Ping-Pong
mit einer
Extraportion
Ego
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Bewertung:
Jetzt erst recht – das Fass der Möglichkeiten scheint im Manhattan der 1950er Jahre sperrangelweit offen zu stehen. Als junger Mensch setzt das Tischtennistalent Marty Mauser (Timothée Chalamet) auf Risiko und möchte bei Wettkämpfen so viel wie möglich erreichen. Er jagt mit Biss großen Träumen hinterher. Sein Draufgängergeist ist entwaffnend, da er mit der Leidenschaft für seinen Sport nicht hinterm Berg hält. Das Spiel mit dem kleinen Ball ist zur damaligen Zeit ein Nischensport, das zwar größer vermarktet, aber von vielen kaum beachtet wurde.
Marty Supreme (seit kurzem auch auf DVD erschienen) beruht lose auf dem Leben der amerikanischen Tischtennis-Legende Martin „Marty“ Reisman (1930-2012), der in den 1940er und 1950er Jahren als schillernder Ausnahmesportler und trickreicher Wettspieler berühmt wurde. Inspiriert von Reismans 1974er Autobiografie The Money Player erzählt der Film jedoch keine exakte Biografie, sondern bettet die fiktionalisierte Hauptfigur in eine frei erfundene Geschichte voller chaotischer Abenteuer ein.
Timothée Chalamet, der zu Recht für seine Darstellung der Titelfigur einen Golden Globe erhielt und unter den oscarnominierten Hauptdarstellern lange als Favorit galt, spielt mit Verve und Furor auf. Er gestaltet Marty als faszinierend komplexe Persönlichkeit: hyperaktiv, kenntnisreich, unterhaltsam und stets mit innerer Glut. Ein wenig kopflos, kühl und zurückweisend verhält er sich gegenüber möglichen familiären Verpflichtungen. Er scheint ignorant gegenüber anderen Meinungen zu sein und geht seinen eigenen Weg mit Übermut und überbordendem Ehrgeiz.
Regisseur Josh Safdie und Kameramann Darius Khondji entschieden sich bei der Verfilmung des Stoffs für eine klassische, haptische Kinotechnologie, um den Look des New Yorks der 1950er Jahre authentisch einzufangen. Sie arbeiten mit Lichtkränen, Steadicams und mitunter unruhigen, pulsierenden Handkameras. Es gibt rasante Kamerafahrten, extrem schnelle Schwenks, fliegende Schnitte und eine fiebrige Dokumentar-Ästhetik. Auch durch die schillernde Bildersprache entwickelt das biografische Werk eine spannende, mitunter absurde Dynamik, die einen nicht wegschauen lässt und über eine Dauer von etwa 150 Minuten für pausenlosen Nervenkitzel sorgt.
In den Wettkampfszenen richtet Marty sich tapfer auf, tritt ins Ringlicht und übt sich in Posen, während ein Wispern durch die Zuschauerreihen geht. Es kommt zu aggressiven oder trickreichen Eröffnungsvarianten, bei denen er auf sich allein gestellt ist. Beim Spiel verschwendet Marty jedoch keine Kraft fürs Hadern. Er hält Geschwindigkeit und Ausdauer. Der Protagonist lädt zum Mitfiebern ein, wenn er sich auf die Technik konzentriert, den Fokus hält und intuitiv die Zeit managt. Er lernt, sich nicht ablenken zu lassen. Er arbeitet mit Intensität bei komplizierten Eröffnungen und durchleuchtet Gegner auf ihre Gewohnheiten hin.
Die kühn erzählte Story fesselt auch durch einen wuchtig pulsierenden Score von Daniel Lopatin. Die vielen Konflikte und Figuren sorgen leider in einer Art instinktivem Rausch auch für erzählerische Entgleisungen. Ein unerwarteter und aberwitziger Showdown lässt das Publikum um Fassung ringen. Aus dem inspirierten Ensemble sticht Odessa A'zion als schwangere Geliebte Martys heraus, die mit ihm gemeinsam grübelt und ihn stets unterstützt. Sie scheint die eigene Armut in ihrem prekären Milieu verinnerlicht zu haben und wirkt gegenüber dem kleinkriminellen Zocker Marty aufrichtig und verletzlich. Der überdrehte Film lebt auch hier von den Auslassungen, in die die Betrachter eigene Bilder hineingeben dürfen.
Die DVD enthält als Bonus-Feature einen Kameratest mit Timothée Chalamet und Gwyneth Paltrow, die im Biopic die Nebenrolle eines Filmstars spielt, mit dem der Titelheld eine Affäre hat. Während des Tests umkreisen sich die beiden Darsteller in einer Annäherung zu Randy Newmans „I Want You to Hurt Like I Do“. Regisseur Safdie kommentiert diese Improvisation.
Außerdem gibt es im Bonusmaterial ein etwa 20-minütiges Making-of mit Statements des Regisseurs und des Titeldarstellers. Safdie nennt Chalamet hier vertraulich „Timmy“. Chalamet verrät, dass sich Safdie beim gemeinsamen Training das Knie verstauchte. Oscarpreisträgerin Gwyneth Paltrow und Kevin O’Leary, der im Film ihren vermögenden Ehegatten mimt, kommen ebenfalls zu Wort. O’Leary, ein kanadischer Unternehmer, ist bekannt für Medienauftritte in Fernsehshows wie Shark Tank und eigentlich kein Schauspieler. Er verkörpert in Marty Supreme seine erste Drehbuchrolle. Seine Figur erniedrigt Marty sowohl körperlich als auch verbal, wenn dieser bei ihm um Finanzmittel wirbt. Er nutzt vieldeutige Aussagen wie: „Sie können es nicht wissen, weil Sie über keinerlei Macht verfügen.“
Neben Produktionsdesigner Jack Fisk, Kostümdesignerin Miyako Bellizzi und Komponist Daniel Lopatin, die ihre Arbeit Revue passieren lassen, spricht auch der US-amerikanische Rapper und mehrfache Grammy-Preisträger Tyler Okonma, der im Film einen Weggefährten Martys mimt, spontan über Vor-Ort-Eindrücke während des Drehs.
Das DVD-Erlebnis wirkt nach. Wer bisher noch nicht glaubte, dass Tischtennis eine erzählenswerte Geschichte hat, findet hier einen vielfach preisgekrönten Gegenbeweis, der dieser Sportart den gebührenden Respekt zollt.
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Timothée Chalamet erhielt für seine Darbietung in der Titelrolle 2026 einen Golden Globe Foto © Entertainment Film Distributors
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Ansgar Skoda - 3. Juli 2026 ID 15930
Weitere Infos siehe auch: https://tobis.de/titel/marty-supreme
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DVD
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