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Feuilleton


(USA, 2006)

Die Prophezeiungen von Celestine

Regie: Armand Mastroianni

Nach dem Bestseller von James Redfield

Esoterik-Thriller

Die Menschheit steht am Wendepunkt. Durch ein Umdenken erschließen sich uns neue Kräfte. Wir können lernen, die göttliche Energie zu spüren und mit ihr umzugehen. Durch dieses Erwachen wird Frieden einkehren und das Ende der Gewalt. - Dies sind ein paar Möglichkeiten aus den „Prophezeiungen von Celestine“. Diese waren schon als Buch ein Weltbestseller und machen nun als Film Furore. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten beschäftigt viele Menschen seit Jahren, denn Autor James Redfield hat mit der Veröffentlichung des Buches 1993 einen Nerv getroffen. Das funktioniert jetzt ganz offensichtlich auch mit der erfolgreichen Verfilmung des Stoffes. Vielleicht ist es an dieser Stelle nützlich, die historischen Hintergründe kurz zu skizzieren, um das Phänomen Redfield einordnen zu können.
Mystiker und Propheten hat es zu allen Zeiten gegeben. Das waren meist nur Einzelne oder kleinere Gruppierungen. Durch den Vietnamkrieg änderte sich das in den 1960-er Jahren. In der westlichen Hemisphäre entwickelte sich eine pazifistische Gegenbewegung, die sich von ihren Religionen, namentlich dem Christentum, abwandte und sich in der New-Age-Bewegung Raum und Luft verschaffte. In dieser Zeit standen erstmalig einer breiten Gesellschaftsschicht Schriften mit esoterischen Inhalten zur Verfügung. Teilweise waren dies Erkenntnisse, die die Menschen zur Selbstermächtigung führten und deshalb von einigen der großen Weltreligionen bewusst verschwiegen worden waren. Eine „eigenständige“ Spiritualität war dem Christentum, dem Judentum und dem Islam eher suspekt. Das esoterische, also geheime Wissen sollte nur wenigen, geschulten Eingeweihten vorbehalten sein. Man hielt offenbar die Menschheit noch nicht für reif genug, mit der Macht dieses Wissens verantwortungsvoll umzugehen. – Das ist eine der Fragen, die auch in den „Prophezeiungen von Celestine“ aufgegriffen wird.


John Woodson (Matthew Settle) hat die Prophezeiungen verstanden


Diese Bewegung ließ sich im Lauf der 70-er Jahre nicht mehr aufhalten und entwickelte sich zu einem Massenphänomen. Übersetzungen fernöstlicher Schriften überfluteten den Büchermarkt. Hinduismus und Buddhismus mit ihren Meditationen und Yoga-Übungen waren attraktiver als Kirchenbänke und Gebetsbücher. Das Christentum beharrte auf seinen Auslegungen von Religion, deren Erkenntnisse, wenn man genau hinschaut, sich von den plötzlichen „Erleuchtungen“ der New Ager gar nicht so sehr unterschieden. Doch je starrer die Religionsausübung stattfand, um so schneller wanderten die Menschen ab bis hin zu den heutigen Massenaustritten aus der Kirche. Dem Wunsch nach Ganzheitlichkeit und der alle Bereiche durchdringenden Erfahrbarkeit des Göttlichen trug das oft zum Vernunftglauben reduzierte Christentum keine Rechnung.
Mit der Flut von Gurus, Swamis, Babas und sonstigen Heiligen waren aber auch die Schleusen für Irreführung und Missbrauch geöffnet. Es bildeten sich Sekten, deren Mitglieder dem gleichen Machtmissbrauch ausgesetzt wurden, wie das die christlichen Kirchen, zum Teil in grauer Vorzeit, selber gemacht hatten. Trotzdem bildeten sich zwei Lager. „Religion“, im Sinne von Christentum und die „Spiritualität“, die von der Esoterikszene gepachtet wurde. Plötzlich wurden zwei Begriffe als Gegensatzpaar gehandelt, die einander gar nicht ausschließen.

