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DVD-Kritik

Vom Zuchthaus

ins Spielwaren-

haus



Bewertung:    



Gerade eben war der athletische Muskelprotz noch ein Ausbund an Nonchalance und trotziger Abgeklärtheit. Alles kollabiert nun um ihn herum, als er auf der Flucht vor der Polizei zahlreiche Haken schlägt.

Soll dies eine Komödie sein, ein Gangster-Spektakel, ein Liebesfilm oder gar ein Biopic? Der Film beruht schließlich auf tatsächlichen Begebenheiten. Der Hochstapler – Roofman verweigert sich einer klaren Genre-Zuordnung, da er mit einer speziellen Art von Humor und wechselnden Tonalitäten spielt.

Jeffrey Manchester, ein Veteran der US-Armee, verstieß als mehrfacher Einbrecher gegen Regeln und Grenzen. Doch die US-Amerikaner lieben ihre Verbrecher bekanntlich, sei es nun den wiedergewählten US-Präsidenten Donald Trump, der etwa wegen sexueller Nötigung, Verleumdung sowie als Betrüger für 34 Fälschungen von Geschäftsunterlagen verurteilt wurde, oder eben jenen Jeffrey Manchester, der in den späten 1990er-Jahren mindestens 45 McDonald’s-Imbisse ausräumte. Er stieg über die Dächer der Filialen ein und wird deshalb landläufig „Roofman“ genannt.

Nachdem er 2000 gefasst worden war, verurteilte ihn das Gericht zu 45 Jahren Haft. 2004 brach Jeffrey Manchester in North Carolina aus dem Gefängnis aus und war fast sieben Monate auf der Flucht, bevor er wieder gefasst wurde. In dieser Zeit versteckte Manchester sich unter anderem monatelang in einem „Toys 'R' Us“-Geschäft, einer Filialkette für Spielzeug, Babyartikel und Freizeitprodukte, wovon der Film erzählt.

Derek Cianfrance etabliert Milieus und skizziert Charaktere rasant, jedoch nicht atemlos, denn die Wendungen sind überschaubar. Channing Tatum legt seine Figur mit nur wenig Ambivalenz an. Im Spiel des Lebens boxt er sich mit großer Klappe und Charisma durch. Er ist schon zu Beginn als Sympathieträger gezeichnet, der sich als Einbrecher gegenüber seinen Opfern nahbar gibt und sich als Vater rührend und redlich um seine Tochter bemüht. Tatum zeichnet Jeffrey mit viel Energie, Dynamik, Wärme und Witz, wenn der Magic Mike-Star etwa skatet und fast nackt in Shorts tanzt, während er nachts allein im Kaufhaus lebt. Über die Überwachungskameras, die er manipuliert, lernt er die Rituale des Supermarkt-Personals kennen und verliebt sich in eine Verkäuferin.

Kirsten Dunst ist mit ihrer diskreten Darstellung der alleinerziehenden Verkäuferin Leigh Wainscott eine aufgeweckte, widerständige und einnehmende Protagonistin. Der kleinwüchsige Game of Thrones-Star Peter Dinklage hat schreiend komische Auftritte als biestiger, stichelnder und schräger Spielwarenladenchef. Etwas farblos bleiben LaKeith Stanfield als Jeffreys Partner in Crime und Juno Temple als dessen aufgedonnerte Freundin.

Es folgt das lange Absehbare, das etwas bittersüß Tröstliches hat. Hier wird die Menschlichkeit, das Gute und die Gemeinschaft gefeiert. Es wäre wohl kleinlich, sich von der vorhersehbaren Story die Freude an dem Film verderben zu lassen. Die spielerische Finesse des Films sollte man auch nicht als seicht oder trivial missverstehen.

Der Hochstapler - Roofman hat starke Momente, überzeugt aber nicht durchweg. Es fehlt ein bisschen der Blick auf die Schattenseiten, denn der Film erzählt ausschließlich aus Jeffreys Perspektive. Wenn Cianfrance hier Jeffrey ein Denkmal setzt, blendet er so einiges Unbefriedigendes aus. Als mittelmäßiges Biopic weist der Film so viele Leerstellen auf, doch als Liebeskomödie ist insbesondere die Besetzung mit Channing Tatum und Kirsten Dunst ein Coup. Beide verkörpern ihre Figuren nachvollziehbar und mit elektrisierender Energie.

*

Das Bonusmaterial enthält etwa acht Minuten unverwendete Szenen mit dem fiktiven Interview eines Zeugen eines Roofman-Überfalls und einer starken Szene mit Leighs Perspektive während ihres letzten Anrufs bei Jeffrey, umgeben von einer Taskforce aus Polizisten.

In einer halbstündigen, sehenswerten Featurette erzählt Regisseur Cianfrance, wie er vor dem Filmdreh Kontakt mit dem inhaftierten Jeffrey aufnahm und regelmäßig mit ihm telefonierte, oft stundenlang. Der Inhaftierte vermittelte dem Regisseur Kontakte zu Angehörigen und Freunden. Cianfrance drehte dann an Originalschauplätzen, wie etwa einer Kirche und einem Gemeindehaus, das Jeffrey und Leigh zusammen besuchten.

Besonders schwer war es, eine „Toys 'R' Us“-Filiale für den Film zu finden. Die Kette hatte Insolvenz angemeldet und bis 2018 alle US-Filialen liquidiert. Schließlich wurde ein leerstehendes, ehemaliges Geschäft angemietet und mit den nötigen Accessoires und Produkten ausgestattet. Die Featurette präsentiert hier diverse Innenarchitektur-Pläne und zeigt im Schnellvorlauf die Wiedereinrichtung. Peter Dinklage berichtet, dass die Filmcrew regelmäßig Neugierige wegschicken musste, die auch aus nostalgischen Gründen den wiedereingerichteten Store besuchen wollten.

Cianfrance lässt Personen aus Jeffreys Leben in kurzen Auftritten in Roofman - Der Hochstapler mitspielen, wie den Pastor Ron Smith oder Katherine Scheimreif, die jedoch nicht sich selbst verkörpern. Scheimreif mimt hier eine Kirchgängerin; in der Realität verhaftete sie jedoch Jeffrey als Sergeantin. Die Featurette zeigt auch die reale Leigh Wainscott. Anekdotenhaft erzählen Tatum und Dunst, dass Cianfrance manchmal die Setbedingungen unangekündigt änderte, um sie während der Drehszene zu verunsichern und so besonders authentische Aufnahmen zu schaffen.



Der Einbrecher Jeffrey Manchester (Channing Tatum) verliebt sich in die alleinerziehende Verkäuferin Leigh Wainscott (Kirsten Dunst) | Foto © LEONINE Studios

Ansgar Skoda - 27. Mai 2026
ID 15878
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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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