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Bewertung:    



Ist Pubertät eigentlich wirklich soo schlimm? Immer wieder wird in Spielfilmen darauf herumgehackt. Vielleicht verharmlose ich ja diese Krisenzeit in der Erinnerung. Aber dass ich mich mit 15 Jahren so geärgert und geschämt hätte, dass ich mich umzubringen wünschte, kam mir damals nicht in den Sinn (was seinen Grund darin gehabt haben mag, dass ich daran dachte, wie schade es sein würde, all die künftigen Kinofilme wie z.B. About a Girl zu verpassen.) Die 15-jährige Charleen (Jasna Fitzi Bauer) in dieser angenehm unaufdringlichen Dramödie deutscher Herkunft will sich umbringen, obwohl sie nicht einmal Liebeskummer hat. Es handelt sich also um eine Kurzschlusshandlung, die auch in einen Kurzschluss mündet, den Charleen überlebt. Ihre Familie und ihre Umgebung wissen nun, dass die immer etwas kratzbürstige und abweisende Art, die Charleen vor sich herträgt, eine ernste, tiefergehende Seite hat. Die Drehbuchautoren Mark Monheim (auch Regie) und Martin Rehbock (auch Produktion) porträtieren mit Charleen allerdings keine depressive, verzweifelte Figur, sondern lediglich ein aufmüpfiges Mädchen, das sich über ihre Unangepasstheit definiert, ohne dass sie selbst und ihre Mutter (Heike Makatsch) so recht wissen, mit ihr umzugehen.

Insofern sich Monheim und Rehbock dazu entschlossen haben, den komödiantischeren Zügen der Geschichte mehr Platz zu geben, kann der Film zum Thema Jugenddepressionen also nichts Substanzielles beisteuern. Dafür punktet About a Girl mit der wie schon in Scherbenpark auch hier immer leicht mürrisch wirkenden Jasna Fitzi Bauer, die die Widerspenstigkeit der Anti-Heldin und die frechen, scharfzüngigen Dialoge sehr glaubhaft rüberbringt. Denn der halbherzige Selbstmordversuch hat Charleen keineswegs geläutert, sondern sie bleibt sich und ihrer Umwelt ein ziemliches Rätsel, was ihre Mutter (Heike Makatsch), ihr Jugendpsychiater und ihre beste Freundin leidvoll feststellen müssen. Überhaupt werden sämtliche Erwachsene ähnlich verschroben und ich-bezogen wie Charleen geschildert, dies aber stets mit Augenzwinkern und Sympathie für alle Figuren. Monheim und Rehbock sind definitiv keine Misanthropen, sondern zeigen eine Welt abgestufter Narretei.



Martin Rehbock (ganz links), Mark Monheim (links), Ministerin Manuela Schwesig und die Jugendjury von der Schweriner Preisverleihung | Foto (C) Christine Kisorsy/filmland-mv


Für ihren unterhaltsamen, leichthändigen, aber nicht oberflächlichen Film erhielten die beiden auf dem Filmkunstfest in Schwerin Anfang Mai den „Leo“ für den besten Kinder- und Jugendfilm des Wettbewerbs (insgesamt standen sechs deutsche bzw. deutsch koproduzierte Spielfilme zur Auswahl, darunter auch Antboy 2). Die stattliche und bundesweit einmalige Summe von 7.500 Euro kamen (ausnahmsweise) aus den Töpfen des Bundesfamilienministeriums. Als jemand, der diese Entscheidungen hautnah miterlebt hat, darf ich sagen, dass es schon eine sehr schöne Sache ist, wenn es einen Stifter gibt, der einfach mal richtig Geld in die Hand nimmt, um dem Preis noch mehr Bedeutung zu verleihen (was letztlich noch mehr Produzenten anlockt, die ihre Filme dann auch auf einem vergleichsweise kleinem Festival zeigen möchten). Natürlich ließ es sich Frau Ministerin Manuela Schwesig nicht nehmen, die Trophäe in Schwerin zusammen mit der siebenköpfigen Kinderjury an die Gewinner Monheim und Rehbock zu überreichen.

Die Jugendjury des Filmkunstfestes urteilte übrigens sehr professionell – nämlich wie folgt: "Der Film About a Girl (…) bringt eine große thematische Spannbreite des Erwachsenwerdens auf die Leinwand: Scheidung der Eltern, Tod, nervige Schule, der eigene Platz im Leben und die erste Liebe. Die Probleme der 15jährigen Charleen und ihr Umgang mit diesen Herausforderungen werden witzig aber auch ernst rüber gebracht, sind gepaart mit schwarzem Humor und tiefen Emotionen. Uns als Kinder- und Jugendjury hat dieser Film überzeugt und wir empfehlen ihn gern weiter."

Ich auch!



Heike Makatsch und Jasna Fritzi Bauer in About a Girl | (C) IMBISSFILM

Max-Peter Heyne - 8. August 2015
ID 8802
Weitere Infos siehe auch: http://www.aboutagirl-derfilm.de


Post an Max-Peter Heyne



 

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