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Rezension

Filmstart: 24. Oktober 2013

Exit Marrakech (D/FR 2013)

Regie: Caroline Link



Zurück nach Afrika

Sie ist Drehbuchautorin und Schauspielerin, aber vor allem ist Caroline Link Regisseurin von guten Filmen. Schon 1998 war sie mit ihrem Film Jenseits der Stille für den Oscar in der Kategorie "bester fremdsprachiger Film" nominiert. 2003 hat sie diesen begehrten Oscar dann für ihr Meisterwerk Nirgendwo in Afrika bekommen, - ein Stück zeitgenössische deutsche Filmgeschichte - bis heute.

Mit ihrem neusten Werk Exit Marrakech kehrt Caroline Link nun nach Afrika zurück, diesmal in den Norden des Kontinents – nach Marokko. Das ist eine exzellente Auswahl, denn in kaum einem anderen Land in Afrika prallt Orient und Okzident derart heftig aufeinander wie in diesem nordafrikanischen Staat. Ein Land, das für sich nicht weniger als ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen zu sein beansprucht. Ein kurzer historischer Blick auf das arabo-islamische Land genügt, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Doch als Teil der arabischen Welt ist auch das marokkanische Königreich vom „arabischen Frühling“ erfasst. Das Land befindet sich im Wandel und durchlebt große gesellschaftliche Umwälzungen. Doch gerade das scheint der Filmhandlung eine äußerst interessante Tiefe und starken Auftrieb zu geben.

Als der 17-jährige Ben (Samuel Schneider) seinen Vater Heinrich (Ulrich Tukur), den gefeierten Regisseur, der in Marrakesch an einem internationalen Theaterfestival teilnimmt, besucht, beginnt für ihn kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Seine Umgebung ist ihm genauso fremd wie sein geschiedener Vater, mit dem er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder seine Sommerferien verbringen soll. Während die beiden immer weiter auseinanderdriften, öffnet sich Ben mehr und mehr dem ihm fremden Land und sucht sich, fernab von Vaters Luxushotel, seine eigenen Wege in der unbekannten Welt. Er verliebt sich in die junge Karima (Hafsia Herzi) und folgt ihr in ihr entlegenes Heimatdorf im Atlasgebirge. Als Ben sich tagelang nicht meldet, macht sich Heinrich erst widerwillig, dann zunehmend besorgt, auf die Suche nach seinem verschwundenen Sohn. Während sie beide das ihnen fremde Land bereisen, scheint alles möglich zu sein: sich endgültig zu verlieren oder einander wieder neu zu finden…




Der Vater und der Sohn - Foto © StudioCanal

Der Sohn - Foto © StudioCanal

Der Sohn und seine neue Freundin - Foto © StudioCanal



Exit Marrakech ist ein wunderbares Abenteuer und  ein nahe gehendes Familiendrama. Es ist aber auch eine sehr sympathische und unbekümmerte Liebesgeschichte mit großem Symbolcharakter und viel Spielraum für Interpretationen. Der Film ist eine Reise, eine Reise zueinander, aber vor allem zu sich selbst und zur eigenen Vergangenheit. Auf dieser Reise liefert das Kamerateam um Caroline Link ein ganzes Bouquet von authentischen Bildern. Marokko kommt in all seiner Vielfalt und Farbenprächtigkeit zur Geltung. Schöne Bilder von echtem marokkanischen Leben gepaart mit einem passenden und rhythmischen Soundtrack.

Die Vater-Sohn-Geschichte versucht gänzlich ohne Klischees auszukommen. Die sympathische Regisseurin Caroline Link verwendet wahrlich viel Sorgfalt darauf. Es gelingt ihr nicht immer. Dennoch hat sie sehr veranschaulich den Orient-Okzident-Twist im islamischen Land herausgearbeitet. Die Kontroversen marokkanischer Bevölkerung bleiben sichtbar, wenn auch nicht immer verständlich. Großes schauspielerisches Talent beweist Ulrich Tukur (John Rabe, Das weiße Band) erneut und trägt somit einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg von Exit Marrakech bei. Aber auch der begabte Jungschauspieler Samuel Schneider (Boxhagener Platz) überrascht tatsächlich mit einer beachtlichen schauspielerischen Leistung und ist allemal ein Grund ins Kino zu gehen. Die „andere Seite“ der kulturellen Konfrontation wird von der französischen Schauspielerin Hafsia Herzi verkörpert. Herzi ist eine erfahrene Actrice und zählt in ihrer Filmografie nicht weniger als stolze 15 Produktionen. Sie wurde 2008 als beste Nachwuchsdarstellerin dreifach ausgezeichnet, unter anderem mit dem französischen César (Couscous mit Fisch) und dem italienischen Marcello-Mastroianni-Preis. Beindruckend spielt sie in Exit Marrakech Karima, die einerseits einen offenen und unabhängigen Lebensstil in der marokkanischen Metropole Marrakech lebt und sich andererseits in eine konservative, eng hängende Dorfgemeinschaft auf dem Land manövriert. Von der Figur Karima wird künstlerisch viel abverlangt, und Hafsia Herzi erfüllt wahrlich alle Erwartungen und legt eine exzellente Darbietung dar. Chapeau!

Exit Marrakech ist ein kunstgerecht produziertes Werk mit sehr interessanten Figuren, inspirierenden Bildern, beindruckender Musik, großartigen Schauspielern und unbedingt empfehlenswert!

Der Film kommt zu einem interessanten Zeitpunkt in die Kinos: Die marokkanische Community in Deutschland feiert in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. Ein schöner Zufall, der die Attraktivität und Aktualität des Filmes erheblich steigern dürfte.



Bewertung:    


Samy Charchira - 21. Oktober 2013
ID 7287
Unser Gastautor Samy Charchira ist Dipl.-Sozialpädagoge, Sachverständiger des Integrationsausschusses der Stadt Düsseldorf, Leiter des Integrations- und Vernetzungsprojektes „Kommunizierendes Dreieck“, Mitglieder der Steuerungsgruppe des „Zukunftsforum Islam“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Zudem betreibt er wissenschaftliche Forschung zur marokkanischen Migrationsgeschichte in Deutschland und initiierte das Projekt "50 Jahre marokkanische Migration in Deutschland"

Weitere Infos siehe auch: http://www.exitmarrakech.de




 

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