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DVD-Kritik

Ausgelutscht

und blutleer



Bewertung:    



Dieser Pfähler ist zum Davonfliegen: Geschehnisse erscheinen substanzlos, verheddern sich, es fließt viel Blut, doch neue Akzentsetzungen ergeben wenig Sinn. In Luc Bessons Neuverfilmung des ikonischen Schauerromans von Bram Stoker versorgen sogenannte Gargoyles den legendären Fürsten der Finsternis (Caleb Landry Jones). Die an mittelalterliche Wasserspeier angelehnten Steingestalten sehen lieblos computergeneriert und unfreiwillig komisch aus. Als übertriebener Overkill mutet es zudem an, dass der unsterbliche Aristokrat ein spezielles Vampir-Parfüm nutzt, um Frauen zu verführen. Hier wird ein künstlicher Zusammenhang zwischen Vampirismus und chemischen Produkten hergestellt, der abstrus, kurios und genrefremd wirkt.

Als baldiger Widersacher des untoten Grafen Vlad wird ein unkonventioneller Priester (Christoph Waltz) in das Geschehen eingeführt. Dieser drischt voll trockenen Humors in einem fort hohle Phrasen und bewahrt auch während der Kampfhandlungen fast theatralisch die Ruhe. Der deutsch-österreichisch-US-amerikanische Waltz bedient erneut einen Typus aus den Quentin Tarantino-Blockbustern, für die er zwei Oscars als bester männlicher Nebendarsteller erhielt. Auch hier kontrastiert seine höfliche Ausdrucksweise mit brutalen Gewaltspitzen. In der britisch-französischen Produktion erscheint die komische Überzeichnung der Priesterfigur jedoch unpassend und bizarr.

Mit dem Original-Untertitel Dracula. A Love Tale orientiert sich das Horror-Drama an der aufwendigen Verfilmung Bram Stokers Dracula (1992) von Altmeister Francis Ford Coppola, das mit dem Slogan „Love never dies“ ebenso die romantische Ebene der Erzählung in den Mittelpunkt stellte. Bessons Neuverfilmung legt gleichfalls einen Schwerpunkt auf die Liebesgeschichte zwischen Prinz Vlad und Prinzessin Elisabeta respektive Mina Murray (Zoë Bleu Sidel in einer Doppelrolle). Während Coppola jedoch die Liebesgeschichte mit Close-ups, Perspektivverschiebungen, Wahrnehmungsnuancen, Blickbewegungen und Lichtwechseln vielschichtig bebilderte, fokussiert Besson in seiner pompös-übersteigerten Neuverfilmung die mühsame, tastende Annäherung Minas an Dracula kaum.

Coppolas Verfilmung gilt bis heute als werkgetreueste Adaption des Klassikers. Es wird bei Coppola deutlich, dass Stokers Roman auf Briefen und Tagebucheinträgen aufbaut. Diesen Subtext berücksichtigt der Franzose Besson kaum. Bei Coppola erscheint Mina, getreu der Romanvorlage, als wichtige Erzählerin der Geschichte, wenn ihre Figur Aufzeichnungen aus dem Off wiedergibt. Coppola findet schöne Bilder für Minas emotionale Verunsicherung durch die Verheißungen Draculas und zeichnet sie als komplexes Individuum mit einander widerstrebenden Gefühlswelten. Bei Besson erhält die US-Amerikanerin Zoë Bleu Sidel in der Rolle der Mina wenig Raum und bleibt demgemäß blass.

Gegen Ende übernimmt Luc Besson das Motiv der Reinkarnation von Coppola, ohne jedoch neue Impulse zu setzen oder eine ähnlich visuell eindrückliche Ausgestaltung zu finden. Sein gruftiger Edelkitsch erscheint reizlos, zäh und mit übertrieben unruhiger Kameratechnik erzählt. Besson konnte weder an Coppolas Meisterwerk des Genres noch an den großen Erfolg der artverwandten US-Neuverfilmung Nosferatu (2024) von Robert Eggers anknüpfen. Während das Remake von Nosferatu bei den Einspielergebnissen die Erwartungen übertraf und für zahlreiche Filmpreise nominiert wurde, blieben die Besucherzahlen von Dracula – Die Auferstehung hinter den Prognosen zurück. Trash-Einlagen bleiben in Erinnerung, Grusel-Momente fehlen weitestgehend. Die DVD bietet Featurettes, Interviews mit Luc Besson und zusätzliches Videomaterial in einer B-Roll.



Dracula – Die Auferstehung | © Leonine Distribution

Ansgar Skoda - 1. April 2026
ID 15782
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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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