Zwischen Ekstase
und Eskalation
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Bewertung:
William (Nina Terese Rask) verlässt aufgebracht das Klinikgebäude und telefoniert sichtlich aufgewühlt. Sein Freund Johan (Magnus Juhl Andersen) wartete ungeduldig während des Termins für die gegengeschlechtliche Hormonbehandlung draußen. William registriert ihn nur im Vorbeigehen. Sein Telefonat unterbrechend, sagt er: „Es scheint, dass es für das Sekretariat sehr schwierig war zu verstehen, dass man gleichzeitig trans und schwul sein kann. Danke, dass du auf mich gewartet hast.“ Johan möchte ihn aufmuntern: „Egal, was passiert, für mich bist du perfekt.“ William weist seinen Trostversuch ab: „Ja, das ist auch sehr süß, aber ich tue es nicht für dich. Ich möchte nicht andauernd um Hormonreste anderer Leute betteln.“ Johan sagt freiheraus: „Ich versuche nur nett zu sein.“ Die beiden kennen sich erst wenige Wochen. Eine emotionale Kluft zwischen dem jungen Paar wird greifbar. Die Szene gipfelt in einer unbeholfenen Umarmung.
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In seinem Spielfilmdebüt Sauna (2025, nun auch auf DVD erschienen) konzentriert sich Mathias Broe auf das ambivalente Gefühlsleben seiner Protagonisten. Die Nachwuchsschauspieler verleihen dem hitzigen dänischen Liebesdrama durch wirkungsvolle Gesten und Körpereinsatz eine nervöse Energie und Lebendigkeit. Dabei beweist Broes Personenführung ein feines Gespür für Dynamiken, wenn das Paar in dieser behutsam fragilen Liebesgeschichte miteinander fremdelt. Die Rollen zwischen dem attraktiven Johan und dem gleichaltrigen Transmann William werden in der sich verändernden Beziehung neu ausgehandelt. Neben der romantischen Anziehung sieht der Zuschauer Spannungen aufgrund unterschiedlicher persönlicher Erwartungen an die Beziehung.
Auf eine ungelenke Art scheitert Johan regelmäßig an scheinbar unsichtbaren Schranken. In ruhig komponierten Detailaufnahmen folgt Broe den Bewegungen und dem Alltag seiner Hauptfigur, insbesondere wenn sich dieser unbeobachtet oder missverstanden fühlt. Johan arbeitet anfangs als Rezeptionist im Adonis, der einzigen Schwulensauna Kopenhagens. Man spürt förmlich, wie sich der Film vortastet und der blonde, blauäugige Jüngling bei William nach Zärtlichkeit und Geborgenheit sucht. Bald geben beide ihrem Verlangen und einer ungestümen Wut Raum zum Atmen. Unvermeidlich kulminieren die Konflikte. Johan will sich mit Abweisungen – vielleicht ein Lebensthema für ihn – auf gar keinen Fall abfinden.
Die Handlung driftet bald in unerwartete Richtungen ab. Die Wendungen werden zusehends hanebüchener. Als Zuschauer staunt man über Johans kompromisslose Dreistigkeit zwischen kopfloser Leidenschaft, Eskalation und Selbstzerstörung. Hier gelingt es nicht immer, seine Entscheidungen greifbar und verständlich zu machen. Eine etwas ausgefeiltere Rahmenhandlung und mehr Zeit für die zwischenmenschlichen Begegnungen hätten geholfen, um die Story nachvollziehbar zu machen. So entlässt Broe seine Zuschauer letztendlich ratlos darüber, welche Botschaft Sauna vermitteln will. Das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Mads Ananda Lodahl scheint nicht ganz ausgereift. Nichtsdestotrotz liefern insbesondere Magnus Juhl Andersen und Nina Terese Rask eine wuchtige Performance, indem sie das im Zentrum stehende Paar mit Hingabe und Charisma verkörpern.
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Johan (rechts) (Magnus Juhl Andersen) findet Geborgenheit bei William (Nina Therese Rask) | Foto © Nicolai Lok/ Salzgeber
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Ansgar Skoda - 21. April 2026 ID 15812
Salzgeber-Link zum Film Sauna
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