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Hollywood

Dinosaurier

auf Abwegen



Bewertung:    



Clint Eastwood mag in politischer Hinsicht der widersprüchlichste und streitbarste Hollywood-Promi sein, seit der good ol‘ Duke 1972 in die ewigen Jagdgründe geritten ist. Aber ein Mann mit trockenem Humor ist auch er – und noch dazu ein bravouröser Geschichtenerzähler. Rund 25 Jahre nach dem mehrfach Oscar-preisgekrönten Western Erbarmungslos und zehn Jahre nach dem nicht minder brillanten Thriller Gran Torino kommt nun mit The Mule ein weiteres Drama von und mit Clint Eastwood (88) in die Kinos, das aus dem Alterungsprozess und der Witterungsbeständigkeit Eastwoods einen Großteil seines Unterhaltungswertes zieht.

Eastwoods unverwüstlich knorriger Charme passt perfekt auf die Rolle des 90-jährigen Earl Stone, der im wahren Leben Leonard Sharp hieß. Der greise Weltkriegsveteran wurde nach einer späten, aber erfolgreichen Karriere als Drogenschmuggler für ein mexikanisches Drogenkartell 2011 mit Kokain im Wert von rund drei Millionen Dollar von den US-Fahndern auf frischer Tat verhaftet. Viele Jahre fuhr Sharp die aus Mexiko stammenden Drogenbestände unbehelligt in den USA herum, da sein hohes Alter ihn unverdächtig erscheinen ließ.

Eastwoods Film (Drehbuch: Nick Schenk) würzt diese herrlich abstruse Geschichte mit vielen amüsanten Einfällen, die vor allem auf Eastwoods/Stones Alter anspielen. Sie lassen den vitalen Greis wie einen Dinosaurier aus einer vergangenen Ära wirken, der noch nicht so ganz mitbekommen hat, dass die "gut" alte Zeit nicht mehr in allen Belangen der veränderten Lebensrealität standhält. Dass Earl Stone nicht weiß, was eine Messenger-Nachricht ist und stämmig-butchige „Dykes on Bikes“ für einen männlichen Rockerverein hält, sind noch die harmlosesten Fauxpas. Dass er aber Afroamerikaner, denen er generös beim Reifenwechsel hilft, in aller Unbefangenheit als „you negroe people“ bezeichnet, deutet darauf hin, dass Stone auch völlig ohne Soziale Medien in einer Bubble lebt.

Dabei ist Stone beileibe nicht senil. Dem bis dahin unbescholtenen Privat-Spediteur ist schon bei seiner ersten Tour völlig klar, wie hochgradig illegal seine neue Nebenbeschäftigung ist. Dass viele Geld, über das Stone schließlich verfügt, nutzt er, um sich mit seiner Ex-Frau (Dianne Wiest) und seiner Tochter (Allison Eastwood) wenigstens halbwegs zu versöhnen. Nur seine Enkelin (Taissa Farmiga) war über viele Jahre seine Verbindung zur Familie, die der sture Macho jahrzehntelang vernachlässigt hat. Für Selbsterkenntnis ist es nie zu spät, aber bei Stone kommt sie gerade noch rechtzeitig, denn seine Geschiedene ist schwer krank.

Parallel zu Stones Schmuggelaktivitäten – deren wenige dramatische Momente der Greis mit Chuzpe zu neutralisieren weiß – wird geschildert, wie ein FBI-Büroleiter (Laurence Fishburne) und sein neuer Untergebener, Special Agent Bates (Bradley Cooper), versuchen die Schmuggelrouten des Mexikokartells herauszufinden. Doch alle Bemühungen laufen ins Leere. Gefährlicher für Earl Stone sind indes die Entwicklungen innerhalb des Kartells, wo das Haupt der Drogenmafia (Andy Garcia) trotz aller Risiken seine schützende Hand über das beste aller seiner "Maultiere" (Mules) hält. Als dies nicht mehr der Fall ist, hätte die Geschichte noch einmal an Spannung und Dramatik gewinnen können. Doch Drehbuch und Regie belassen es bei einigen konventionellen Mafia-Muskelspielen, in denen harte Kerle harte Sprüche klopfen.

Stattdessen wird auch in dieser Phase der Geschichte eher mit der Ironie gearbeitet, die sich aus dem Umstand ergibt, dass ein Mann alter Schule trotz seiner kriminellen Karriere und seiner überholten gesellschaftspolitischen Ansichten immer noch mehr Anstand und Aufrichtigkeit verkörpert als die jüngeren Banditen, deren sozialdarwinistischen, sexistischen, homophoben Ansichten extremer und vor allem unverrückbarer sind als die Stones. Und dass der hochgerüstete polizeiliche Fahndungsapparat ausgerechnet die schwächsten Glieder des Netzwerks (in diesem Fall sogar ein Greis) versucht dingfest zu machen, während die Bosse im Hintergrund unerreichbar sind, wirkt ausgesprochen bitter.

*

Hat ein Routinier wie Eastwood die naheliegenden dramatischen Funken aufgrund einer gewissen Altersmilde nicht konsequent aus der Story geschlagen? Angesichts der erwähnten Qualitäten ist das jedenfalls verzeihlich. Ein Maultier ist schließlich kein D-Zug. Gibt es DIE eigentlich noch…?



Clint Eastwood, The Mule | (C) Warner Bros Entertainment


Max-Peter Heyne - 30. Januar 2019
ID 11181
Weitere Infos siehe auch: https://www.warnerbros.com/mule


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