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Französisches Kino

Viel Potenzial verschenkt



Bewertung:    



Der neue Film von Regisseur Luc Besson (Leon - Der Profi, Das fünfte Element) erinnert von seiner Geschichte her an Ohne Limit von 2011. Es geht darum, dass die Menschen ihre Gehirnkapazität nur in einem sehr begrenzten Maße nutzen können, aber bei Gebrauch von Drogen oder technologischen Erweiterungen über sich hinauswachsen und zu einer Art Supermensch werden. Allerdings wird einmal mehr deutlich, dass der einstige Bilderzauberer Luc Besson nicht mehr der alte ist. Seine letzten beiden Filme als Regisseur konnten nicht überzeugen (The Lady, Malavita - The Family) und das gilt leider auch für sein neustes Werk. Zwar kann Lucy als Thriller fesseln und ist durchweg spannend. Aber die Logiklöcher sind geradezu klaffend groß.



Lucy (Scarlett Johansson) mit Professor Norman (Morgan Freeman) und Polizist Pierre Del Rio (Amr Waked). | © Universal Pictures Germany


Lucy (ein Hinweis auf den ersten Menschen) wird von Scarlett Johansson gespielt, die nach ihrer Rolle als „Black Widow“ in den Marvel-Avengers-Filmen erneut als Actionheldin überzeugt. Allerdings kann die mittlerweile 29jährige Schwangere aufgrund der Drehbuchschwächen ihren Charakter nur unzureichend in Szene setzen und nicht wirklich entwickeln.

Lucy wird in China, wo sie studiert, von einem Mann aufgerissen, der sie nach einer Diskussion unvermittelt an einen Koffer kettet und zu einem Mafiaboss, Mr. Jang (Choi Min-sik) schickt. Dieser ist ein brutaler, skrupelloser Mensch und lässt Lucy und einigen anderen Unglücksseligen eine neuartige Droge in den Bauch hineinoperieren, damit sie diese über die Grenzen nach Europa schmuggeln. Allerdings gelangen die Drogen in Lucys Blutkreislauf, als einer der Mafiosi sie in den Bauch tritt, nachdem sie sich gegen seinen sexuellen Übergriff wehrte. Lucy ist nun kein normaler Mensch mehr. Sie sieht und hört alles, entwickelt enorme Kräfte und eine ungeheure Willensstärke. Ihre Gehirnleistung steigt immer weiter an. Was passiert, wenn sie 100 Prozent erreicht?



Mafiaboss Mr. Jang (Choi Min-sik) und seine Mannen bedrohen Lucy.© Universal Pictures Germany


Richtig überzeugen kann die im Ansatz hochinteressante Geschichte aber nicht. Denn Lucy ändert ihren Charakter nach der ersten Drogenwirkung abrupt, nicht nach und nach, wie es sinnvoll und logisch gewesen wäre. Stattdessen verändert sie sich mit einem Mal von einer ängstlichen, verschreckten jungen Frau in eine kaltblütige Killerin. Schon bei einer Hirnleistung von 20 Prozent ist sie all ihren Gegnern haushoch überlegen. Sie ist an dieser frühen Stelle des Films bereits viel zu mächtig und hat keinen wirklichen Gegner mehr. Wie diese Macht zustande kommt, und warum sie auf einmal alles sehen kann, wird nicht erklärt. Auch deshalb wirkt der Film in die Länge gezogen. Anstatt sich einen interessanten Showdown zu überlegen, bei dem übersinnliche Leistungen eine Rolle spielen, ist dieser von Besson als konventionelle Schießerei angelegt und lange Zeit vorhersehbar. Die Action selbst ziemlich brutal geraten, was auch nicht wirklich zum Film passt. Zusätzlich werden viele angerissene Aspekte und Nebenfiguren einfach wieder fallen gelassen.



Lucy (Scarlett Johansson) sieht und fühlt alles! © Universal Pictures Germany


Dass Lucy dennoch kein Flop ist, liegt an den starken Parallelen, bei denen immer wieder auf die Geschichte der Menschheit eingegangen wird. Ein Beispiel vom Beginn des Filmes: Lucy wird von den Mafiosi eingekesselt. Schnitt. Eine Antilope wird von einem Gepard verfolgt. Beide Sequenzen laufen nebenher ab und werden entsprechend aufgelöst. Auch der Wechsel von einem wissenschaftlichen Vortrag eines Gehirnforschers (mit seriöser Gelassenheit von Morgen Freeman gespielt) zum Schicksal der gepeinigten Lucy ist eine kluge Verquickung. Solche Storyteile, die die wenig originelle Verfolgungsjagd etwas erträglicher machen, gibt es noch einige weitere. Auch die visuelle Darstellung kann mit überzeugenden Effekten punkten, ebenso ist die Inszenierung gelungen, die allerdings die offensichtlichen dramaturgischen Schwächen nicht neutralisieren kann.

Die dynamische Kameraführung und die stimmige Musik sorgen für einen atmosphärisch dichten Film, der allerdings selten wirklich hohes innovatives Niveau erreicht. Das ist schade, denn das Potenzial, dass der Film bei einem guten Drehbuch gehabt hätte, ist jederzeit erkennbar.


Stefan Bröhl - 12. August 2014
ID 8014
Weitere Infos siehe auch: http://www.lucy-film.de


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