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Rezension

Filmstart: 6. März 2014

Im August in Osage County (USA, 2013)

John Wells Theateradaptation wartet mit einem bis in die Nebenrollen prominent besetzten und gut aufgelegten Cast auf



Temporeiches, einfühlsames und

schwarzhumoriges Familiendrama

In seiner Kinoadaptation des pulitzerpreisgekrönten und mit dem Tony Award ausgezeichneten Theaterstücks August: Osage County (2007) von Tracy Letts zeigt John Wells das Zerbrechen einer dysfunktionalen Familie als ergreifendes Schauspielerkino.

Der in die Jahre gekommene, alkoholabhängige Schriftsteller Beverly Weston (Sam Shepard) engagiert resigniert und müde eine neue Haushälterin, Johnna (Misty Upham). Seine Frau Violet (Meryl Streep) nimmt derweil einen Dauer-Cocktail aus übermäßigen Psychopharmaka, weil sie an einem Mundhöhlenkarzinom erkrankt ist. Sie gebärdet sich mal wie ein bedröhnter Junkie und mal wie ein übellauniger Hausdrache. Als Beverly eines Tages spurlos verschwindet, versammeln sich einige Familienmitglieder im schwülheißen Osage County, um Violet zu unterstützen. Von den Töchtern reist neben Ivy (Julianne Nicholson), die immer in der Nähe der Eltern geblieben ist, auch Barbara (Julia Roberts) an, die lange Zeit nicht mehr hier war. Auch Violets rigorose Schwester Mattie Fae (Margo Martindale) kommt zusammen mit ihrem Mann (Chris Cooper). Die Besucher bringen eigene vertrackte Familiengeschichten mit. Mattie Fae und Charles streiten sich in einem fort meistens über ihren Sohn Little Charles (Benedict Cumberbatch), von dem Mattie Fae wenig hält, während Charles loyal zu ihm steht. Barbara hingegen leidet darunter, dass ihr Ehemann Bill (Ewan McGregor) ein Verhältnis mit einer seiner Studentinnen hat und zickt sich mit ihrer pubertierenden Tochter Jean (Abigail Breslin) andauernd an. Auch das Verhältnis von Barbara und Violet ist schon lange angespannt und schon bald liegen beide im Clinch. Wenige Tage nach Beverlys Verschwinden wird seine Leiche aus einem See gezogen – ein Suizid wird vermutet.




Benedict Cumberbatch und Chris Cooper in Im August in Osage County - Foto (C) Tobis Film



Ein Leichenschmaus eskaliert und endet im Fiasko


Zur Beisetzung reist auch die dritte Weston-Tochter an, die exzentrische Karen (Juliette Lewis) mit ihrem Verlobten Steve (Dermot Mulroney), einem zwielichtigen Geschäftsmann, der sogleich ein Auge auf die junge Jean wirft. Der etwas naive, aber gutherzige Little Charles kommt zu spät und ist betrübt, weil er die Beerdigung verpasst hat. Bissig und verbittert trauert Violet auf ihre eigene, unversöhnliche Weise. Sie schluckt mehr Schmerzmittel als ihr gut tun, flucht, raucht und lässt an nichts und niemanden ein gutes Haar. Weder die drei Töchter sind in ihrem Haus in Oklahoma vor ihren Beschimpfungen sicher, noch die angeheiratete Verwandtschaft. Mit ihren enthemmten Tiraden reizt Violet alle bis aufs Äußerste. Für die Töchter ist klar, dass etwas geschehen muss. Als erstes konfiszieren sie sämtliche Tabletten. Doch Violet ist längst nicht so hilflos, wie alle glauben. Besser als alle anderen erkennt sie, was sich hinter den Kulissen abspielt. Und sie weiß auch von den intimsten Familiengeheimnissen…




Julia Roberts und Meryl Streep in Im August in Osage County - Foto (C) Tobis Film



Offenbarungen und Enthüllungen - eine Familie zerbricht


Tracy Letts adaptierte selbst sein bis heute erfolgreiches Theaterstück für die Leinwand. Regisseur John Wells bewies bis in die Nebenrollen Gespür für einen gelungenen Cast. So repräsentiert etwa die Schwarzfußindianerin Misty Upham (auch bekannt aus Frozen River, 2008, Regie: Courtney Hunt) besonnen ein harmonisches Geborgensein in der ausgedehnten Landschaft von Osage County, das ursprünglich Indianerland war. Das dynamische Spiel des Ensembles entschädigt auch für allzu gewollt erscheinende, stets neue unbequeme Enthüllungen. Insbesondere Meryl Streep zeichnet ihre Figur gekonnt subtil - mal überraschend sanft und zart im Zwiegespräch mit einer ihrer Töchter, im nächsten Moment eine rücksichtslose Diva, die eine Tour de Force der Schlagabtäusche forciert. Es ist ein bewegender Kinomoment, wenn sie als schillernde, unberechenbare und garstige Matriarchin beim Traueressen jeden der Anwesenden der Reihe nach mit sarkastischem Biss attackiert, bis sich die düpierte Barbara schließlich energisch und hemmungslos fluchend auf sie stürzt. Die anderen müssen letztere bremsen, bevor Schlimmeres passiert.

Ebenso unbarmherzig wie unterhaltsam widmet sich Im August in Osage County einer harten Wirklichkeit verwandtschaftlicher Beziehungen mit manchmal tristen und verletzenden Wahrheiten familiärer Verstrickungen. Zu Recht wurden sowohl Meryl Streep als auch Julia Roberts für ihre Darstellungen für den Academy Award nominiert und gingen so in diesem Jahr erneut ins Oscar-Rennen. Die Verfilmung der universellen Geschichte, wie Familien miteinander umgehen, besticht auch durch stimmungsvolle Kamerabilder von der abgelegenen Umgebung Osage Countys, welche die schroffe Schönheit der Gegend und den Blick in die Ferne des weiten Horizonts stimmungsvoll einfangen.




Julianne Nicholson, Margo Martindale und Meryl Streep in Im August in Osage County - Foto (C) Tobis Film



Bewertung:    


Ansgar Skoda - 5. März 2014
ID 7646
Weitere Infos siehe auch: http://www.tobis.de/film/im-august-in-osage-county


Post an Ansgar Skoda

ansgarskoda.wordpress.com



 

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