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Deutsches Kino

Berührender Berlin-Liebesfilm



Bewertung:    



Die Liebe als stärkste zwischenmenschliche Emotion steht ganz im Zentrum des nach Papa Gold zweiten Spielfilms Kaptn Oskar von Regisseur, Schauspieler und Produzent Tom Lass. Ein vollkommen unabhängig produziertes Filmprojekt mit improvisierten Dialogen, das bereits 2013 auf dem achtung berlin Filmfestival Berlin-Premiere hatte und nun endlich in die Kinos kommt. Den Film zeichnet eine große Liebe zu seinen nicht ganz einfachen Protagonisten aus und zur Stadt Berlin als spannungsgeladenem Filmset.

Die sehr nahe und direkte Kamera von Jonas Schmager beobachtet die junge, ziellose Masha (Amelie Kiefer) und Oskar, einen der typischen Berliner Lebenskünstler (der Regisseur selbst) auf ihren Wegen durch Friedrichshain-Kreuzberg und kurzen Ausflügen ins brandenburgische Umland. Es ist der Versuch einer ungewöhnlichen Beziehung rein auf Kuschel-Basis ganz ohne Sex und dem daraus resultierenden Beziehungsstress, der sich bei solch selbstlos, -genügsamen Anwandlungen zwangsläufig einstellen muss. Und da muss Mann dann auch schon mal selbst Hand anlegen.

Oskar versucht schon länger von seiner dominanten Exfreundin Alex (Martina Schöne-Radunski) loszukommen, die sich beider Verhältnis wie das von Courtney Love zu Kurt Cobain vorstellt und Oskar kurzer Hand aus Eifersucht die Wohnung abfackelt. Auf seiner Flucht vor einem fremdgesteuerten Leben trifft er auf Masha, die, selbst problembeladen, wie auf der Suche nach einer Art Vaterfigur ständig mit viel älteren Männern (in Nebenrollen die Bühnenschauspieler Christian Kuchenbuch und Gunnar Teuber) schläft. Weswegen Oskar dann nach einem exzessiven Alkoholabsturz zunächst auch wieder in Alex' Bett strandet. Hier hat der titelgebende Kaptn zeitweise die Brücke nicht mehr ganz unter Kontrolle.

Was Masha und Oskar immer wieder zueinander treibt, ist eine ungestillte Sehnsucht nach Liebe und körperlicher Nähe. Allein diese Sehnsucht scheint letztendlich nicht auszureichen, eine neue Art von Beziehung aufzubauen. Zwischen zärtlichen Annäherungsversuchen und fast autistischer Abstoßung bewegen sich die beiden verletzten Beziehungsverstörten durch ein regelrechtes Gefühlschaos, dem sie doch eigentlich zu entkommen suchen. „Du tust mir nicht gut“, ist Oskars Reaktion auf Mashas Klammerversuche. Beide vermögen einfach nicht aus ihren eingeübten Verhaltensmustern auszubrechen. Trotz relativ offenem Ende ein wunderschöner und emotional berührender Film aus dem Hause Lass Bros, das uns bereits mit Love Steaks von Bruder Jakob Lass sehr viel Freude bereitet hat.



Kaptn Oskar - Foto © Lass Bros, Joroni Film
Stefan Bock - 12. Dezember 2014
ID 8316
Kaptn Oskar (D 2012)
Regie: Tom Lass
Drehbuch: Mechthild Barth und Tom Lass
Produktion: Jonas Knudsen, Roman Avianus und Tom Lass
Kamera: Jonas Schmager
Montage: Tom Lass
Musik: Justine Electra
Mit: Amelie Kiefer, Tom Lass, Martina Schöne-Radunski, Christian, Gunnar Teuber und Thomas Schmuckert
Kinostart: 11. Dezember 2014


Weitere Infos siehe auch: http://kaptn-oskar.de/


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de



 

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