

Das hatten sich die sieben britischen Rentner aber anders vorgestellt. Als sie im „besten exotischen“ Marigold Hotel in der indischen Metropole Jaipur eintreffen, finden sie das einstmals prachtvolle Gebäude heruntergewirtschaftet und verfallen vor. Eine schmerzliche Parabel auf das Leben der Gestrandeten, die aus verschiedenen Gründen ihren Lebensabend in der einstigen britischen Kronkolonie verbringen möchten. Da ist Evelyn (Judi Dench), die nach langjähriger Ehe kürzlich ihren Mann verlor. Völlig unvorbereitet trifft sie die Nachricht, dass ihr Mann hochverschuldet war. Sie muss das Haus verkaufen, in dem sie die meiste Zeit ihres Lebens gelebt hat, und soll aus Kostengründen zu ihrem Sohn ziehen. Evelyn ist aber so erschüttert, ihr Leben mit einem Menschen verbracht zu haben, den sie letztendlich gar nicht gekannt hat, dass sie sich Computerkenntnisse beibringt, um ihr Leben fortan selbst zu gestalten. In der großartig aufgemachten Internetanzeige des Best Exotic Marigold Hotel findet sie eine kostengünstige Alternative, ihren Lebensabend in dem lichtdurchflutenden Palast in Jaipur zu verbringen.

Bei Douglas (Bill Nighy) und Jean (Penelope Wilton) waren es die erwachsenen Kinder, die die Lebensersparnisse der Eltern geliehen und verloren haben. Nun sollen die Eltern in ein tristes, einheitsfarbenes Altersdomizil umziehen. Auch sie ziehen den Glanz Indiens dem verregneten England vor.

Madge (Celia Imrie) und Norman (Ronald Pickup) haben ihr Single-Dasein satt. Nach gescheiterter Partnersuche in England, gehen sie in Indien auf die Pirsch. Graham (Tom Wilkinson) dagegen ist bekennender Single. Er ist der einzige der Sieben, der schon mal in Indien war. Er hat als junger Mann in Jaipur gelebt und dort die Liebe seines Lebens zurücklassen müssen. In England arbeitete er als Richter am Obersten Gerichtshof und musste seine wahre Natur geheim halten. Zurück in Indien sucht er offen nach dem indischen Mann, mit dem er vor vierzig Jahren eine Beziehung hatte, um ihn wissen zu lassen, dass er ihn nie vergessen hat.

Einzig Muriel (Maggie Smith) will so schnell es geht, wieder aus Indien heraus. Sie hat ein Leben lang als Haushälterin gearbeitet und ist nun zu alt und gebrechlich dafür geworden. Da sie eine neue Hüfte braucht, die OP aber nicht bezahlen kann, hat der englische Arzt sie zu dem Zweck nach Indien geschickt, wo die Operation nur einen Bruchteil kostet.



Verloren in traumhafter Kulisse Douglas und Jean (Bill Nighy, Penelope Wilton), Evelyn (Judi Dench), Madge (Celia Imrie) und Norman (Ronald Pickup) © Fox Deutschland



Für ein bisschen Bollywood sorgt der junge, unbegründet optimistische Hotelbesitzer Sonny (Dev Patel, „Slumdog Millionär“), der keinerlei Mittel hat, aber die Vision von dem Hotel als Altersresidenz für „reiche“ Briten. Er hat sich in eine moderne junge Inderin verliebt, eine Beziehung, die seine traditionell lebende Mutter strikt ablehnt. Während Sonny Tradition und Moderne in Indien unter einen Hut bekommen muss, gewöhnen sich die Ruheständler allmählich ein. Evelyn hat sogar einen Beraterjob gefunden, da sie wegen der hohen Schulden ihres verstorbenen Mannes, für ihren Lebensunterhalt arbeiten muss. Douglas schaut sich regelmäßig die Sehenswürdigkeiten Jaipurs an und ist begeistert. Madge und Norman unterstützen sich gegenseitig bei der Partnersuche. Und der schwer herzkranke Graham geht an jedem Wochentag zum Amt, um den Aufenthaltsort seines einstigen Geliebten zu ermitteln. Nur die missmutige Madge bleibt im Hotel und „gibt den Kakerlaken Namen“, wie sie behauptet.





Nehmen ihr Leben aktiv in die Hand: Evelyn (Judi Dench), Graham (Tom Wilkinson) und Douglas (Bill Nighy) © Fox Deutschland



Man fühlt sich schon an den Spruch aus dem Märchen Die Bremer Stadtmusikanten erinnert, in dem es heißt: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, wenn man die sieben Betagten bei ihrem Aufbruch nach Indien beobachtet. Sie tauschen ihre zerbrochenen Lebensträume gegen neue ein und glauben, dass die Magie Indiens das schon richten wird. Das dysfunktionale Hotel, ohne Wasser, Telefon und andere Selbstverständlichkeiten ist ein ähnlicher Scherbenhaufen wie ihre Existenzen. Doch gerade das mobilisiert die meisten von ihnen. Dame Judi Dench glänzt in der Hauptrolle der Evelyn, mit der sie eine Gemeinsamkeit hat. Judi Denchs Eheman, der Schauspieler Michael Williams, ist 2001 verstorben. Im Februar 2012 ließ Judi Dench verlauten, dass sie an einer Makula-Degeneration leidet und ihr Augenlicht verlieren wird. Die Tiefe und Intensität, die sie in ihrer Rolle ausstrahlt, ist bewundernswert und geht nahe. Sie hat ihre große Kollegin, Dame Maggie Smith, an ihrer Seite, mit der sie schon öfters, vor allem auf der Bühne, gespielt hat sowie den Regisseur John Madden, für den sie bei Shakespeare in Love schon Königin Elisabeth I. verkörperte. Und so wie Maggie Smith als Muriel mit neuer Hüfte wieder laufen lernen muss, lernen die Ruheständler im übertragenen Sinne das Laufen. Sie sind um den halben Globus gereist und nun auf den Weg zu sich selbst geraten.


Helga Fitzner - 21. März 2012
ID 5815

Weitere Infos siehe auch: http://www.best-exotic-marigold-hotel.de


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