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Rezension

Allzu pauschal aufgepeppte Pauschalreise in ein Hippieleben - Alles inklusive von Doris Dörrie




Eltern haften für ihre Kinder

Doris Dörrie kann auch in literarischer Form unterhaltsame Geschichten erzählen und hat daher als Regisseurin den Vorteil, notfalls ihre eigenen Romane zu verfilmen. Im Falle von Alles inklusive konnte Dörrie nicht allzu viel falsch machen, aber gelesen klingt das Ganze dann doch etwas amüsanter als der Film, der in manchen Belangen etwas zu dick aufgetragen wirkt. Dies betrifft leider vor allem die Figur der Apple, der die gottlob begabte, hier allerdings unterforderte Nadja Uhl Leben einhauchen muss. Apple (keine Anspielung an der Softwarekonzern!) ist eine kindlich-naiv wirkende Mitvierzigerin, die ungewollt ein beruflich und vor allem privat unstetes Leben führt, weil sie unter der Dominanz ihrer Mutter (schnippisch: Hannelore Elsner) leidet. Die wiederum lässt sich auch im reifen Alter in Ex-Hippie-Manier locker und unbefangen durchs Leben gleiten. Eine altersbedingte Hüft-OP lässt den üblichen Flow nicht mehr zu, sodass die Tochter beschließt, der missmutigen und mittellosen Mutter eine Erholungsreise nach Südspanien zu finanzieren, auf dass Mama erstens sich erholt und zweitens aus dem Weg ist.




Hannelore Elsner und Axel Prahl in Alles inklusive von Doris Dörrie - © Constantin Film Verleih



Der Film erzählt fortan in einer Parallelhandlung, wie sich Mutter Ingrid in einer Touristenhochburg Spaniens langsam, aber sicher tatsächlich wieder aufrappelt – woran die Erinnerung an eine alte Liebschaft, die vor vierzig Jahren am selben Ort gefunden wurde, und die Bekanntschaft zu einem stürmischen Pauschalreiseschatten (anrührend: Axel Prahl) bedeutenden Anteil hat –, während Tochter Apple daheim weiterhin ihre neurotischen Kreise zieht. Leider sind die Erlebnisse der Mutter deutlich substanzieller und witziger als die der Tochter, der Dörrie keine Weiterentwicklung gönnt. Das misslungene Techtelmechtel Apples mit ihrem anachronistisch hippieesken Tierarzt (schmalzig: Fabian Hinrichs) kann trotz der guten Darsteller kaum Pointen liefern. Und die wohl bissig gemeinte Neurose, dass die autistisch anmutende Apple statt eines Babys ständig ihren lahmen französischen Zwergboxer (Typecasting: Chica) vor dem Bauch umher trägt, wirkt als Metapher für ihre Lebensuntauglichkeit arg verkrampft.




Nadja Uhl und Hannelore Elsner in Alles inklusive von Doris Dörrie - © Constantin Film Verleih



Auch dass die alte Liebesgeschichte, die Mutter Ingrid in Spanien erleben durfte, der Hintergrund für zahlreiche tragische Verstrickungen in zwei Familien ist, deren Schicksale sich am nämlichen Ort wieder aufeinander zu bewegen, um ihre Verknotung zu ermöglichen, ist eine dramaturgisch eher scheintiefes, de facto sehr bemühtes Konstrukt. Der Mut zur Klamotte (so etwa in der Sexszene zwischen Elsner und Prahl inklusive Gesangseinlagen zur Gitarre) wirkt überzeugender, und der Gerechtigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass es durchaus absurd-komische Momente gibt, die über stockende Passagen hinweghelfen. Dennoch: Dörrie war schon besser, auch wenn sie eigene Literatur verfilmt und noch mehr Figuren und Themen inklusive bot (wie z.B. in Bin ich schön?, 1998).




Hinnerk Schönemann in Alles inklusive von Doris Dörrie - © Constantin Film Verleih



Bewertung:    



Max-Peter Heyne - 9. März 2014
ID 7657
Weitere Infos siehe auch: http://www.allesinklusive-film.de


Post an Max-Peter Heyne

Interview mit Nadja Uhl



 

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