Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Hollywood

Slashing

Pumpkin

...und frühere
HALLOWEEN-Filme


Bewertung:    



Filme, die von besonders sadistischen oder brachialen Todesarten leben und in denen z.B. Köpfe von Menschen zur Unterhaltung zertreten werden, sind nicht unbedingt meine Kragenweite. Das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen blut- und gewalthaltige Horrorfilme oder Ekel- und Schockeffekte hätte, vor allem, wenn sie der Story Raffinesse, Profil und Spannung verleihen. Der mittlerweile vierzig Jahre alte Horrorthriller Halloween ist aus eben diesem Grund ein moderner, wegweisender Klassiker des Genres geworden.

Die Kombination, mit minimalem finanziellen und dramaturgischen Aufwand maximalen Gruseleffekt zu erzeugen, gelang keinem der Fortsetzungen und Kopien so überzeugend und nachhaltig wie dem Ur-Halloween-Films bzw. deren Erfindern, Regisseur/Ko-Autor John Carpenter und Produzentin/Ko-Autorin Debra Hill. Meisterhaft gelang es beiden damals, die Handlung auf vielfältige Weise auf frühkindliche Traumata vom geisterhaften Schwarzen Mann, der hinter Türen und Betten hervorspringt, zu beziehen und in die ur-amerikanische Topografie des vermeintlich beschaulichen Kleinstadtvorortes zu verlegen.

Schon der zweite Teil, der drei Jahre nach dem Original erschien, aber dessen Handlung noch in derselben (Halloween-)Nacht spielt wie der 1978er Film, und an dem Carpenter und Hill immerhin noch maßgeblich beteiligt waren, konnte nicht annähernd die dramaturgische Geschlossenheit und mystische Dimension des Originals erreichen. Dass der irre Killer irre Kräfte entwickelt – okay. Aber dass der maskierte Michael Myers trotz ausgeprägter katatoner Schizophrenie und totalem Mutismus (Stummheit) eine sehr vorausschauende Variante von Verstecken spielen und mit unterschiedlichen Werkzeugen mordsmäßig geschickt umgehen kann und trotz mehreren Pistolenkugeln im Kopf allenfalls blutunterlaufende Augen bekommt – das wirkte weniger mystisch-mysteriös als vielmehr lächerlich.

Übrig blieb über die Jahre die Grobschlächtigkeit des in seiner Mischung aus Zombie und Terminator mutmaßlich unsterblichen Killers, die grobe dramaturgische Folie eines sich wiederholenden, routinierten Gemetzels sowie die vermeintliche verwandtschaftliche Bezogenheit zwischen Killer und Oberopfer Laurie, verkörpert von Jamie Lee Curtis. Curtis ließ sich vor zwanzig Jahren überreden, im siebten Teil Halloween H20 (Teil 3 hat allerdings nichts mit der Ur-Halloween-Geschichte zu tun) mitzuwirken, der überraschend raffiniert konzipiert war und ein würdiger Abschluss gewesen wäre. Sein Erfolg führte jedoch zu einer weiteren, wieder sehr schwachen Fortsetzung und zwei kruden Neuverfilmungen.

*

Nun sind wieder zwanzig Jahre vergangen und Jamie Lee Curtis hat die Rolle, die sie einst berühmt machte, wieder aufgegriffen – und fungiert wie John Carpenter sogar als eine der Ko-Produzenten. Beider Karrieren sind in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten, verständlich also, wenn sie an Altbewährtes anknüpfen. Tatsächlich ist ihnen ein überzeugenderer Thriller gelungen als zu befürchten war. Curtis aka Laurie Strodes Wandlung von einem schüchternen und unsouveränem Teenager anno `78 zu einer verbiesterten, ins Nirgendwo zurückgezogenen Amazone, die sich auf die endgültige Kraftprobe zwischen ihr und dem Killer-Verwandten vorbereitet hat, ist das Originellste am neuen Halloween-Film. Auch gibt es einige Überraschungen innerhalb der schematisch angelegten Story, z.B. dass manchen Nebenfiguren unerwartet schnell und von unerwarteter Seite der Garaus gemacht wird.

Ansonsten aber kämpfen die Drehbuchautoren Jeff Fradley und Danny McBride (Alien: Covenant) und der Ko-Autor und ehemalige Independent-Regisseur David Gordon Green (Prince Avalanche, Stronger) mit den Fallstricken, die bereits im ersten Film angelegt wurden: eine oberflächliche Figurenzeichnung (Laurie Strode inklusive, wenn auch nicht so gravierend wie bei den anderen), eine sehr simple Handlung und vor allem: eine undifferenzierte dramaturgische Beliebigkeit, die darin wurzelt, dass auf jegliche glaubwürdige psychologische Erklärung verzichtet wurde. Michael Mayers als Verkörperung "des absoluten Bösen" ist eben nicht wirklich beizukommen. Ein gesichtsloses Etwas, das alles zerhackt, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt (und wo man selbst dann nicht sicher ist), wirkt lebensbedrohlich, aber eben nichts anderes.

Diese dramaturgische Beliebigkeit schlug auch auf die Gesamtkonzeption der Horrorreihe durch, spätestens seit Teil 3, der außer den Titel mit seinen Vorgängern nichts gemein hat, aber auch mehreren Fortsetzungen, die den Status ihrer Vorgänger teilweise oder ganz ausradierten. Der neue 2018er Halloween wirft nun gleich alles über den Haufen und knüpft quasi nahtlos an den Klassiker von 1978 an – was gerade für Fans merkwürdig anmutet. Insofern aber ein verständlicher Twist, da man sich sonst mit viel altem Krempel hätte herumschlagen müssen. Der eigentliche Schwachpunkt der neuen Version ist indes das bisweilen fahrlässig verschenkte Spannungspotential. Dass Michael Myers aus der Nervenklinik ausbrechen und seine Nichte (Schwester?) umbringen möchte, ist ja klar – da liegt der große, alles überwölbende Spannungsbogen quasi auf dem Silbertablett. Aber Fehlanzeige: David Gordon Green und Co. begnügen sich mit kurzfristigen Aufregern, hangeln sich von Mord zu Mord, Schreck zu Schreck.

Zugutehalten muss man den Filmschaffenden, dass sie dabei viele raffinierte Anspielungen speziell auf den ersten, aber auch die anderen Teile sowie etliche Szenen und Details mit Unterhaltungswert eingebaut haben. Und wie schon die Macher der Urversion von 1978 dosieren sie das ausführliche Zeigen von Morden und Brutalitäten, sodass auch das Mainstream-Publikum seine Angstlust genießen kann. Schade, dass die Beteiligten nicht noch mehr Mut aufgebracht und sich von der Formelhaftigkeit, die die Macher des Originals seinerzeit ohne große Absicht etabliert haben, zu lösen vermochten und Themen wie Frauenpower, Bürgerwehren, Waffenfetischismus etc. offensiver verhandelt haben.




Halloween (2018) | (C) Universal Pictures

Max-Peter Heyne - 25. Oktober 2018
ID 10991
Weitere Infos siehe auch: https://www.universalpictures.at/halloween


Post an Max-Peter Heyne

Dokumentarfilme

Neues Deutsches Kino



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



 

FILM Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

BERLINALE

DOKUMENTARFILME

DVD

EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM
Reihe von Helga Fitzner

FERNSEHFILME

FEUILLETON
Beiträge zu Film und Festivals

INTERVIEWS

NEUES DEUTSCHES KINO

SPIELFILME

TATORT IM ERSTEN
Gesehen von Bobby King

UNSERE NEUE GESCHICHTE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2018 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de