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Venezuelanisches Kino

Jung und alt



Bewertung:    



Für sein Psycho-Schwulendrama Desde allá (übersetzt: Aus der Ferne) erhielt der venezuelanische Filmemacher Lorenzo Vigas den Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2015. Und obwohl diese Entscheidung ihrer Zeit nicht unumstritten war, besitzt der Streifen - der seit letzter Woche unter dem unsäglich-kitschig-grauenhaften Titel Caracas, eine Liebe in deutschen Programmkinos zu sehen ist - beeindruckende künstlerische Qualität. So fokussiert die Kamera von Sergio Armstrong beispielsweise, teils mit "ausgewaschenen", "zerschnitzelten" und "abgetrennten" Bildern oder Bildsegmenten, auf zumeist ganz ungreifbare und v.a. ungewalttätige Tatbestände, das will sagen: Trotz dass ausgerechnet auch in diesem Film der unter Cineasten unvermeidbaren Lieblings- und Hauptthematik hinsichtlich Gewalt & Leidenschaft gefrönt wird, gibt es weder physische Gewaltanwendungen noch ausufernden Sex zu sichten. Allenthalben ein paar zugeschwollne Augenlider, nackte Rücken oder Stöhnen bei orgasmischen Vollzügen teilen sich uns optisch und akustisch mit: Das Meiste bleibt "nur" angedeutet, und der Zuschauer ist frei sich alle möglichen Gewalt- und Leidenschaftsszenen herbei und fort zu denken.

Die Story:

"Als Armando von der Rückkehr seines Vaters erfährt, gerät sein geordnetes Leben aus der Bahn. Beide verbindet ein traumatisches Kindheitserlebnis, über das Armando nicht sprechen will. Nicht einmal mit Elder, einem kriminellen Straßenjungen, den Armando kurz zuvor kennengelernt hat und der sich zusehends in Armando verliebt. Um ihm zu gefallen und nah zu sein, ist Elder bereit, alles zu tun." (Quelle: caracaseineliebe.weltkino.de)

Das [s.o.] sagt natürlich nichts oder so gut wie nichts über die Filmhandlungen, deren zwei da sind: Die eine Vatergeschichte bezieht sich halt auf die des Jungen (Elder), und die zweite auf diejenige der wesentlich älteren Liebhaberfigur (Armando). Die eine muss geprägt gewesen sein von sozialer Not und Schlägen, die andere erfährt man letztlich nicht; man sieht nur einen alten weißhaarigen Herrn, der mit Geschäftspartnern kommunizierend in Hotels hinein oder aus ihnen wieder heraus geht.

Elder wird von Armando, angelegentlich einer routinemäßigen sexuellen Pirsch durch die Armenviertel der venezuelanischen Hauptstadt, sozusagen "aufgerissen" (wie es im Jargon so treffend heißt) - der sexuell Begehrte sträubt sich und beschimpft seinen vermeintlichen Freier als "Schwuchtel" usw. usf. / Am Ende des Films tötet er, ohne einen konkreten Auftrag hierzu erhalten zu haben, Armandos Vater und wird wenig später von der Polizei gestellt; sein trauriger Freier hatte ihn verraten und letzthin geopfert...

Der junge Luis Silva (als Elder) zeigt Schritt um Schritt die Entwicklung eines mit so "Schwuchteln" eigentlich überhaupt nichts am Hut habenden Straßenjungen bis hin zum (emotionale?) Gefühle zeigenden Liebsten des als Zahntechniker arbeitenden älteren Mannes, den Alfredo Castro (als Armando) seinerseits begnadet spielt.

Fraglich ist, wie es sein kann, dass so urplötzlicher Weise eine fast schon vordergründig sexuelle Besessenheit des Jungen - wohl gemerkt: nach seiner Stigmatisierung als "Selber-Schwuchtel" (nachdem er bei einer Familienfeier von einem Dritten auf der Klappe mit Armando erwischt worden war) - zum Entstehen und zum Ausbruch kam; aber Liebe geht ja auch, wie allgemein bekannt sein dürfte, nicht bloß von den Genitalien sondern auch vom Herzen oder vom das Herz steuernden Hirn aus.

Sehr berührend.



Caracas, eine Liebe mit Luis Silva und Alfredo Castro | (C) Alexandra Bas

Bobby King - 6. Juli 2016
ID 9418
Weitere Infos siehe auch: http://www.caracaseineliebe.weltkino.de/


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