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Filme


Großbritannien 2009

Radio Rock Revolution

Originaltitel: The boat that rocked

Drehbuch und Regie: Richard Curtis
Musikkomödie mit Philip Seymour Hoffman, Rhys Ifans, Bill Nighy, Nick Frost, Kenneth Branagh, Emma Thompson

Starttermin: 16.04.2009

Die wollen nur spielen. Aber man lässt sie nicht. - Wir schreiben das Jahr 1966. Die britische Rock- und Popkultur ist auf der Überholspur. Die Musik-Titanen der Zeit heißen The Beatles, The Rolling Stones, The Kinks, Dusty Springfield, The Who und Small Faces. Und – sie alle stammen aus dem Vereinigten Königreich. Längst ist die Weltöffentlichkeit auf die kultverdächtigen Insulaner aufmerksam geworden. Aber die BBC, der öffentlich-rechtliche britische Radiosender, widmet gerade mal zwei Stunden Sendezeit pro Woche dieser Musikrichtung. Zu wenig, finden eine Handvoll ausgeflippte Musikfreaks. Sie gründen einen Piratensender, der von einem rostigen Kahn außerhalb der Dreimeilenzone von der Nordsee aus sendet. Dort geht rund um die Uhr Rock- und Popmusik über den Äther. 25 Millionen britische Zuhörer werden zu begeisterten Anhängern.




Die britischen Autoritäten sind „not amused“. Allen voran der Minister ihrer Majestät Dormandy (Kenneth Branagh). Er hat dem anarchistischen Geplärre und seinen Vertretern den offenen Kampf angesagt. Hier ist etwas außer Kontrolle geraten. Da ist der Amerikaner The Count (Philip Seymour Hoffman), der nicht nur die grauenvolle Musik, sondern auch unanständige Worte im Radio bringt. Dann kehrt auch noch der charismatische DJ Gavin (Rhys Ifans) von einer längeren Drogentournee zurück und sorgt für Begeisterungsstürme. All das erschüttert Großbritannien in seinen traditionellen Grundfesten.


Rhys Ifans und Bill Nighy.


Der 18-jährige Carl (Tom Sturridge) ist gerade von der Schule geflogen. Da seine Mutter nichts mit ihm anzufangen weiß, schickt sie ihn zu seinem Patenonkel Quentin (Bill Nighy), der den Piratensender managt und auf dem Schiff lebt. Die Zuschauer erleben diese geschlossene Gesellschaft von Aussteigern durch Carls Augen. Carl ist noch Jungfrau und wundert sich über das rege Sexleben der Männer. Den Radiomoderatoren fliegen die Mädchenherzen reihenweise zu. Das Boot wird gelegentlich von grell geschminkten, kreischenden jungen Frauen in Miniröcken bevölkert. Alkohol, Zigaretten und Drogen gehören zum Alltag. Die Mission der Schiffsbesatzung ist Carls als überfällig betrachtetes „erstes Mal“. Aber das geht schief. Irgendwie ist man sich nicht einig. Die einen wollen nur Sex, der andere nur die große Liebe. Carl selbst hat sich verliebt, die junge Dame ziert sich aber noch.
Minister Dormandy schafft es schließlich, den Piratensender verbieten zu lassen. Er lässt extra ein neues Gesetz zu diesem Zweck verabschieden. Ein politischer Geniestreich, der ihn sehr zufrieden macht. Das ändert sich, als die Radiomoderatoren so tun, als würden sie ab Mitternacht nicht mehr senden. Sie tun es trotzdem. Eine offene Kampfansage an das Establishment.


Der Tag der Rache kommt für Dormandy aber bald. Der rostige Kahn schlägt leck und wird bald sinken. Die Moderatoren schicken noch einen Hilferuf über den Äther, weil die Rettungsboote kaputt sind und sie bald zu ertrinken drohen. Dormandy sorgt dafür, dass die Küstenwache und die Rettungsboote nicht ausrücken...

Regisseur Richard Curtis gilt seit seinen Drehbüchern für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Bridget Jones“ als Komödienspezialist. Auch hier wird er seinem Ruf wieder gerecht. Diesmal ist die Kost aber noch leichter. „Radio Rock Revolution“ ist ein Gute-Laune-Film mit einem beachtlichen Soundtrack. Es wird alles gespielt, was damals für Aufruhr sorgte. Die Schauspieler glänzen durch Übermut und Spielfreude, selbst Kenneth Branagh als verkniffener Minister hat Unterhaltungswert. Tiefgang hat nur die Nordsee. Der Film ist als Unterhaltungsspektakel gedacht.

Der historische Hintergrund der wachsenden Jugendkultur ist gut getroffen, bleibt aber unkommentiert. Diese Musik wurde als gefährlich eingeschätzt, weil sie das Lebensgefühl der damaligen Jugend ausdrückte. Sie war etwas Eigenständiges, nichts, was von den Eltern übernommen worden wäre. Die Jugend machte sich zwar die Attribute des Erwachsenseins zu eigen, wie Sex, Alkohol- und Zigarettengenuss, führte das aber weiter bis hin zu Drogenexzessen. Die Haare der Männer wurden immer länger, die Röcke der Frauen immer kürzer. Aber ansonsten verweigerte sich die Jugend der Leistungs- und Konsumgesellschaft, lehnte Autoritäten und Hierarchien ab. Der Film ist im Prinzip die Vorgeschichte der 68er Revolution, der Hippie-Bewegung und der Proteste gegen den Vietnamkrieg. (Siehe „Der Baader-Meinhof-Komplex“). Das interessiert aber in diesem Zusammenhang nicht. Der Film ist Lebensfreude pur und eine herrliche Mischung aus Comedy und Klamauk.


Helga Fitzner - red / 19. April 2009
ID 4279

Weitere Infos siehe auch: http://movies.universal-pictures-international-germany.de/radiorockrevolution/





 

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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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