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Rezension


Filmstart: 8 November 2012

Argo (USA 2012)

Regie: Ben Affleck




So hautnah hat man die iranische Revolution von 1979 noch nicht erlebt, als der westlich orientierte Schah Mohammad Reza Pahlevi gehen musste und Ayatollah Khomeini den muslimischen Gottesstaat wieder einführte. Mit nachgestellten Aufnahmen und geschickt geschnittenem Dokumentarmaterial sind dem Kult-Kameramann Rodrigo Prieto (u. a. Babel 2006) und Cutter William Goldenberg explosive und beängstigende Bilder gelungen. Die gewalttätige Auflehnung der Iraner gegen die US-amerikanische Bevormundung ist erschreckend, aber die Wut ist nachvollziehbar. Es wird klar, dass dieser geballte Volkszorn seine Ursachen haben muss und die westliche, insbesondere die US-amerikanische Politik daran ihren Anteil hat.

Am 4. November 1979 eskaliert die Lage: Iranische Studenten stürmen die US-Botschaft in Teheran und nehmen 52 Angestellte als Geiseln. Nur sechs Mitarbeiter können das Gebäude rechtzeitig verlassen und finden in der kanadischen Botschaft Asyl. Doch auch da wären sie nicht sicher, wenn das publik würde. Mit jedem Tag steigt die Gefahr ihrer Entdeckung, ebenso für die kanadischen Gastgeber.




Sitzen in der kanadischen Botschaft in Teheran fest: Sechs Flüchtlinge aus der gestürmten US-Botschaft - Foto © Warner Bros. Pictures Germany



In der aufgeheizten Stimmung im Iran wird der US-amerikanische Geheimdienst die amerikanischen, wie auch die kanadischen Botschaftsangehörigen ihrem Schicksal überlassen müssen. Bis CIA-Agent Tony Mendez (Ben Affleck) eine völlig durchgedrehte Idee hat, die beweist, dass die unwahrscheinlichsten Drehbücher immer noch das Leben schreibt. Eine vermeintliche Filmcrew soll die sechs Amerikaner aus Teheran retten. - Das Drehbuch stammt von Chris Terrio nach der Veröffentlichung The Master in Disguise von Antonio J. Mendez und dem Artikel "The Great Escape“ von Joshua Bearman aus dem Magagzin Wired und basiert auf realen Ereignissen, deren Akten vom amerikanischen Geheimdienst vor knapp zwanzig Jahren bereits freigegeben wurden.

Das angebliche Filmprojekt muss unbedingt echt wirken, es muss sowohl ein Storyboard und Drehbuch her, ein Casting, Werbung, alles, was zur realen Durchführung eines solchen Projektes gehört. Die Filmcrew soll auch eine kanadische sein, da auf keinen Fall der Verdacht entstehen darf, dass es sich um Amerikaner handelt. Als Produzent fungiert Lester Siegel (Alan Arkin) und John Chambers (John Goodman) ist für das Make-up der Sci-Fi-Figuren des Filmprojekts Argo zuständig.





Die Filmschaffenden Lester Siegel (Alan Arkin) und John Chambers (John Goodman) planen Argo mit allen Details - Foto © Warner Bros. Pictures Germany



Tony schafft die Einreise nach Teheran mit Leichtigkeit. Problematisch wird das Verlassen des Iran werden. Die Botschaftsflüchtlinge sind mutlos. Nach mehreren Monaten des Ausharrens müssen sie nun erstmals wieder nach draußen. Begleitet von Regierungsbeauftragten des Iran besichtigen sie als Location-Scouts gemeinsam den überfüllten Basar der Stadt. Doch die Nerven von Tonys Schützlingen liegen blank. Die aufgebrachte Bevölkerung interessiert es auch nicht, dass die Crew kanadisch sein soll, sie hat vom westlichen Einfluss die Nase voll.

Schon am nächsten Morgen machen sich sieben „Kanadier“ auf den Weg zum Flughafen, von denen nur einer, Tony Mendez, das nötige Ausreiseformular hat. Trotzdem meistern sie alle Hürden, bis sie kurz vorm rettenden Gate doch noch zum Verhör müssen. Nun ist Nervenstärke gefragt und es muss sich zeigen, ob das Lügennetz der vermeintlichen Produktion hält. Doch selbst das reicht nicht. Es müssen noch ein paar glückliche Begleitumstände dazu kommen.




Bis zum Flughafen haben sie es geschafft, dann werden sie verhört - Foto © Warner Bros. Pictures Germany



Argo nimmt sich viele dramaturgische Freiheiten heraus, die von den realen Ereignissen abweichen. Der kanadische Botschafter Kenneth D. Taylor (im Film gespielt von Victor Garber) hat sich aber wirklich in Gefahr begeben, um die sechs Amerikaner zu retten und wurde später für seinen Einsatz gewürdigt.

Ben Affleck hat als Regisseur, Hauptdarsteller und Co-Produzent mit Argo den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Zwei weitere Produzenten von Argo sind George Clooney und Grant Heslov, die u. a. mit Luck Night and Good Luck und The Ides of March schon gemeinsam Politthriller produziert haben. Auch Argo zeichnet sich durch eine politik-kritische Haltung aus, ohne verurteilend zu sein, insbesondere verteufeln sie die iranischen Figuren nicht, obwohl der Thriller natürlich von der Gefahr lebt, die von ihnen ausgeht. Ganz leise im Hintergrund schwingt mit, dass sie auf ihre Art um ihre Selbstbestimmung ringen und dass die amerikanische Politik sehr dominierend war – zumindest Ende der 1970-er Jahre, als der Kalte Krieg noch herrschte und sein Ende nicht absehbar war. Bei aller Geschichtsträchtigkeit ist Argo Kino vom Feinsten.

Die 52 anderen Mitglieder der amerikanischen Botschaft waren insgesamt 444 Tage in Geiselhaft und wurden auf diplomatischen Weg befreit.


Helga Fitzner - 10. November 2012
ID 6340

Weitere Infos siehe auch: http://wwws.warnerbros.de/argo/


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