Leben oder Sterben
nach der
Pandemie
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Bewertung:
Der mittlerweile 88-jährige britische Filmregisseur und -produzent Ridley Scott - so richtig bekannt und berühmt wurde er ab 1979 mit seinem ersten Alien - hat letztes Jahr einen atmosphärisch schönen Film gefertigt, dessen Außenaufnahmen (Kamera: Erik Messerschmidt) zu einem großen Teil in Friaul, Venetien und den Abruzzen gedreht wurden. Das Ende der Sterne (Originaltitel: The Dog Stars) heißt der Streifen, und er ist seit ein paar Tagen in den deutschen Kinos zu sehen. Und nicht allein die in ihm aus der Vogelperspektive majestätisch vorgeführte Natur ist es, die ihn so sehenswert macht, sondern und vor allem sein Hauptdarsteller Jacob Elordi (als Hig), ein Musterbeispiel vorzeigbarer Sympathieträger: er sieht gut aus, er kann bezaubernd lächeln, er liebt seinen Hund, und - was mir ganz besonders gut an ihm gefallen hat - er zeigt seine Naturverbundenheit auf das Entwaffnendste. Und trotzdem knallen er und sein um paar Jahrzehnte älterer Überlebenskumpel Bangley (Josh Brolin) reihenweise Leute ab, um ihre Leichname danach unter Zutuung von Benzin abzufackeln - hm; also was ist und war da los?
"Die Zivilisation ist vorbei. Vertraue niemandem. Wenn jemand in dein Gebiet eindringt, töte ihn zuerst."
Das (s.o.) sagt Westernheld Bangley, und er hat hierfür auch einen Grund: Die unsere beiden Filmhelden von Anfang an überfallenden "Reapers" sind herumziehende Plünderer, die nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft Gewalt als Überlebensstrategie einsetzen, und Bangley nennt sie Kakerlaken, und sie tauchen immer wieder am Flugplatz auf und versuchen, in Higs und Bangleys befestigtes Gelände einzudringen - aber der Reihe nach:
"Eine Pandemie hat einen Großteil der Weltbevölkerung ausgelöscht, der Pilot Hig lebt mit seinem Hund Jasper in einem verlassenen Flugzeughangar in Colorado. Seine Frau und seine Freunde sind gestorben, Gesellschaft leistet ihm der Ex-Marine Bangley.
Eines Tages empfängt Hig einen Funkspruch, der ihm Hoffnung auf Überreste einer Zivilisation gibt. Hig macht sich mit seiner Cessna auf die Suche nach der Herkunft des Signals."
(Quelle: Wikipedia)
Und ab da, weit nach der Hälfte des zweistündigen Films, wird es noch verrückter als verrückt:
Nachdem Hig bei seinen obligatorischen Cessna-Exkursionen auf zwei weitere Pandemie-Überlebende, nämlich Cima und ihren Vater Pops (gespielt von Margaret Qualley und Guy Pearce), stößt und sich mit ihnen anfreundet und gleichsam einen weiteren Angriff der "Reapers" mehr oder weniger erfolglos abzuwehren versucht, fliehen die drei in letzter Sekunde aus der Übermacht des merkwürdigen Mörderstammes und hecheln besagtem Funkspruch [s.obigen Wikipedia-Kurzplot] entgegen und holen sich für den Regionalflughafen Grand Junction per Funk die Landeerlaubnis...
Hig hatte sich Grand Junction als eine Art Rückkehr zur alten Zivilisation vorgestellt: Strom, Essen, gesellschaftliches Leben, Sicherheit. Stattdessen findet er dort allerdings eine pervertierte Version genau dieser Zivilisation vor, und noch viel schlimmer (was die Ankömmlinge erst während ihrer spektakulären Flucht von dort bemerken): es handelt sich um Neuzeit-Kannibalen, und ihre völlig durchgeknallte Anführerin ist Darlene (Allison Janney), eine abgetakelte Altstewadress im himmelblauen Pan Am-Kostüm - das ist gekonntester Surrealismus pur, und ich halte diese Szene für die abgefuckteste im ganzen Film, mehr will ich aber nicht verraten, seht selbst!
Und schließlich - Friede, Freude, Eierkuchen - gelangt das Westernquartett (denn auch Bangley ist dann wieder mit dabei) unter die allgesunden Fruchtbarkeitsfittiche einer Minnoniten-Großfamilie; und alles wird dort wieder gut.
Erst dachte ich, dass Hig, nachdem er mit seiner Cessna nochmal eine Runde über und zwischen die Berge drehte und den Motor plötzlich abschaltete, dass er sich mit seinem Flugzeug in die Natur stürzen also (von dem Minnoniten-Gruppenzwang) definitiv verabschieden wollte; das war allerdings ein gedanklicher Irrläufer, den mir der gute alte Scott überflüssigerweise zumutete, obwohl: Ich hätte für diese Art von Suizid vollstes Verständnis gehabt.
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Jacob Elordi (als Hig) und Hund Jasper in Ridley Scotts Das Ende der Sterne (C) 20th Century Studios
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Bobby King - 31. August 2026 ID 16014
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