Zerreißprobe
auf dem
Football-
Feld
|
|
Bewertung:
„As iron sharpens iron, so one man sharpens another.“ (Dt.: „Eisen schärft Eisen, ebenso schärft ein Mann den anderen.“) Dieses Bibelzitat aus dem Alten Testament stellt Benjamin Howard dem Vorspann zu seinem Coming-of-Age-Drama Riley (mittlerweile auch als OmU-DVD erschienen) als kecke Sentenz voran.
Homosexualität im Profisport ist weiterhin ein mächtiges Tabu. Kanadas Serie Heated Rivalry über zwei Eishockey-Spieler, die heimlich eine Affäre haben, sorgte dabei jüngst weltweit für Furore. Die Macher der Serie erhielten anonyme Danksagungen von queeren Profisportlern, und die Serienhauptdarsteller wurden sogar zu Fackelträgern bei den Olympischen Winterspielen auserkoren. Connor Storrie, einer der beiden Heated Rivalry-Stars, spielt in Howards Sportlerdrama, das von Begehren, Stolz und Scham handelt, eine zentrale Rolle als langhaariger Verführer.
Der heute 31-jährige US-amerikanische Regisseur schrieb und produzierte sein queeres Coming-out-Drama über einen High-School-Footballstar selbst. Kameramann Michael Elias Thomas bleibt dicht am Titelhelden. Der Selbstfindungstrip des Schülers Dakota Riley (Jake Holley) unterläuft Erwartungen und rückt den Protagonisten immer wieder in ein anderes, neues Licht. Gleich in der ersten Szene sehen wir, wie Riley einen noch fremden, älteren Mann, der sich Obi-Wan (J.B. Waterman) nennt, für ein unverbindliches Hookup auf dessen Anwesen aufsucht. Riley ist dabei zwar unbeholfen, aber dennoch entschlossen.
Auch in der Schule und beim Mannschaftssport gibt sich Riley nach außen hin forsch, erscheint jedoch eigentlich eher schüchtern und nachdenklich. In seiner Footballmannschaft genießt er ein hohes Zugehörigkeitsgefühl sowie viel Anerkennung und hat einen guten Stand in der von körperlicher Härte, Kraft und Aggression dominierten Sportart. Er wird für seine Beziehung mit der beliebten Schülerin Skylar bewundert, die von Riley Quinn Scott mit leisen und sensiblen Nuancen verkörpert wird. Holleys und Scotts Gesichter erzählen in intimen Szenen viel und bauen so eine emotionale Bindung zu ihren Figuren auf.
Rileys Vater Carson (Rib Hillis) ist gleichzeitig der Head Coach seines High-School-Football-Teams. Der ehemalige Athlet, dessen eigene Profikarriere einst durch eine schwere Verletzung abrupt endete, reicht den Erfolgsdruck an den Sohn weiter. Beim familiären Essen, bei dem auch Rileys bester Freund und Mannschaftskollege Jaeden (Colin McCalla) zugegen ist, wird gebetet. Riley teilt sich mit Jaeden ein Zimmer, da dieser vorübergehend in seiner familiären Situation keine Unterkunft hat. Die beiden verbringen als enge Kumpels viel Zeit miteinander, was für Riley jedoch zur emotionalen Zerreißprobe wird, da er Jaeden heimlich begehrt und die ständige körperliche Nähe seine unterdrückten Gefühle intensiviert. Einige Szenen zeigen die beiden beim Partnertraining an den Langhanteln und bei anderen sportlichen Aktivitäten.
Das Drama entwickelt nach kurzer Zeit eine vielschichtige und wendungsreiche Dynamik. Jake Holley zeichnet Riley als tiefgründigen Charakter. Der agile, innerlich zerrissene Sportler misstraut sich selbst und den eigenen Instinkten. Er versucht, mit seinen Gefühlen und Schwächen klarzukommen. Doch die Sehnsucht nach Freiheit und sexueller Befriedigung schwillt an. Statt die raue Machokultur im American Football bloßzustellen, ergründet Riley Themen wie Maskulinität und männliches Verlangen auf empfindsame Art und Weise. Die Extras der DVD sind leider recht übersichtlich. Benjamin Howards Werk ist aber trotzdem ein feinfühliges und starkes Plädoyer voller empfindsamer Einblicke gegen das homophobe Tabu im Sport.
|
Jake Holley in der Titelrolle des Dakota Riley, Star seiner Mannschaft im American Football | Foto © Salzgeber
|
Ansgar Skoda - 19. August 2026 ID 15991
Salzgeber-Link zu Riley
Post an Ansgar Skoda
skoda-webservice.de
DVD
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Rothschilds Kolumnen
BERLINALE
DOKUMENTARFILME
DVD
FERNSEHFILME
HEIMKINO
INTERVIEWS
NEUES DEUTSCHES KINO
SPIELFILME
TATORT IM ERSTEN Gesehen von Bobby King
UNSERE NEUE GESCHICHTE Reihe von Helga Fitzner
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|