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Rezension


Filmstart: 12. Juli 2012

"Bis zum Horizont, dann links!" (D 2012)

Ein Film von Bernd Böhlich




"Die stolze Annegret Simon (Angelica Domröse) ist neu im Seniorenheim. Ihr bekommt der Tapetenwechsel nicht besonders. Und das zu recht, weiß Herr Tiedgen (Otto Sander), der ebenfalls lieber allein als betreut wohnen würde. Bewegungstherapie und Lesenachmittage sind für ihn der Inbegriff der Langeweile. Als die Bewohner des Seniorenheims zu einem Rundflug im Propellerflugzeug geladen werden, hat Tiedgen eine Idee, mit der er die schöne Annegret zu beeindrucken hofft. Kaum ist die Maschine in der Luft, verschwindet er im Cockpit und kommt kurz darauf als neuer Kapitän wieder heraus. Per demokratischer Abstimmung beschließt die Gruppe ihre eigene Entführung: ans Meer. Ausbrechen wollen sie, frei sein, ihren Sehnsüchten und Träumen die vielleicht letzte Chance geben. Doch die Flugzeugentführung bleibt nicht unbemerkt. Während sich Presse und Polizei mit Spekulationen überschlagen, fliegen die Alten immer weiter Richtung Süden – bis ihnen der Treibstoff ausgeht." - fasst der Filmverleih den schönen Sommerfilm Bernd Böhlichs (Drehbuch und Regie) auf seiner filminternen Homepage (s. u.) leicht zusammen.

Eine Filmkomödie also - und obgleich in ihr bei Weitem nicht mit "Tiefe" und mit "Seele" und mit "viel Gefühl" gespart wurde, im Gegenteil; das Alles (Tiefe, Seele, viel Gefühl) lässt sie auf einer irgendwie dann doch letztendlich schwerelosen Wolke nachhaltig verweilen, trägt sie gleichsam luftig vor sich her und gipfelt oft in einem echolotenen und herzpochenden Dauerlaut, mit andern Worten ausgedrückt: Man möchte, trotz des vielen Lachens, ausschwammender Weise heulen, und man schämt sich seiner Tränen überhaupt dann nicht...

Es geht in Bis zum Horizont, dann links! ums Alter und ums Altern, und es geht um willentliche (!) Selbstbestimmungen der Altgewordenen - trotz oder wegen ihrer vorgeführten Altersheimknastalltage (altersbedingten Weggesperrtseins) - daher dieser ausnahmsvolle Vorfall des von Böhlich ausgedachten Filmplots (s. o.).




Angelica Domröse (als Frau Simon) wird von Otto Sander (als Herr Tiedgen) nicht bloß rein aus Neugier oder purem Interesse arg beäugt - Foto (C) Neue Visionen Filmverleih

Robert Stadlober (als Mittwoch) ist Juniorpartner Tilo Prückners (als Schlepper), die das alte Flugzeug fliegen - Foto (C) Neue Visionen Filmverleih

Anna-Maria Mühe (als Amelie) spielt die Heimschwester - Foto (C) Neue Visionen Filmverleih



Otto Sander also ist der personifizierte Deux ex machina! Ziemlich am Anfang der Geschichte sieht man, wie er sich spontan das Leben nehmen will: Er klaut die Knarre eines allnachts in dem Altersheim vorbeistreunenden Polizisten, der es allnachts mit der Heimschwester (Anna-Maria Mühe) treibt, hält sie sich an die rechte Schläfe, guckt zum Himmel rauf und sieht ein Flugzeug - seine Initialzündung, den Selbstmord nicht/noch nicht zu tun... Möglich wäre der Suizidvollzug dann allerdings nach Schluss des Filmes, wenn er - in der schönen landschaftlichen Meeres-Krönung seines Ju-52-Entführungs-Coups - am Strand bemerkt, "das Leben war doch eigentlich schön" o. s. ä., wohlweißlicher Weise wissend, dass dann nach der Rückkehr aus dem Abenteuer als das Nahziel wiederum das so verhasste Altenheim auf seiner Atlasseite stünde.

Angelica Domröse - die man seit zehn Jahren nicht mehr auf der Leinwand sah - muss als Ereignis dieses Filmes hochgejubelt werden; nicht allein wegen dieses enzyklopädisch Bände sprechenden Gesichts! Sie lässt uns fühlig nachvollziehen, was es heißt bzw. heißen kann und wird, als Alternder (alternde Frau zudem) seine/ihre Persönlichkeit und Menschenwürde aufrichtig (!!) durch Kampf & Handlung zu bewahren.

Es gibt viel lustige und leidenschaftliche Momente, die die Kamera von Florian Foest einfängt. Ob es die wunderlichen Paarbeziehungen (Monika Lennartz und Horst Feuerstein als Gattin/Gatte Miesbach, Marion van de Kamp und Us Conradi als Geschwister, Robert Stadlober und Tilo Prückner als Piloten-Kumpel) sind oder die herrlichen Naturaufnahmen aus der Luft oder vereinzelte Situationen wie zum Beispiel die, wo Barbara Morawiecz als im Rollstuhl sitzende Insassin plötzlich, wie sie sich am Meer befindet, nichts mehr sieht, weil ihre Augentropfen zwischenzeitlich weggekommen waren, und wie sie dieses unendlich traurige Gefühl (das Meer nicht mehr zu sehen) zu uns Filmschauenden rübertransportiert...

Nachdenklich stimmend und doch: schönes Sommerkino.


Bobby King - 11. Juli 2012
ID 6082

Weitere Infos siehe auch: http://www.biszumhorizontdannlinks.de


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