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London zur Weihnachtszeit: In den regennassen Straßen glitzern die Weihnachtsdekorationen, es gibt einen verwunschenen Park mitten im Westend, der wunderbare historische Marktplatz in Covent Garden wurde für das Filmset üppig dekoriert und Games of Throne-Star Emilia Clarke stürzt dort als desorientierte Weihnachtselfe durch die Gegend. Ihre asiatische Chefin (Michelle Yeoh) betreibt einen ganzjährigen Weihnachtsladen, nennt sich ungerührt "Santa" und ist mit Kates Lebenswandel gar nicht zufrieden, die ständig mit einem Köfferchen durch die Gegend zieht, um bei irgendwelchen Freunden übernachten zu können. Die erste halbe Stunde des Films ist etwas nebulös, denn Kate hat ein Elternhaus in London, in dem aber ihre übermäßig fürsorgliche und unerträgliche Mutter Petra (Emma Thompson) lebt. Der Job als Weihnachtselfe ist praktisch ein Anker in ihrem Leben, doch sie träumt von einer Karriere als Sängerin und bewirbt sich erfolglos bei Auditions, denn sie kann nicht mehr so gut singen wie früher. Dann taucht der attraktive Tom (Henry Golding) auf, ein absoluter Traummann, doch irgendwie wird da keine richtige Liebesgeschichte draus. Und ja, der Filmtitel Last Christmas bezieht sich auf die Musik von George Michael, von dem (und der Gruppe Wham!) mehrere Titel interpretiert werden.

Obwohl zu Anfang und auch mittendrin einige Weihnachtsklischees vorkommen, ist Last Christmas kein gewöhnlicher Weihnachtskitsch. Allmählich erfahren wir von Kates Krankheit, von der posttraumatischen Belastungsstörung ihrer aus Jugoslawien stammenden Mutter und der wachsenden Existenzangst der Briten seit dem Brexit-Referendum. Der Film spielt im Jahr 2017, und die Zahl der Wohnungslosen ist gestiegen. Durch Tom wird Kate auf eine Anlaufstelle für Obdachlose aufmerksam und erkennt, dass es Menschen gibt, denen es viel schlechter geht als ihr.

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Emma Thompson, ihr Ehemann Greg Wise und die Britin Bryony Kimmings schrieben das Drehbuch, das im Vorfeld auch mit George Michael besprochen wurde. Thompson und Michael engagierten sich für die Obdachlosenhilfe, und nach dem frühen Tod des Musikers war es klar, dass dieser Aspekt einen wichtigen Stellenwert bekommen sollte. Das war dem Ehepaar Wise/Thompson eine Herzensangelegenheit, weil sie 2003 im wirklichen Leben einen auf der Straße lebenden Jungen aus Ruanda kennenlernten und adoptierten.

So ist ein ungewöhnlich komplexes Weihnachtsskript dabei herausgekommen, das zunehmend an Tiefe gewinnt, tragische Elemente hat und stellenweise umwerfend komisch ist, aber doch immer angemessen und manchmal subtil. Der amerikanische Regisseur Paul Feig ist zwar für Komödien bekannt, die sich aber durch brachialen und Fäkalhumor auszeichnen und eher an niedere Instinkte appellieren. Es überrascht, dass die Zusammenarbeit mit der im vergangenen Jahr zur britischen Dame ernannten Emma Thompson so gut klappte und es zu keinen Geschmacklosigkeiten gekommen ist. Das Skript wartet mit ein paar unerwarteten Wendungen auf, und es würde den Überraschungsmoment verderben, wenn man den vorher verrät.



Kate (Emilia Clarke) und ihre Mutter Petra beim sehr unweihnachtlichen Arzttermin | © Universal Pictures

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Jedes Jahr tummeln sich Ende des Jahres im Kino diverse Weihnachtsfilme, die sich ihren Marktanteil am Geschäft sichern wollen. Früher teilten die US-amerikanischen Studios das gerne unter sich auf, aber auch Großbritannien mischt gerne mit, in diesem Fall mit der britisch-amerikanischen Ko-Produktion Last Christmas. So wurde Scrooge, eine Gestalt aus der Weihnachtsgeschichte des Engländers Charles Dickens, seit der Stummfilmzeit häufiger von Amerikanern adaptiert als von Briten. Der berühmteste britische Weihnachtsfilm dürfte Der kleine Lord von 1980 sein, der in Deutschland jedes Jahr über die Bildschirme flimmert. 2003 kam die internationale Ko-Produktion Tatsächlich... Liebe heraus, die auch oft zu Weihnachten im Fernsehen auftaucht. Es ist davon auszugehen, dass Last Christmas allein schon wegen der fantastischen DarstellerInnen bald dazu gehören wird.
Helga Fitzner - 13. November 2019
ID 11815


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