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Rezension


„In Time – Deine Zeit läuft ab“ (USA 2011)

Drehbuch und Regie: Andrew Niccol

Starttermin: 1. Dezember 2011

“Die Armen sterben und die Reichen leben nicht“

In der Zukunftsvision von „In Time“ lebt der gen-manipulierte Mensch, bis er 25 Jahre alt ist. Danach altert er nicht mehr, hat aber nur noch ein Jahr auf seiner „Uhr“, einem in seinen Unterarm tickenden digitalen Zeitmesser. Es wird kein Geld mehr verdient, sondern Zeit. Der überwiegende Teil der Bevölkerung muss Tag für Tag sein knappes Zeitkonto durch harte Arbeit auffüllen. Wer das nicht rechtzeitig schafft, fällt auf der Stelle tot um. Die Masse der im wahrsten Sinne des Wortes am Existenzminimum lebenden Menschen hat nicht einmal Zeit genug zu rebellieren.

Zeit ist die neue Währung © 20th Century Fox
Für Will Salas (Justin Timberlake), der in Dayton, einer der ärmsten „Zeitzonen“ lebt, fängt der Tag ganz gewöhnlich an. Seine Mutter (Rachel Wilde) überträgt 30 Minuten Zeit von ihrer Lebensuhr auf ihren Sohn, damit dieser sich ein Mittagessen leisten kann. Will soll nach der Arbeit seine Mutter vom Bus abholen, damit er wiederum rechtzeitig ihr Zeitkonto auffüllen kann. Der Tag geht mit gewohntem Unmut weiter, diesmal wurde der Kaffeepreis über Nacht von drei Minuten auf vier Minuten erhöht. Streiten, lohnt nicht, das würde noch mehr Zeit kosten. Auch die Zeitlöhne werden willkürlich gekürzt, so dass der Existenzkampf immer härter wird.

Dieser Tag wird noch alles in Wills Leben verändern. Seine Mutter hat nach der Arbeit nicht mehr genug Zeit, um sich ein Busticket zu kaufen. Also muss sie nach Hause laufen, um rechtzeitig ihren Sohn zu finden. Wenn sie sich unterwegs von jemandem Zeit leihen will, werden die Türen verschlossen. Solche Verzweiflung ist man in Dayton gewohnt. Als seine Mutter nicht im Bus ist, ahnt Will Schreckliches und läuft ihr entgegen. Er erreicht sie aber nicht mehr rechtzeitig, sie bricht vor seinen Augen tot zusammen. In Dayton ist das kein ungewöhnliches Bild. An diesem Abend begegnet Will noch einem Fremden, der über sehr viel Zeit verfügt und dem die Bewohner Daytons nun seine Zeit stehlen wollen.

Nachdem er ihm zur Flucht verholfen hat, bekommt Will im Schlaf 100 Jahre Zeit von dem Lebensmüden geschenkt, der sich danach umbringt. Deswegen hat Will nun die Timekeeper, die Hüter der Zeit, auf seinen Fersen. Denn in seiner „Zeitzone“ fallen so hohe Werte auf. Also macht er sich auf den teuren Weg über mehrere Zeitzonen nach New Greenwich, wo Leute leben, die fast unsterblich sind, weil sie auf Kosten der Mehrheit Tausende von Jahren Zeit angehäuft haben. Will fällt dort auf, denn er bewegt sich viel zu schnell. Das haben die Menschen dieser Eliteschicht nicht nötig. Es geht alles andere als berauschend zu in deren Welt. Will stellt fest: “Die Armen sterben und die Reichen leben nicht“.

Im Casino gewinnt er von dem superreichen Philippe Weis (Vincent Kartheiser) sehr viel Zeit. Doch die Timekeeper, allen voran Raymond Leon (Cillian Murphy), jagen ihn. Um sich zu retten, nimmt Will die Tochter des Superreichen als Geisel und flüchtet. Die beiden sind sich aber zugetan, so dass Sylvia (Amanda Seyfried) im Laufe der Flucht zur Komplizin wird. Als sie Wills trostlose Zeitzone kennen lernt, raubt sie mit ihm die Bank ihres Vaters aus und verteilt die Zeit an die Armen. Doch leider ist dies kein Robin-Hood-Märchen. Die wenigen Mächtigen wissen sich gegen die Machtlosen zu wehren, denn diese sind unorganisiert und können mit der Zeit nicht richtig umgehen. Außerdem sind selbst Millionen von Jahren unter Millionen von Menschen aufgeteilt nicht ausreichend für eine normale Lebenserwartung für alle. Es müsste also ständig und in großem Stil weitergehen. Einfach aussichtslos, denn die Superreichen haben alle Macht und Mittel...

Will (Justin Timberlake) und Sylvia (Amanda Seyfried) auf der Flucht © 20th Century Fox
Der Neuseeländer Andrew Niccol tritt bei „In Time“ als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur in Erscheinung. Nachdem er „Gattaca“ von 1997 mit Uma Thurman und Ethan Hawke geschrieben und inszeniert hat, sind die Erwartungen an ihn hoch. Er schrieb auch die Drehbücher für „The Truman Show“ (1998) mit Jim Carrey, Steven Spielbergs „Terminal“ (2004) und „Lord of War“ (2005) mit Nicolas Cage, bei dem Andrew Niccol auch Regie führte. Das Drehbuch für „In Time“ ist nicht ganz gelungen, weil es an einigen Stellen nicht logisch ist und es wohl mehr als eine Intention gibt, wodurch Niccol sich ein wenig verzettelt. Er setzt in der zweiten Hälfte sehr auf Action, wobei er die Geschichte absichtlich als Thriller inszeniert hat. Die Grundidee aber, Zeit als Geld einzuführen, ist einfach genial und da ist es schade, dass er das Potential nicht weiter ausgereizt hat. Das Aussaugen der arbeitenden Masse durch wenige Reiche ist durch den Dreh mit der Zeituhr sehr extrem dargestellt. Der Kausalzusammenhang zwischen Ausbeutung und reduzierter Lebenserwartung ist dadurch sehr anschaulich geworden. Auch die Erkenntnis des Protagonisten, dass die Reichen trotz (oder wegen?) ihrer unbegrenzten Zeit gar nicht glücklich sind, gibt zu denken auf. Der Unsterblichkeitswahn ist ad absurdum geführt, die brutale Gewalt des Machtapparats gegen die Aufständischen weckt Erinnerungen an die aktuellen Ereignisse in unserer Gegenwart.


Helga Fitzner - 5. Dezember 2011
ID 5523

Weitere Infos siehe auch: http://www.intime-derfilm.de





 

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