James Redfield gehörte als Kind der methodistischen Kirche an. Hier fand er für sich keine Antwort auf die Frage nach der wahren spirituellen Natur des Menschen. Er studierte Soziologie und Östliche Philosophie, insbesondere Taoismus und Zen-Buddhismus in dem Bemühen, Klarheit in spirituelle Sichtweisen zu bringen. 1989 gab er seine Tätigkeit in der Jugendarbeit auf und schrieb an den „Prophezeiungen von Celestine“. Er verwob den beginnenden spirituellen Pfad seines Protagonisten mit einer Abenteuergeschichte. Ein Geniestreich! Stellvertretend für jeden Suchenden steht John Woodson am Scheideweg. Er verliert seine Arbeit als Lehrer und muss sich neu orientieren. Durch eine Reihe von Zufällen gerät er auf eine völlig neue Bahn. Er lernt schon sehr früh, dass es keine Zufälle gibt. Alles hängt zusammen. Das sind Synchronizitäten. Er trifft „zufällig“ eine alte Freundin wieder, die ihm von Schriftrollen erzählt, die in Peru gefunden wurden. Sie enthalten die vorchristlichen Prophezeiungen, dass eine Zeit des Erwachens anbricht, die im 21. Jahrhundert die Menschheit zu tiefer Spiritualität führen wird und dadurch zu Frieden und Gewaltfreiheit. Eine ganze Reihe von weiteren „Zufällen“ führt ihn nach Peru und mit den Menschen zusammen, die sich für die Verbreitung der sensationellen Prophezeiungen einsetzen, - und dann aber auch mit jenen, die in der Publikwerdung der Erkenntnisse eine Gefahr für sich sehen, namentlich Diktaturen und die katholische Kirche. Der Katholizismus wird repräsentiert durch Kardinal Sebastian, der verzweifelt versucht, die Schriftrollen zu zerstören und zu verhindern, dass deren Inhalte gelehrt werden. Er will nicht zulassen, dass diese Schriften das zerstören, was die Kirche Jahrhunderte lang aufgebaut hat. Die Verfechter der Schriften aber, unter ihnen Pater Jose und Pater Sanchez glauben, dass diese Erkenntnisse die Religion neu beleben würden. Pater Sanchez geht sogar so weit zu behaupten, dass diese Erkenntnisse nur verdeutlichen, was die eigentliche und wahre Bedeutung der Heiligen Schrift ist. Sanchez glaubt, dass der in der Bibel beschriebene Weg, dem der Prophezeiungen von Celestine entspricht. Der Kardinal glaubt das nicht.


James Redfield am Set


Eine der Stärken des Buches ist die Veranschaulichung der verschiedenen Arten, mit denen wir unseren Energiefluss verleugnen oder behindern. Daraus entstehen Kontrolldramen, weil wir dann versuchen, die uns fehlende Energie von anderen zu holen. Jeder kennt einen notorischen Meckerer oder Jammerer. Redfield beschreibt unterschiedliche Strategien eines solchen „Energieraubes“: Das können Vernehmungsbeamte sein, Einschüchterer oder ein Unnahbarer. Alle Kontrolldramen dienen dazu, die Aufmerksamkeit = Energie des Gegenübers zu ergaunern, anstatt, wie das die Prophezeiungen gut beschreiben, den Energiefluss in sich selber zu fördern. Diese eher theoretischen Überlegungen finden im Film nur ansatzweise Widerklang. Der Film konzentriert sich eher auf das, was das Buch nicht kann. Neben den durchweg guten Schauspielern und solide gedrehten Actionszenen, besticht der Film durch wunderbare Landschaftsaufnahmen. Er konzentriert sich also auf das, was das Medium Film besonders gut kann. Das wird auch in Szenen deutlich, in denen die Protagonisten eine so hohe energetische Schwingung haben, dass sie für ihre bewaffneten Verfolger unsichtbar sind. Erst als sie die Schwingung der Angst aufnehmen, werden sie wieder sichtbar. Das hat die Kamera wunderbar eingefangen und ist in der digitalen Bearbeitung gut gelungen.

Das Buch und auch der Film bleiben allerdings auf dem Stand von 1993 stehen. Seitdem wurde die DNS entschlüsselt und esoterische Erkenntnisse und Wissenschaft sind näher zusammen gerückt. Die Quantenphysik bzw. Quantenmechanik haben wissenschaftliche Belege für Vorgänge im menschlichen Bewusstsein gebracht, wie sie in „What the Bleep do we (k)now!?“ erläutert werden. Heute existieren neben der Schulmedizin auch alternative Heilmethoden, wobei die Naturheilkunde, Homöopathie und Akupunktur längst auch von Schulmedizinern praktiziert werden. In diesem Sinne hat sich in den 15 Jahren seit Veröffentlichung des Buches einiges getan. Mit seinen „Prophezeiungen“ hat James Redfield einen guten Schritt in diese Richtung getan und Wege gewiesen, da auch hin zu kommen.



ID 3692
Buch: James Redfield, Barnet Bain, Dan Gordon
Kamera: R. Michael Givens
Musik: Nuno Malo
Mit:
Matthew Settle
Jürgen Prochnow
Thomas Kretchmann
Sarah Wayne Callies
Annabeth Gish
Hector Elizondo
Joaquim De Almeida
John Aylward
Obba Babatundé
Robyn Cohen
Petrus Antonius

Weitere Infos siehe auch: http://www.celestinederfilm.de





 

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