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Rezension


Filmstart: 21. Juni 2012

„Dein Weg – The Way“ (USA, Spanien 2010)

Regie: Emilio Estevez


Der Jakobsweg: Mythos, Mühen und schmerzende Gliedmaßen. Immer wieder scheint er Pilger zu sich zu rufen und Filmemacher zu inspirieren. So auch Emilio Estevez (Bobby – sie alle hatten einen Traum, 2006), der das Drehbuch zu Dein Weg schrieb und die Regie führte. Estevez ist eines der vier erwachsenen Kinder des Schauspielers Martin Sheen, dessen Vater aus Galizien stammt, durch das auch der spanische Teil des Jakobswegs führt. Die beiden sind bekennende Katholiken und insbesondere Martin Sheen, der mittlerweile über 70 Jahre alt ist, wollte den Jakobsweg immer mal gepilgert sein. Man merkt dem Film auch an, dass er für Vater und Sohn ein persönliches Anliegen ist, wobei Dein Weg in Glaubensfragen relativ neutral ist; es geht sehr allgemein um Sinnfindung.

Tom Avery (Martin Sheen) lebt in Kalifornien, ist als Augenarzt gut etabliert und spielt gerne Golf. Eine fast heile Welt, die er sich da geschaffen hat, mit kleinen Abstrichen. Seine Frau ist schon gestorben und sein erwachsener Sohn Daniel (Emilio Estevez) ist ein erlebnishungriger Weltenbummler. Tom selbst ist da viel gesetzter und hat seinen Sohn nie richtig verstanden. Seit dem Tod seiner Frau ist der Kontakt immer weniger geworden. Tom ist der Aufforderung seines Sohnes, ihn bei seinen Reisen doch mal zu begleiten, nie nachgekommen.

Eines Tages bekommt er einen Anruf, der diese „heile Welt“ zusammenbrechen lässt. Sein Sohn Daniel ist tödlich verunglückt. Er wollte den Jakobsweg gehen und ist schon bei der ersten Etappe von einem Gewitter überrascht worden. Tom Avery fliegt nach Spanien, um seinen Sohn zu identifizieren und danach seine Asche mit nach Hause zu nehmen. Er ist wie betäubt, befindet sich in einem Vakuum. Nach der Kremierung seines Sohnes bekommt er eine Dose mit seiner Asche und Daniels Rucksack ausgehändigt, in dem sich alles befindet, was man für den Weg, für den „camino“, braucht. Anstatt am nächsten Morgen ins Flugzeug zu steigen, begibt sich Tom völlig unvorbereitet auf den Jakobsweg. Er ist noch nicht lange unterwegs, als er an eine Stelle kommt, an der ein Kreuz aufgestellt ist und wo Blumen liegen. Die anderen Pilger haben natürlich von dem Unglück erfahren. Verloren sitzt Tom stundenlang an der Stelle, an der sein Sohn ums Leben kam. Er streut einen Teil von Daniels Asche auf den Weg und geht weiter.




Will allein sein mit seiner Trauer: Tom Avery (Martin Sheen) am Sterbeort seines Sohnes - Foto © Koch Media GmbH



Da er den Weg stellvertretend für seinen Sohn machen will, ist er an Begleitung nicht interessiert. Doch der „camino“ hat seine eigenen Regeln. Nach und nach stoßen drei Gestalten zu ihm, mit denen er den langen Rest des Weges, anfangs notgedrungen, fortsetzen wird: Da ist Joost, der übergewichtige Holländer, der abnehmen will (Yorick van Wageningen), die Kanadierin Sarah (Deborah Kara Unger), die vordergründig nur mit dem Rauchen aufhören will und der überkandidelte irische Schriftsteller Jack (James Nesbitt), der sich von seiner Schreibblockade kurieren will, indem er über die Leute auf dem Jakobsweg schreibt.





Gemeinsam etwas weniger verloren: Tom (Martin Sheen), Sarah (D. K. Unger), Joost (Y. van Wageningen und Jack (James Nesbitt) - Foto © Koch Media GmbH



Nach vielen Mühsalen und Strapazen lernt Tom, dass er den Jakobsweg nicht für Daniel, sondern für sich selber geht. Er kommt aber gerade auf diese Weise seinem lebenslustigen Sohn immer näher. Der „camino“ birgt immer auch mystische Begegnungen, die bei Tom in der Gestalt eines Zigeunerjungen stattfindet. Der stiehlt ihm seinen Rucksack, in dem sich unter anderem noch die restliche Asche seines Sohnes befindet. Der Vater des Jungen bringt den Rucksack zurück und lädt die Pilger zu einem Zigeunerfest ein. Er gibt Tom den Rat, die Reise nicht in Santiago de Compostela enden zu lassen, sondern mit der Asche noch ein paar Kilometer weiter ans Meer zu gehen. Aber das ist noch fraglich, denn eigentlich hat kein Pilger nach den monatelangen Anstrengungen Lust, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Aber der Jakobsweg hat seine eigenen Regeln...

Mit 123 Minuten hat Estevez einen längeren Film gemacht, der aber keine Längen aufweist, sofern man das Schwelgen der Kamera in der Landschaft wertschätzt. Es gibt den Zuschauern aber Zeit, sich auf die Gegend und deren Wirkung einzulassen. Genau so spröde wie manchmal die Landschaft ist auch das Verhältnis der vier Pilger untereinander. Ob sie alle ihre gesetzten Ziele erreichen, ist ungewiss. Doch auch wenn, zum Beispiel, Joost vermutlich übergewichtig bleiben wird, so hat er doch auf dem Jakobsweg etwas über sich selbst gelernt. Die vier unterschiedlichen Menschen waren die meiste Zeit von einander genervt, aber sie haben sich zusammengerauft. Und sie haben etwas geschafft: Eine immense Strecke von rund 880 Kilometern zu Fuß bewältigt und damit auch ein Stück weit sich selbst überwunden.


Helga Fitzner - 25. Juni 2012
ID 6055

Weitere Infos siehe auch: http://www.deinweg-film.de/


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