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Rezension

Filmstart: 17. April 2014

Circles – Krugovi (SRB/D/HR/F/SLO 2013)

Regie: Srdan Golubović



Alles, was wir tun, selbst das, was wir nicht tun, hat Auswirkungen wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und Kreise auslöst. Während des Balkankrieges schlagen in Trebinje serbische Soldaten den muslimischen Kioskbesitzer Haris (Leon Lučev) zusammen. Der junge Soldat Marko (Vuk Kostić) versucht sie zum Einhalten zu bewegen, so dass Haris die Flucht gelingt. Marko selbst wird dafür von seinen eigenen Kameraden totgeschlagen. (Die Geschichte ist angelehnt an reale Ereignisse in Trebinje 1993, als dem serbischen Soldaten Srdan Aleksić Ähnliches widerfahren ist). Marko hat seine gute Tat mit dem Leben bezahlt, aber war sie deshalb vergebens?

Zwölf Jahre später lebt der gerettete Haris mit seiner deutschen Frau und seinen zwei Töchtern in Deutschland. Eines Tages taucht Nada (Hristina Popović) bei Haris auf und bittet ihn um Schutz. Sie ist die ehemalige Verlobte von Marko und hat dessen Tod nie verwunden. Sie hat trotzdem geheiratet und einen Sohn bekommen und ist nun auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Haris findet ein Versteck für sie und ihren Jungen, aber auch der erboste Ehemann hat ihn ausfindig gemacht. Er bedroht Haris und seine Familie und will ihn notfalls mit Gewalt zwingen, Nada an ihn auszuliefern. Haris glaubt, eine Schuld begleichen zu müssen, aber kann er deshalb seine eigene Familie gefährden? Das Ende dieses Handlungsstrangs ist überraschend und grandios.



Haris (Leon Lučev) wird von der Vergangenheit eingeholt - Foto © Barnsteiner Film


Nebojša (Nebojša Glogovac) war Markos bester Freund und hat die Tat damals ansehen müssen. Wie alle anderen Augenzeugen, befand er sich in einer Art Schockstarre, unfähig einzugreifen. Heute arbeitet er als Chirurg in einem Belgrader Krankenhaus und wird eines Nachts während des Bereitschaftsdienstes zu einem Notfall gerufen. Der Patient ist ausgerechnet Todor (Boris Isaković), der Rädelsführer der Bande, die Marko getötet hat. Nebojša operiert ihn und rettet ihm das Leben. Doch die Zeit der schweren Prüfungen ist noch nicht vorbei. Todor muss noch einmal einer komplizierten Operation unterzogen werden, und Nebojša ist der einzige Chirurg, der diese Operationstechnik beherrscht. Todor ist eher verwundert als dankbar, dass Nebojša ihm das Leben gerettet hat. Er zeigt keine Reue für seine Tat, während Nebojša immer noch unter dem Trauma leidet, dass er damals handlungsunfähig war. Jetzt aber könnte er handeln und Rache üben, damit aber alles in Frage stellen, was ihn als Mediziner und als Menschen ausmacht...



Könnte nun den Tod des Freundes rächen, Nebojša (Nebojša Glogovac) - Foto © Barnsteiner Film


Ranko (Aleksandar Berček) ist Markos Vater und kompensiert den Tod des Sohnes dadurch, dass er eine kleine Kirche wieder aufbaut. Diese steht noch unfertig auf einem Hügel mitten in einer kargen Landschaft, ein wunderbares Symbol für das gesellschaftliche Ödland, das der Krieg hinterlassen hat und die zarten Anfänge der wieder aufkeimenden Mitmenschlichkeit, an der aber noch gearbeitet werden muss. Doch mit diesem äußeren Wiederaufbau ist es nicht getan, es muss auch das emotionale Ödland wieder zum Blühen gebracht werden. Aber das gelingt Ranko nicht. Obwohl er Hilfe bei der Arbeit braucht, ist er nicht bereit, den jungen Bogdan (Nikola Rakočević) einzustellen, weil Bogdans Vater einer von Markos Mördern ist. Der Junge selbst kann aber nichts dafür und lässt nicht locker. Ranko scheint überfordert damit zu sein, sich eine solche Vergebung abzuringen. Eines Tages geschieht ein Unfall...



Ranko (Aleksandar Berček) trauert um seinen Sohn - Foto © Barnsteiner Film


Bei Circles muss man sich als Filmkritiker zurückhalten, um nicht mehr, viel mehr zu verraten und vom Kenntnis des Endes ausgehend all die faszinierenden kleinen Juwelen zum Glitzern zu bringen, die der Film verbirgt. Aber genau das macht Circles aus. In seiner ruhigen Erzählweise und mit guten Schauspielern besetzt, gibt er dem Zuschauer genügend Raum auf Entdeckungsreise zu gehen und in sich hineinzuhorchen, wie er vielleicht in solchen Situationen reagiert hätte. Das Script von Srdjan Koljević und Melina Koljević ist eigenwillig, überraschend und versucht nicht, westliches Kino zu imitieren, sondern arbeitet ein serbisches Thema in angemessener Weise auf. Regisseur Srdan Golubović arbeitet ohne Special Effects und künstlich aufgetragene Spannungsmomente, denn der Film geht auch so unter die Haut. Der Erste Weltkrieg, dessen Ausbruch durch das Attentat in Sarajewo auf dem Balkan seinen Anfang nahm, feiert 2014 sein 100jähriges Gedächtnis. Da ist es schön, aus der krisengeschüttelten Region so friedfertige und kluge Töne zu hören. Circles weist auch kleinere Unebenheiten auf, über die man aber leicht hinwegsehen kann. Die Produktionsbedingungen in Serbien werden sich mutmaßlich mit denen in Deutschland nicht vergleichen lassen. Trotzdem wurde der Film auf mehreren Festivals ausgezeichnet.


Bewertung:    


Helga Fitzner - 17. April 2014
ID 7758
Weitere Infos siehe auch: http://www.circles-derfilm.de


Post an Helga Fitzner



 

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