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Deutsches Kino

Verdammt nochmal – wo bleibt die Zärtlichkeit?



Bewertung:    



Es fängt gut an: Ein stämmiges Mannsbild (Eckhard Preuß) empfängt ein williges Weib (Julia Koschitz), das sich ihm nur zu gerne hingibt. Aber der Kerl wirkt so phlegmatisch als sei er Proband für die medizinische Forschung und habe alle Beruhigungsmittel ausprobieren müssen, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Selbst der Besuch seiner Ehefrau (Jule Ronstedt) bringt ihn nur kurzzeitig aus dem Konzept, und auch die ist mit einer angemessenen Reaktion darauf, die beste Freundin unterm Bett des eigenen Mannes zu ertappen, überfordert. Zumal sie gerade erfahren hat, dass auch die Freundin unterm Bett ihrerseits betrogen wurde. Gerade noch sucht man nach richtigen Worten, da klingelt's, und der Freund der Freundin (Benjamin Sadler) platzt herein, dem sein Seitensprung zumindest peinlich ist. Seine sehr junge Freundin (Teresa Rizos) sieht das unkomplizierter, denn kaum ergibt sich eine ruhige Sekunde, flirtet sie mit dem anfangs erwähnten, phlegmatischen Mannsbild, Udo.

Nach diesem Auftakt, der geradewegs aus einem gutbürgerlichen Boulevardtheater entlaufen scheint, gesellen sich zum Ensemble noch ein herzensguter, etwas gehemmt wirkender Frauenversteher (Friedrich Mücke) und ein abgeklärter Barkeeper (Jochen Nickel, der aus seiner fast stummen Figur unglaublich viel herausholt) – was zunächst nur die Zahl der kommunikativen denn der Liebesakte steigert. Schade eigentlich, dass im weiteren Verlauf mehr geredet als gevögelt wird (FSK: ohne Altersbeschränkung!), denn der Beginn war ebenso schlüpfrig wie appetitanregend. Doch alle Irrungen und Wirrungen in dieser denkwürdig undramatischen Komödie sind nur Zwischenstationen in einem bunten Münchener Liebesreigen, in dem am Ende jeder Bock sein Zicklein findet.



Bocksprünge | (C) movienet Film

Bocksprünge | (C) movienet Film

Bocksprünge | (C) movienet Film


Dazu Ko-Autor, Regisseur und Udo-Darsteller Eckhard Preuß (Die Wolke, Wo ist Fred?): „Ich bin eigentlich durch ganz konkrete Begegnungen auf diese Geschichte gekommen. Vor ein paar Jahren stand ein Freund heulend vor meiner Tür und sagte, dass er bei mir schlafen muss, weil seine Frau herausgefunden habe, dass er seit drei Jahren mit der Nachbarin zusammen ist. Obwohl er es war, der seit Jahren eine Affäre hatte, hielt er sich für das tragischste Opfer von allen. Und daraus ist dann die Idee zu dem Film entstanden.“
Kurzum: Schauspieler Eckhard Preuß, der einen durchaus sympathisch-zerzauselten Stenz abgibt, hat ein locker gestricktes, episodisches Drehbuch um Lust und Frust in Beziehungen geschrieben, einige Schauspielfreunde und –freundinnen um sich geschart und mit ihnen drauf los gedreht. Solche Unternehmungen wirken oft arg bemüht und nur für die Macher selbst witzig. Dass Preuß mit Bocksprünge keine Bruchlandung erlebt, liegt vor allem an der durchweg sturztrockenen, lakonischen Attitüde, mit der die Figuren des Films in die Räume und Situationen gestellt und ihren Macken überlassen werden. Gespielt ist das alles ohne Tadel, aber auch ohne besondere Glanzlichter, zumal manche Dialoge nicht witzig-absurd, sondern nur absurd wirken.

Natürlich stellt sich auch hier die Frage NICHT, was denn der tiefere Sinn des aufgeschäumten erotischen Allerleis sei, das – wenn ich es richtig verstanden habe – mit den Geschlechterstereotypen ironisch spielt (falls nicht: auweia!). Bei Preuß sind (manche) Frauen noch so richtige Heulsusen und (manche) Männer noch so richtige Draufgänger, die halt gern amal aussi grasn, wie der Münchener so sagt. So charmant und leichthändig wie ein Franzos' sie gefilmt hätte, sind diese Bocksprünge bei weitem nicht, aber es ist auch nicht von kitschigem Wohlfühlaroma versifft wie eine US-RomCom. Es wirkt im besten Sinne wie eine bayerische Brotzeit: a bisserl deftig is scho', aber insgesamt sehr leicht verdaulich.


Max-Peter Heyne - 21. November 2014
ID 8265
Weitere Infos siehe auch: http://bockspruenge-derfilm.de/


Post an Max-Peter Heyne



 

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